STADT LUZERN: Luzerner Baumverpflanzungsfirma sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert

Offene Rechnungen und ein vermeintlicher Firmensitz: Jene Firma, die in Schlieren spektakulär einen Baum verpflanzt hat, macht geschäftlich nicht die beste Figur.

Roman Hodel
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Diese 20 Meter hohe Rotbuche auf dem Stadtplatz in Schlieren wurde vor kurzem mit Spezialfahrzeugen in den 150 Meter entfernten Stadtpark versetzt. (Bild: Pascal Bloch/Keystone (5. Februar 2018))

Diese 20 Meter hohe Rotbuche auf dem Stadtplatz in Schlieren wurde vor kurzem mit Spezialfahrzeugen in den 150 Meter entfernten Stadtpark versetzt. (Bild: Pascal Bloch/Keystone (5. Februar 2018))

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

Ein Medienspektakel war es. Die grösste Baumversetzung, die die Schweiz je gesehen hatte. Zeitungen, Radios, TV-Sender – alle berichteten im Februar über die gut 80-jährige Rotbuche, die im Zentrum des Zürcher Vororts Schlieren versetzt wurde. Sie stand der künftigen Limmattalbahn im Weg und musste deshalb verschoben werden. Die vielen Berichte sollten nicht zuletzt der Luzerner BMB Group nützen, die das Ganze möglich machte und auf weitere ähnliche Aufträge hofft. (Artikel vom 30. Januar).

Die Firma ist auf die Verpflanzung von Grossbäumen spezialisiert und führte jene in Schlieren auf eigene Verantwortung durch. An die Kosten von rund 160'000 Franken steuerte die Stadt Schlieren 40'000 bei, die Limmattalbahn 20'000, den Rest holte die BMB Group über Sponsoren ein.

Doch mehrere beteiligte Firmen warten nun auf ihr Geld, wie unsere Zeitung weiss – etwa die Züsli Gartenbau AG aus Embrach ZH. Es geht laut Inhaber Peter Züsli um einen fünfstelligen Betrag: «Wir hatten aufgrund der Angaben der BMB Group Angestellte und andere Firmen aufgeboten, doch als die Arbeiten begannen, zeigte sich rasch, dass es viel zu knapp kalkuliert war.» Züsli musste über Subunternehmen kurzfristig mehr Arbeiter aufbieten und weitere Geräte organisieren. «Dies geschah stets mit dem Einverständnis der BMB Group», sagt Züsli. «Genau diese Rechnungen will die Firma aber nicht bezahlen – einzig ein Teilbetrag wurde überwiesen, quasi eine Pauschale, die so nie abgemacht war.» Er sagt: «Wir hätten uns besser absichern sollen.»

An der Steinhofstrasse 44 gibt es keine BMB Group

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die BMB Group mit offenen Forderungen konfrontiert sieht. Unter anderem deswegen hat die deutsche Firma Opitz Grossbaumverpflanzung die Zusammenarbeit mit der BMB Group Anfang 2018 beendet. «Derzeit befinden wir uns in einem Abwicklungsprozess, der anwaltlich begleitet wird», so die Firma.

Mehrmals hat Züsli versucht, die BMB Group zu erreichen: «Doch niemand ging ans Telefon – und die Rechnungen, die wir geschickt haben, sind zurückgekommen. Denn an der Adresse in Luzern ist keine solche Firma gemeldet, obwohl dies gemäss Website der Fall sein sollte.» Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass an der Steinhofstrasse 44 tatsächlich weder ein Briefkasten noch eine Klingel mit der Aufschrift BMB Group existieren. Auch den angetroffenen Bewohnern sagt der Name nichts. Bei einem anderen Büro, das sich an dieser Adresse befindet, sagt eine Mitarbeiterin: «Wir erhielten bereits vor ein paar Monaten mehrmals fälschlicherweise Post, die an diese Firma adressiert war – bis wir interveniert haben.»

Die BMB Group ist laut ihrem Projektleiter Andreas Bernauer «meistens vor Ort bei ihren Kunden tätig» und braucht daher kein eigenes Büro. Die Geschäftsadresse laufe über eine Anwaltskanzlei, die zuvor an der Steinhofstrasse eingemietet war. «Wegen laufender Projekte sind wir in Verzug mit dem Aktualisieren der Adresse», so Bernauer. Auf die Frage, wo sich denn aktuell der Sitz befindet, sagt er bloss: «In Luzern».

Die Vorwürfe der Züsli Gartenbau weist der Projektleiter allesamt zurück: «Wir haben mit dieser Firma eine Pauschale abgemacht und bereits im Februar überwiesen, obwohl nicht alle Arbeiten wie vereinbart ausgeführt waren.» Für die Verpflichtung von zusätzlichen Mitarbeitern von Drittfirmen habe die BMB Group nie ihr Einverständnis gegeben. Was die Forderungen der Opitz GmbH & Co. betreffe, könne er sich wegen des laufenden Verfahrens nicht dazu äussern. Bernauer: «Mit anderen Unternehmen funktioniert die Zusammenarbeit bestens und die Rechnungen werden bezahlt.»

Stadtrat will alle an einen Tisch bringen

Wegen der offenen Rechnungen ist im Stadtparlament von Schlieren mittlerweile eine Anfrage der SVP hängig. Die Partei will unter anderem wissen, ob auf die Stadt zusätzliche Kosten zukommen. Stadtrat Markus Bärtschiger (SP) darf der Beantwortung nicht vorgreifen – nur so viel: «Von Gesetzes wegen sind wir nicht verpflichtet, allenfalls offene Rechnungen der Subunternehmen zu bezahlen.» Die BMB Group habe die Arbeit gut ausgeführt. «Wir werden versuchen, die beteiligten Unternehmen an einen Tisch zu bringen, damit diese Geschichte ein gutes Ende nehmen kann.»