Stadt Luzern
Mitgliederschwund in der katholischen Kirche: Tempo hat sich verdoppelt

In der Stadt Luzern hat sich der Rückgang der Katholiken deutlich beschleunigt. Den Kirchenfinanzen geht es trotzdem bestens – zumindest vorläufig noch.

Robert Knobel
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Auf dem Gebiet der alten Stadt Luzern leben aktuell etwas über 30'000 Katholiken (inklusive Wochenaufenthalter). Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt somit bei etwa 46 Prozent. Zum Vergleich: Noch 2015 zählte die katholische Kirchgemeinde Luzern (ohne Littau/Reussbühl) mehr als 34'000 Katholiken. Und der Abwärtstrend wird weitergehen.

Das hält der Kirchenrat, die Exekutive der Kirchgemeinde, in einem Bericht und Antrag zuhanden des Kirchenparlaments fest. Der Rückgang an Mitgliedern habe sich jüngst sogar nochmals deutlich beschleunigt: Betrug er in den letzten zehn Jahren knapp 1,5 Prozent pro Jahr, so waren es doppelt so viel, wenn man nur die letzten fünf Jahre betrachtet. Am stärksten war der Mitgliederschwund in der Pfarrei St.Karl: Dort ging die Zahl der Katholiken seit 2015 um 15 Prozent zurück. Am kleinsten (9 Prozent) war der Rückgang in der Pfarrei St.Leodegar.

Veränderung Mitgliederzahlen

Luzerner Pfarreien
Pfarrei 2015 2020 Veränderung in %
St. Anton/Michael 8182 7259 –11
St. Maria 4304 3875 –10
St. Paul 5208 4612 –11
St. Johannes 4275 3822 –11
St. Josef 2463 2118 –14
St. Karl 2771 2352 –15
St. Leodegar 5804 5280 –9

Geht es in diesem Tempo weiter, könnte die katholische Kirchgemeinde Luzern bis 2035 auf etwa 18'500 Mitglieder schrumpfen. Die Folge davon wären massiv sinkende Kirchensteuer-Einnahmen. Bis jetzt hat sich der Mitgliederschwund allerdings noch nicht finanziell ausgewirkt. Im Gegenteil: Die Rechnung 2020 der Kirchgemeinde Luzern schloss mit einem Plus von 2,4 Millionen Franken viel besser ab als erwartet. Die Steuereinnahmen sind 2020 sogar um satte 8 Prozent auf 22,7 Millionen angestiegen.

Ausgetretene zahlten ohnehin nicht viel Steuern

Wie ist das zu erklären? Wie der Kirchenrat in seinem Bericht schreibt, verzeichnet man bei Firmen und Mitgliedern allgemein steigende Steuererträge. Diejenigen, welche die Kirche verlassen, sind mehrheitlich unter 40-jährig und zahlen ohnehin vergleichsweise wenig Steuern. Daher fallen diese Austritte nicht so sehr ins Gewicht. Doch irgendwann wird die ältere Generation, die heute die Hauptlast der Kirchensteuern trägt, wegsterben. Dann wird sich die Finanzsituation der Kirchgemeinde stark verschlechtern.

Mittelfristig müsse die Kirchgemeinde grundsätzlich über die Bücher, so der Kirchenrat. Für die nächsten fünf Jahre könne man das bisherige Angebot sicher aufrechterhalten. Danach müsse man aber über Stellenreduktionen und Umnutzungen von kircheneigenen Räumlichkeiten nachdenken. Klar sei jedenfalls, dass die heutige Infrastruktur, welche bis in die 70er-Jahre auf die Bedürfnisse von rund 53'000 Katholiken ausgebaut wurde, heute überdimensioniert ist. Die Frage, welche Räume künftig noch gebraucht werden, soll das Projekt «Räume 22 plus» klären, dessen Erkenntnisse bis im Sommer 2022 vorliegen sollen.