STADT LUZERN: «Kaffee-Franz» gibt Lebenswerk ab

Franz Stalder (64) ist Kleinunternehmer mit Leib und Seele. Nun übernimmt der 38-jährige Dogan Hasan im Kaffee-Maschinen-Center Stalder das Ruder.

Astrid Longariello
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Dogan Hasan (vorne) in der Werkstatt des Kaffee-Maschinen-Centers. Hinten Franz Stalder. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 31. Januar 2017))

Dogan Hasan (vorne) in der Werkstatt des Kaffee-Maschinen-Centers. Hinten Franz Stalder. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 31. Januar 2017))

Astrid Longariello

stadt@luzernerzeitung.ch

1995 gründete Franz Stalder das Kaffee-Maschinen-Center Stalder an der Bleicherstrasse in Luzern. Wenn er am 1. Juli sein Lebenswerk an seinen Nachfolger übergibt, dann übernimmt dieser nicht etwa ein ausgewachsenes Imperium. Nein, das Kaffee-Maschinen-Center ist ein Kleinstbetrieb geblieben. Das passt zu Franz Stalder. Seine beruflichen Sporen verdiente er zwar einst beim Gross-Warenhaus Manor ab. Doch heute kämpft Franz Stalder dafür, dass kleine und mittlere Betriebe in der Innenstadt eine Zukunft haben. Dabei geht es ihm nicht nur um seinen eigenen Betrieb. Als Präsident der City-Vereinigung ist er seit 2006 Gesicht und Sprachrohr der Geschäfte in der Innenstadt.

Doch nun will Franz Stalder kürzertreten. Der 64-Jährige denkt zwar noch nicht daran, sich ganz zur Ruhe zu setzen. Mindestens zwei Jahre lang will er das Präsidium der City-Vereinigung weiterführen und seinem Nachfolger im Geschäft mit Rat und Tat aktiv zur Seite stehen. «Eigentlich war die Geschäftsübergabe erst auf 2019/20 geplant. Doch da ich weiss, dass es nicht immer leicht ist, eine passende Person zu finden, fing ich früh genug mit der Suche an», sagt Stalder. Ganz wichtig für ihn sei gewesen, jemanden zu finden, der Reparaturen machen, Service durchführen und Dienstleistungen erbringen könne.

Vom Kebab-Verkäufer zum Kaffeemaschinen-Chef

Das grösste Problem habe jedoch nicht in der Nachfolgeregelung bestanden, sondern in ihm selbst. «Ich musste innerlich bereit sein. Wirklich bereit, mein Lebenswerk abzugeben. Das ist gar nicht so einfach», weiss Stalder. Über 20 Jahre lang habe er sich mit Herzblut, Engagement, Kreativität und unermüdlicher Arbeit einen Namen mit dem Kaffee-Maschinen-Center geschaffen. Doch nun habe sich mit Dogan Hasan (38) die richtige Lösung ergeben. Stalders Nachfolger hat kurdische Wurzeln und führte 13 Jahre lang das Kebap- und Pizza-House in Ebikon. Seit einem Jahr ist er ausserdem Inhaber der Firma Kneubühler Gastro GmbH in Luzern. Er freut sich sehr auf seine neue Aufgabe. «Kaffee bedeutet für mich Leben, denn ohne Kaffee können wir nicht leben.» Auch der bei Stalder wichtige Reparaturservice für Kaffeemaschinen reize ihn. Zudem finde er es schön, noch lange mit der Unterstützung von Franz Stalder arbeiten zu können, meint der zukünftige Inhaber und Geschäftsführer. Vom Konzept her wolle er nichts ändern, sondern das Geschäft im Sinne von Stalder weiterführen.

Dass dies für Dogan Hasan keine leichte Aufgabe wird, ist sich Franz Stalder bewusst. «Es gibt immer weniger kleine Betriebe, sie haben Mühe zu überleben. Die Grossen fressen sie auf, und der Onlinehandel boomt», so Stalder. Doch Stalder will nicht nur jammern. Wenn die Kleinbetriebe innovativ bleiben und zusammenstehen, haben sie auch in der Luzerner Innenstadt eine Zukunft – trotz Mietspekulation und aggressiver Konkurrenz durchs Internet und neue Shopping­center. Das ist Stalders Überzeugung – kein Wunder, lautet einer der Leitsätze seiner City-Vereinigung, man wolle Luzern zur «freundlichsten Einkaufstadt der Welt» machen. Die Unternehmer in der Innenstadt hätten es in der Hand, für den Erfolg zu arbeiten. Seiner Meinung nach liegt das Geheimnis ganz klar im «Schaffe, Schaffe, Schaffe». «Man muss viel Zeit in ein Geschäft investieren. Hinzu kommen Freude und Ideenreichtum. Ohne diese Faktoren ist ein Erfolg kaum möglich», so Stalder. Er habe stets überlegt, was ein Kleinbetrieb gegenüber einem Grossbetrieb anbieten könne. Seiner Meinung nach seien das ganz klar Dienstleistungen wie beispielsweise Reparaturen, Service, Abhol- und Bring- Service oder Kurse. Natürlich komme das nicht von heute auf morgen. Man müsse sich einen Namen schaffen und stets präsent sein. So habe er beispielsweise das Kaffee-Catering erfunden. Dafür ist er mit seinem auffälligen Vespacar Piaggio unterwegs zu den verschiedensten Anlässen. «Dieses Kaffeemobil fällt auf, und die Menschen reden darüber», sagt Franz Stalder.

Obwohl Franz Stalder oft sieben lange Arbeitstage hinter sich brachte, sei dies stets Freude für ihn gewesen. Er schaffte es auch, als aktives Mitglied bei mehreren Fasnachtsorganisationen mitzuwirken. «Sogar Sport trieb ich nebenbei noch.» Dem Sport wolle er sich in Zukunft vermehrt widmen. Und sicherlich bis 70 aktiv arbeiten. «Was nach 70 kommt, daran denke ich noch nicht. Vorerst bin ich glücklich, dass mein Lebenswerk weitergeführt wird.»