STADT LUZERN: Jetzt wird elektrisch geblasen

Mit ihrem lauten Geräusch sorgen Laubbläser immer wieder für Ärger. Jetzt testet die Stadt Bläser mit Elektromotoren – nicht nur die Arbeiter sind begeistert.

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Die Stadt setzt neu auf Elektro-Bläser. Im Bild: Albert Kreienbühl, Leiter Stadtteil Mitte beim Strasseninspektorat, der diesen demonstriert. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Stadt setzt neu auf Elektro-Bläser. Im Bild: Albert Kreienbühl, Leiter Stadtteil Mitte beim Strasseninspektorat, der diesen demonstriert. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Laub von den Strassen und Gehwegen zu räumen, gehört im Herbst zu den wichtigsten Arbeiten des Strasseninspektorats. Zu gefährlich ist sonst der nasse Laubteppich für Autofahrer und Fussgänger. Deshalb gehören Laubbläser genauso zur herbstlichen Kulisse wie der Nebel. Doch in diesem Jahr gibt es eine grosse Veränderung: Das laute Geräusch der Gebläse ist einem leisen Surren gewichen. Denn die Stadt Luzern besitzt nun drei Elektrolaubbläser. Einer wird beim Friedhof genutzt, einer von der Stadtgärtnerei und ein weiterer vom der Abteilung Stadt Mitte des Strasseninspektorats. Albert Kreienbühl, Leiter dieser Abteilung, ist begeistert: «Es ist eine tolle Sache.» Oft werden er und seine Mitarbeiter sogar von Passanten angesprochen. «Wir haben ein grosses Echo.»

Die alten waren gehörschädigend

Viele Passanten würden die neuen Maschinen begrüssen und fänden das eine gute Investition. Ganz im Gegensatz zu früher, als die Arbeiter oft ein genervtes Kopfschütteln geerntet haben. Kein Wunder, ein Laubbläser hat immerhin Lautstärken mit einem Wert von 100 Dezibel. Zum Vergleich: Ab 65 Dezibel kann der Lärm bereits schädlichen Stress verursachen, und ab 85 Dezibel kann das Gehör geschädigt werden.

Seit einem halben Jahr arbeitet die Stadtmitte mit dem elektrischen Laubbläser. Kreienbühls Erfahrung: «Die E-Bläser machen keinen grossen Lärm und sie stinken nicht.» Da die Maschinen nur mit einem Akku laufen und kein Benzin brauchen, seien sie sehr umweltfreundlich. Ein herkömmlicher Benzin-Bläser arbeitet, gleich wie ein Mofa, mit einem Zweitaktmotor. «Dieser gilt ja generell als Dreckschleuder», so Kreienbühl. Hinzu kommt, dass sich die E-Bläser sehr gut einsetzen lassen.

Als Beispiel nennt er die Laubentfernung von Kiesplätzen. «Der neue Bläser lässt sich auf vier verschiedene Stufen einstellen.» Bei Kiesmaterial reiche die niedrigste Stufe aus. So können die welken Blätter vom Kies auf den Asphalt befördert werden. Dort kann sie die Reinigungsmaschine sauber aufnehmen. «Der herkömmliche benzinbetriebene Motor hat so viel Kraft, dass er auch Kies mit auf den Asphalt geblasen hat.»

Ebenfalls könne nun bei den vielen Veloständern in der Stadt und den Drahtgitterbänken rund um den Bahnhof viel effizienter gereinigt werden. «Mit dem Besen ist das schon sehr mühsam.»

«Da ist mehr Power nötig»

Kreienbühl glaubt, dass der E-Bläser sich deshalb vor allem in der Stadtmitte gut eignet. «Im Stadtteil West wird viel ausserhalb des Zentrums geblasen, da ist mehr Power nötig.» Stufe eins reiche dann nicht mehr aus, da brauche es Stufe vier. «Nach zwei bis drei Stunden ist allerdings der Akku leer», so Kreienbühl. Das Laden des Akkus dauert zwei Stunden. «Sinnvoll ist das so nicht.» Deshalb seien ausserhalb des Zentrums die Benzin-Laubbläser immer noch bevorzugt.

In den Wohngebieten und rund um die Hotelzone, insbesondere am Nationalquai, bewährt sich die Neuanschaffung allerdings sehr. «Nun können wir den Bläser bereits bei der Frühtour einsetzen.» Rücksicht nehmen die Arbeiter allerdings weiterhin: «Natürlich blasen wir nicht gegen Leute und wir müssen aufpassen, dass wir selber nicht zu viel Staub einatmen.» Auch künftig werde der Laubbläser nur wenn nötig eingesetzt und der Nutzen abgewogen. «Liegen bloss ein paar Blätter auf dem Boden, nehmen wir weiterhin den Besen.»

Kosten: 2500 Franken pro Stück

Dennoch ist die Begeisterung gross und Kreienbühl würde gerne zwei weitere Elektro-Gebläse anschaffen. Mit einem Preis von rund 2500 Franken seien diese zwar etwa 500 bis 600 Franken teurer als Benzinbetriebene, die Vorteile überwiegen dennoch, ist er überzeugt. Ausserdem glaubt er, dass auch die Stadt weiter auf die E-Motoren setzen wolle. Der Elektrobläser, der etwa die Stadtgärtnerei nutzt, lässt sich sogar umrüsten. «Aus dem Laubbläser wird dann eine umweltfreundliche Heckenschere.»

Carmen Desax