STADT LUZERN: Neues Oberstufen-Modell an Sekundarschule im Gegenwind

Kaum eingeführt, wird das integrative Sek-Modell in Luzern zum Politikum. Ein Vorstoss fordert, dass die vier wichtigsten Fächer wieder nach Niveau getrennt unterrichtet werden.

Robert Knobel
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Sekundarschüler während des Unterrichts im Schulhaus Gasshof im Stadtteil Littau. (Bild: Boris Bürgisser)

Sekundarschüler während des Unterrichts im Schulhaus Gasshof im Stadtteil Littau. (Bild: Boris Bürgisser)

Seit diesem Schuljahr gilt das integrative Modell auch an der städtischen Oberstufe. Anstatt in getrennten Leistungsklassen werden die Sek-Schüler in einer Mischklasse unterrichtet, so wie sie es von der Primarschule kennen. In einer Klasse werden also leistungsstarke Schüler mit Niveau A zusammen mit Schülern der Niveaus B und C unterrichtet. Einzig für die Fächer Französisch und Englisch erfolgt der Unterricht weiterhin nach Niveau getrennt.

Die Umstellung wurde von der Stadt euphorisch verkündet, nachdem ein Pilotversuch im Schulhaus Gasshof im Schuljahr 2014/15 erfolgreich verlaufen war. Doch bei den direkt Betroffenen ist man längst nicht überall glücklich über den Systemwechsel. «Es gibt viele kritische Rückmeldungen von Eltern und Lehrpersonen», sagt FDP-Grossstadträtin Sandra Felder-Estermann. Mühe mit dem neuen Modell hätten insbesondere Eltern von leistungsstarken Kindern. «Für sie war das alte Modell besser», sagt Felder. Mit einem Postulat will sie nun erreichen, dass die Sek-Schüler auch in Deutsch und Mathematik wieder nach Niveau getrennt unterrichtet werden.

Lehrer-Exodus an städtischem Schulhaus

Sollte die Forderung umgesetzt werden, bedeutet dies, dass die Stadt weniger auf Integration dafür mehr auf Separation setzt. «Auch in anderen Gemeinden werden die vier wichtigsten Fächer separat unterrichtet», sagt dazu Sandra Felder. Sie hofft, dass die Stadt schon aufs nächste Schuljahr hin Korrekturen am integrierten Modell vornimmt.

In einem weiteren Vorstoss will Felder wissen, wieso gerade die Fächer Französisch und Englisch separat unterrichtet werden, nicht aber Deutsch und Mathe. Auch fragt sie, ob die Einführung der integrierten Oberstufe nicht doch eine versteckte Sparmassnahme gewesen sei. Zumindest offiziell betonte die Stadt immer, der Modellwechsel erfolge aus pädagogischen Gründen. In der Interpellation, die auch Mitglieder der Grünen und der GLP unterzeichnet haben, tauchen weitere kritische Fragen an den Stadtrat auf. So haben die Unterzeichner Kenntnis von einer ­Kündigungswelle am Mariahilf-Schulhaus. Sie wollen wissen, ob diese einen Zusammenhang mit dem neuen Sek-Modell hat.

Auch Lisa Zanolla (SVP), Präsidentin der parlamentarischen Bildungskommission, unterstützt die Vorstösse. «Die SVP war immer skeptisch gegenüber dem Systemwechsel.» Daniel Furrer, der für die SP in der Bildungskommission sitzt, warnt hingegen vor Schnellschüssen. «Man muss die Bedenken von Eltern zwar ernst nehmen, aber es wäre viel zu früh, ohne fundierte Evaluation schon wieder das System in Frage zu stellen.»

Ganz zurück zum alten Modell will aber auch Sandra Felder nicht. «Das integrierte Modell bietet grundsätzlich mehr Chancengleichheit.» Auch biete es den Schülern mehr Flexibilität. Wenn zum Beispiel jemand in einem Fach grosse Fortschritte macht, kann er einfach das Niveau wechseln, ohne gleich in eine andere Klasse versetzt zu werden.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch