Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STADT LUZERN: Peinliches Datenleck: Sozialstiftung informiert versehentlich über psychische Probleme von Mietern

Die Gemeinnützige Stiftung für preisgünstigen Wohnraum GSW hat höchst vertrauliche Daten von Mieterinnen und Mietern publik gemacht. Der GSW-Geschäftsführer will den Fauxpas nicht schönreden.
Thomas Heer
Eine psychisch kranke Patientin in ihrem Zimmer (gestellte Szene). (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Eine psychisch kranke Patientin in ihrem Zimmer (gestellte Szene). (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Der Brief an «alle Mieter und Mieterinnen» ist datiert vom vergangenen 2. März und wurde an die knapp 90 Parteien eines Wohnblocks in der Luzerner Neu­stadt versandt. In der Betreff-Zeile heisst es: «Nachrüstung ­Sicherungskaste/Kontrolle Heizungsrohre». Im Brief wird aufgeführt, welche Firmen für die Arbeiten zuständig sind.

Die Verfasserin des Schreibens, eine eidgenössisch diplomierte Immobilienbewirtschafterin der Gemeinnützigen Stiftung für preisgünstigen Wohnraum Luzern GSW, weist auch auf die Beilage hin. Auf diesen Papieren finden die Adressaten den gesamten Einsatzplan der Handwerker. «Wir bitten Sie», so heisst es weiter, «zu den vorgegebenen Zeiten anwesend zu sein und den Handwerkern Zutritt zu Ihrer Wohnung zu gewähren.»

Geschäftsführer spricht von Lapsus

Aber genau in diesem Einsatzplan liegt der Hund begraben. Denn im sieben Spalten umfassenden Dokument findet der aufmerksame Leser neben dem Namen des Bewohners auch Angaben, die nie und nimmer auf einer solchen Liste aufgeführt sein dürfen. Zum Beispiel, ob die Person von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde betreut wird oder in Kontakt steht mit dem Netzwerk Traversa, einer Organisation für Menschen mit einer psychischen Erkrankung und ihren Bezugspersonen. Auf der GSW-Liste ist das dann so festgehalten: «(Traversa psy. Kranke)». Mit anderen Worten: Nach dem GSW-Schreiben an die «sehr geehrten Damen und Herren» weiss somit jede und jeder, welcher Nachbar, welche Nachbarin mit psychischen Problemen kämpft.

Als unsere Zeitung den GSW-Geschäftsführer Rolf Fischer mit den Vorkommnissen konfrontiert, redet dieser nicht lange um den heissen Brei herum und sagt in einer ersten Reaktion: «Das tönt nicht gut», um danach zu ergänzen: «Das ist ein Versehen, ein Lapsus», der, so sinngemäss, nicht hätte passieren dürfen.

Der Schaden ist nun leider bereits angerichtet. Es kann davon ausgegangen werden, dass die GSW künftig mit heiklen Daten der Bewohnerinnen und Bewohner vorsichtiger umgeht.

Die GSW, gegründet 1984 von der Stadt Luzern, der Luzerner Kantonalbank und mehreren Baugenossenschaften, bewirtschaftet derzeit über 361 Wohnungen sowie 43 gewerbliche Räume. Das heisst Ladenlokale, Büros, Werkstätten oder Lager. Die GSW-Liegenschaften finden sich vor allem in den Quartieren Basel-/Bernstrasse und dem Maihof, an der Neustadt- sowie der Spitalstrasse. Gemäss GSW-Präsident Bernhard Kobler will die Stiftung ihr Portefeuille von heute gut 360 auf bis zu 500 Wohnungen vergrössern. Diese Aussage machte Kobler im Mai vergangenen Jahres gegenüber unserer Zeitung.

Die GSW bevorzugt in ihren Wohnungen Personen, die auf dem normalen Markt Probleme bekunden, ein Mietverhältnis abzuschliessen. Das betrifft unter anderem Menschen mit Suchtproblemen, psychischen und physischen Erkrankungen, einem schwierigen Migrationshintergrund oder Sozialhilfeempfänger. Künftig würden es aber auch zunehmend ältere Menschen mit geringem Einkommen sein. Die 1,5- bis 4-Zimmer-Wohnungen kosten durchschnittlich 742 bis 1207 Franken pro Monat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.