STADT LUZERN: Luzerner Linke würde für die Sicherheit Bäume opfern

Haldenstrasse und Schweizerhofquai sollen für die Verkehrsteilnehmer sicherer werden, fordern vier Parteien im Grossen Stadtrat. Die Linken sind sogar bereit, Bäume zu fällen.

Sandra Monika Ziegler
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Ohne Bäume hätten Velofahrer auf der Haldenstrasse mehr Platz. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 28. März 2017))

Ohne Bäume hätten Velofahrer auf der Haldenstrasse mehr Platz. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 28. März 2017))

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Dass die Sicherheit von Velofahrenden in der Stadt Luzern erhöht werden muss, wird von praktisch allen städtischen Parteien gefordert. Auseinander gehen jedoch die Meinungen, wo was mit welcher Priorität getan werden muss. Gefahren-Hotspots sind beispielsweise die Haldenstrasse und der Schweizerhofquai. Diese sind jedoch Kantonsstrassen.

Deshalb haben die Fraktionen von SP, Grünliberalen, Grünen und FDP gemeinsam ein Postulat im Grossen Stadtrat eingereicht. Sie verlangen von Seiten der Stadt, dass sie mehr Druck auf den Kanton ausübt, und fordern Verbesserungen auf der Haldenstrasse und am Schweizerhofquai. Diese Strassenabschnitte gehören zu den gefährlichsten auf Stadtboden, wie es im Postulat heisst: «In den letzten sechs Jahren kam es zu 32 Unfällen mit leicht bis schwer verletzten Velofahrenden und einem Todesfall.»

Stadt soll sich beim Kanton für Lösungen einsetzen

Die Politiker erwarten vom Stadtrat, mit dem Kanton die Situation auf diesen Strassenabschnitten zu analysieren und entsprechende Massnahmen zu definieren. Dies vor allem auch deshalb, weil es der Kanton bisher unterlassen habe, punkto Sicherheit etwas zu unternehmen. Als eine mögliche Massnahme für die Haldenstrasse könnte sich etwa SP-Grossstadtrat Simon Roth Folgendes vorstellen: «Die Strasse auf Kosten der Bäume zu verbreitern und die Anlieferungen so zu regeln, dass nicht mehr auf dem Velostreifen parkiert wird.»

Kritisch für Velofahrer sei auch der Luzernerhof, so Roth: «Stadtauswärts ist es unübersichtlich, und stadteinwärts fehlen klare Markierungen. Wir fordern deshalb, dass auch auf diesem Strassenabschnitt die Sicherheit erhöht wird.»

Die Linken hatten bereits im Stadtparlament erreicht, dass sich der Stadtrat beim Kanton für eine kombinierte Bus-/Velospur am Schweizerhofquai und auf der Seebrücke einsetzt (Ausgabe vom 7. April). Dies begrüsst Roth: «Eine durchgehende Busspur Seebrücke–Luzernerhof würde die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs deutlich steigern, weshalb ich der Idee gerne zustimme. Wenn die Spuren für Fahrräder und öffentlichen Verkehr noch getrennt geführt werden könnten, wäre das natürlich noch besser.»

FDP-Grossstadtrat Fabian Reinhard sieht Verbesserungspotenzial in der Schaffung neuer Infrastrukturen. «Neue Velo­wege wären da eine Lösung. Sie dürfen jedoch nicht auf Kosten der Fussgänger oder des Individualverkehrs geschaffen werden.»

Spange Nord ist für die FDP eine Voraussetzung

Die durchgehende Busspur sei eine flankierende Massnahme der Spange Nord, so Reinhard. «Solange diese jedoch nicht realisiert ist, kann eine kombinierte Bus-/Velospur keine Lösung sein und verursacht höchstens ein Verkehrschaos.» Doch egal, welche Massnahmen zur Optimierung der Sicherheit für Velofahrer getroffen werden, entscheidend sei das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer, betont Reinhard, speziell das der Velofahrenden. Denn die Unfallstatistik zeige klar, dass bei diesen Verkehrsteilnehmern Selbstverschulden – mit fast 50 Prozent – die häufigste Unfallursache sei.

Mit dem Postulat fordern die Fraktionen zudem, dass die Öffentlichkeit über die vom Kanton geplanten Massnahmen und deren Umsetzungszeitpunkt informiert wird. Sollte jedoch der Stadtrat der Meinung sein, der Kanton wolle oder könne keine Massnahmen aufgleisen, so solle die Stadt selbst aktiv werden, um gefährliche Stellen zu entschärfen. Das Postulat wurde am 27. April eingereicht und ist vom Stadtrat noch zu beantworten.

Die Fussgängerlobby, vertreten durch Beat Murer, Vizepräsident Fussverkehr Schweiz, Region Luzern, war am Freitag für eine Einschätzung nicht erreichbar.