Littau
Zu teuer: Luzerns Stadtparlament versenkt Projekt Cheerstrasse

Die Umfahrung Cheerstrasse ist in der bisherigen Form vom Tisch – obwohl das Volk zweimal Ja gesagt hat. Das Stadtparlament bereitet den Weg für ein völlig neues Projekt.

Robert Knobel
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32,5 Millionen Franken sollte das Projekt Umfahrung Cheerstrasse im Littauerboden kosten. So sah es der entsprechende Bericht&Antrag des Luzerner Stadtrats vor.

Doch der 43-seitige Bericht wandert nun ins Altpapier. Das Stadtparlament ist am Donnerstag wie erwartet gar nicht erst auf das Geschäft eingetreten. Stattdessen soll in den nächsten Monaten über eine grundsätzliche Neuausrichtung diskutiert werden. Entsprechende Vorstösse sind bereits eingereicht. Einig ist sich das Parlament, dass die Verkehrssituation im Littauerboden und rund um den Bahnhof Littau verbessert werden muss. Genauso viel Einigkeit herrscht darüber, dass das vom Stadtrat vorgelegte Projekt untauglich und viel zu teuer ist. «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist geradezu katastrophal», so Nico van der Heiden (SP). Auch Fabian Reinhard (FDP) fand: «32 Millionen für 800 Meter Strasse – die Kosten sind völlig aus dem Ruder gelaufen.»

Nach über einem Jahrzehnt Planung wird das Projekt Cheerstrasse nun also definitiv begraben. Dies, obwohl die Littauer Stimmberechtigten 2009 dem Projekt grossmehrheitlich zustimmten. Doch damals wurden die Kosten bloss auf 14 Millionen Franken beziffert. Nach der Fusion zeigte sich, dass der Kredit viel zu tief angesetzt war. 2017 sagten die Stadtluzerner Stimmberechtigten knapp Ja zu einem Zusatzkredit von 4,8 Millionen Franken. Im Frühling 2021 zeigte sich, dass auch dies bei weitem nicht ausreicht. Der Stadtrat begründete dies unter anderem mit Forderungen des Kantons, die zu hohen Mehrkosten führen. So verlangt der Kanton, dass der Hornbach-Kreisel durch eine Kreuzung mit Ampel ersetzt wird. Allein dies erhöht die Kosten um 5 Millionen Franken.

FDP: «Das ist Pontius-Pilatus-Politik»

Doch insbesondere die Bürgerlichen zweifelten an diesen Argumenten. Sie vermuten, dass der Stadtrat von Anfang an gar keine Umfahrungsstrasse wollte – aus Respekt vor den beiden Volksentscheiden aber widerwillig die Planung vorantrieb und am Ende ein unrealistisches Projekt präsentierte, das zum Scheitern verurteilt war. «Das ist Pontius-Pilatus-Politik: Am Ende wäscht der Stadtrat seine Hände in Unschuld, wenn das Projekt scheitert», sagte Fabian Reinhard (FDP).

Borgula: «Wir hatten den Auftrag, eine neue Strasse zu bauen»

Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) weist diese Kritik zurück. Der Stadtrat sei von Anfang an im Dilemma gewesen. Man habe immer offen gesagt, dass das ursprüngliche Projekt der Gemeinde Littau «verkehrlich nicht überzeugt». Gleichzeitig habe sich der Stadtrat nicht einfach über einen Volksentscheid hinwegsetzen können. «Wir hatten den Auftrag, eine neue Strasse zu bauen», so Borgula. Die Stadt habe dann versucht, das Projekt so aufzubessern, dass es für den ganzen Littauerboden einen Mehrwert bringt. Doch dadurch stiegen die Kosten unaufhörlich – zuletzt auch durch die Vorgaben des Kantons. Dass dieser anstelle eines Kreisels den Neubau einer Ampel-Kreuzung fordert, wisse man erst seit Ende 2019, so Borgula.

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