STADT LUZERN: Neuer Quartierladen – trotz Lädelisterben

Ende Oktober schloss die Metzgerei Kauffmann an der Stadthausstrasse. Für die künftige Nutzung haben die Besitzer konkrete Pläne. Dabei soll die Familientradition gewahrt werden.

Sandra Monika Ziegler
Drucken
Teilen
Otto Kauffmann-Meyer im Jahr 1914 mit seiner Belegschaft auf der Hirschmattstrasse vor der Grossmetzgerei. (Bild: Stadtarchiv)

Otto Kauffmann-Meyer im Jahr 1914 mit seiner Belegschaft auf der Hirschmattstrasse vor der Grossmetzgerei. (Bild: Stadtarchiv)

Rund 180 Jahre war die Metzgerdynastie Kauffmann in der Stadt Luzern aktiv. Im Oktober letzten Jahres schloss die Metzgerei an der Ecke Stadthausstrasse/Hirschmattstrasse (Ausgabe vom 13. Juli 2016). Einerseits litt die Kauffmann AG unter der grossen Konkurrenz, andererseits standen teure Sanierungsarbeiten an. Der weisse Schriftzug Kauffmann auf blauen Markisen ist inzwischen verschwunden, die Mieter sind ausgezogen. Nun wird das Lokal von Grund auf saniert.

Die Besitzerfamilie, vertreten durch Laurence Kauffmann, hat klare Vorstellungen, was im 180 Quadratmeter grossen Lokal an der Stadthausstrasse 2 entstehen soll. «Auf keinen Fall gibt es hier einen Kebab- oder Hamburgerladen. Vom Kauffmann zum Burgerladen – um Gottes Willen. Uns schwebt etwas vor, das das Quartier belebt und dem Lädelisterben entgegen wirkt.»

Neuer Laden soll im November öffnen

Dabei könnte eine Minimarkthalle mit diversen Marktständen durchaus passend sein. Zu ersten Interessenten wurden bereits Kontakte geknüpft. «Ein Interessent hat uns sein Konzept zugestellt, das scheint viel versprechend», so Kauffmann. Restauration kombiniert mit einem Comestible-Geschäft, sei durchaus eine mögliche Alternative. Noch werden Details besprochen und angepasst. Kommt es zum Vertragsabschluss, dann könnte der Minimarkt im kommenden November öffnen. «Für uns ist es wichtig, dass mit dem neuen Konzept auch ein Teil der Familientradition gewahrt wird», sagt Laurence Kauffmann. Es sollen also auch regionale und vor allem hochwertige Produkte angeboten werden.

Das könne durchaus im Stil eines kleinen speziellen Quartierladens sein. «Wir sind zuversichtlich. Das Haus steht an einer guten Passantenlage, und ein Parkhaus ist in unmittelbarer Nähe», sagt Kauffmann. Es sei ein Privileg, durch den geplanten Quartierladen das Luzerner Stadtleben nachhaltig mitzugestalten. Dies sei auch eine soziale Verantwortung, der die Kauffmanns nachkommen wollen.

So kam es im Jahr 1982 zum Verkauf an die Grossmetzgerei Bell AG. Diese führte den Betrieb unter dem Namen «Metzgerei Kaufmann» weiter. Bell zog sich im Jahr 2003 aus dem Detailhandel zurück und Walter Gfeller, der damalige Leiter der Metzgerei-Fachgeschäfte, kaufte 15 der 20 Filialen, darunter auch die an der Stadthausstrasse. Er gründete dazu die Kauffmann AG. So blieb die «Chauffme Metzg» namentlich in Luzern erhalten. Ende Oktober 2016 musste der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Die Kauffmann AG ist heute noch in der Stadt mit einer Verkaufsstelle im Globus vertreten.

Metzgerei im Jahr 1895 eröffnet

Die Kauffmann-Metzgerei an der Stadthausstrasse 2 wurde 1895 von Karl Kauffmann eröffnet. Es handelte sich um die erste Fleischverkaufsstelle auf der linken Reussseite. Im Jahr 1982 wurde die Metzgerei an die Bell AG verkauft. 2004 verkaufte diese das Geschäft weiter an die neu gegründete Kauffmann AG, welche die Metzgerei an der Stadthausstrasse bis Ende letzten Oktober führte.

Im Zuge der Sanierung werden nun der Ölkessel und die dezentralen Ölöfen demontiert und durch einen Gas-Brennkessel ersetzt. Neu wird ein behindertengerechter Lift im Haus eingebaut und neue Wasser- und Stromleitungen verlegt. Original bleiben laut der Besitzerfamilie fast nur die Böden, zum Teil mit dem für diese Zeit typischen Fischgrät-Parkett und die stukkierten Gipsdecken.

Sandra Monika Ziegler

 

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch