STADT LUZERN: Mehr als nur eine Vernissage

Ein Kapitel Luzerner Kulturgeschichte ist mit dem Erscheinen des Buches «Ein Boa Teil» beendet. Aktivisten aus den beinahe zwei Jahrzehnten Boa-Geschichte, die wechselnden Präsidenten der Trägervereine, alle waren dabei.

Drucken
Teilen
Maria Häfliger war eine der Ersten die eines der begehrten Bücher erhielt. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Maria Häfliger war eine der Ersten die eines der begehrten Bücher erhielt. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Eine kurze Ansprache, drei Lesungen mit Müsterchen aus dem Buch – das war es schon im offiziellen Teil. In der und um die städtische Liegenschaft an der Industriestrasse, wo auch das Figurentheater beheimatet ist, gabs am Samstag bald ein nächtelanges Stelldichein: eine von Hunderten frequentierte Party, bestens durchmischt, generationenübergreifend, was das Publikum wie die Kulturaktivisten selber betrifft. Drinnen spielte der 63-jährige Ausnahmeakkordeonist Hans Hassler, vollbärtig und langhaarig, draussen lief des kahlköpfigen Sam Pirellis? «Psycho Radio Show», von Balkon und Rampe des Nachbarhauses tönten die rumpeligen Klänge der weiblichen The Boys. Es war eine Szenerie, die auch an früher gemahnte.

«Ohne Geld, dafür Herzblut»
Sie waren (fast) alle gekommen, Aktivisten aus den beinahe zwei Jahrzehnten Boa-Geschichte, die wechselnden Präsidenten der Trägervereine. Auch Marlon Heinrich (53) war zugegen, der vor 20 Jahren, ganz am Anfang noch ohne Lohn und zuerst im Alleingang, den Boa-Betrieb gut vier Jahre leitete. «Ohne Geld, aber mit Herzblut», so funktionierte es damals. Er wolle die Vergangenheit nicht verklären, sondern vielmehr auch in die Zukunft schauen: «Ich wünsche mir», so Heinrich, «dass Kultur auch weiterhin aus idealistischen Beweggründen möglich wird und nicht nur eine Eventkultur existiert.»

Ein Kapitel Luzerner Kulturgeschichte ist mit dem Erscheinen des Buches «Ein Boa Teil» beendet. Der Leiter des neuen Kulturzentrums Südpol, Philippe Bischof, hat sich am Samstag auch ein Buch gekauft.

Urs Hangartner