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STADT LUZERN: Pfarrei erhält weltliche Führung

Katholische Pfarreien werden normalerweise von Priestern und Theologen geleitet. Die Stadtluzerner Pfarrei St. Karl geht nun aber neue Wege – und stellt einen Geschäftsführer ein.
Simon Bordier
Der ehemalige Gemeindepräsident von Meierskappel, Armin Huber, wird neu Leiter Administration und Infrastruktur der Luzerner Pfarrei St. Karl. (Bild: Neue LZ/Maria Schmid)

Der ehemalige Gemeindepräsident von Meierskappel, Armin Huber, wird neu Leiter Administration und Infrastruktur der Luzerner Pfarrei St. Karl. (Bild: Neue LZ/Maria Schmid)

Simon Bordier

Über sechs Jahre hat die Theologin Silvia Huber (55) die katholische Pfarrei St. Karl in der Stadt Luzern geleitet. Nun tritt sie per Ende April zurück. Ein solcher Rücktritt ist für keine Pfarrei leicht zu verkraften. Denn landauf, landab fehlt es an Seelsorgern; offene Stellen lassen sich nur sehr schwer besetzen. Die Pfarrei St. Karl hat deshalb einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: «Wir haben uns überlegt, welche Aufgaben, die bisher von Frau Huber betreut wurden, ein Theologiestudium voraussetzen», erklärt Hansruedi Kleiber, Leiter des Pastoralraums Luzern. Es habe sich herausgestellt, dass zahlreiche Aufgaben eines Gemeindeleiters rein administrativer Natur sind – also auch von einer Verwaltungskraft ohne theologische Ausbildung betreut werden können.

Gemeindepräsident geht zur Pfarrei

Diese Erkenntnis hat sich nun in den Gemeindestrukturen niedergeschlagen. So werden in der Pfarrei St. Karl neu zwei unterschiedliche Führungsfunktionen geschaffen: Jene des «Leiters Administration und Infrastruktur» wurde mit Armin Huber (55) besetzt. Huber war von 2000 bis 2008 Gemeindepräsident von Meierskappel. Eine theologische Ausbildung hat er nicht. Für den seelsorgerischen Teil der Pfarreileitung wurde deshalb Franz Zemp verpflichtet. Er leitet bereits die Pfarrei St. Josef im Maihof und ist zudem als Seelsorger beim Verein Kirchliche Gassenarbeit tätig. «Die Arbeitsbelastung wird sich für mich durch die neue Funktion kaum ändern», sagt Zemp auf Anfrage. Denn einerseits könne er in der Pfarrei St. Karl auf ein bestehendes Seelsorger-Team zurückgreifen.

Administration ausgelagert

Und vor allem wird er dank des neuen Geschäftsleiters von den administrativen Aufgaben befreit. «Meine Hauptaufgabe besteht in der Koordinierung der Ressourcen und der Planung der Liturgie», sagt Zemp. So sollen unter anderem die Gottesdienste in den Nachbarpfarreien St. Karl und St. Josef «noch stärker aufeinander abgestimmt werden». Pastoralraumleiter Hansruedi Kleiber ergänzt: «Es ist vorstellbar, dass künftig mehr Veranstaltungen gemeinsam organisiert und in einer der beiden Pfarreien durchgeführt werden.» Man wolle hierbei auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kirchenbasis Rücksicht nehmen. «Die neue Lösung heisst nicht, dass die beiden Pfarreien fusionieren», betont Kleiber.

«Noch vieles im Aufbau begriffen»

Welche Rolle der neue Geschäftsleiter im Pfarreialltag genau einnehmen wird, ist noch nicht ganz klar. Denn so konsequent wie im Fall von St. Karl sind administrative und pastorale Aufgaben noch in kaum einer anderen Pfarrei getrennt worden. Sicher ist, dass der Geschäftsleiter ein breites Spektrum an Aufgaben abdecken muss – von der Verwaltung der Pfarreiräumlichkeiten über die Teamleitung bis zur Organisation der Quartierarbeit. «Zurzeit ist vieles noch im Aufbau begriffen», sagt Armin Huber, der seine neue 100-Prozent-Stelle vergangene Woche angetreten hat. Nach der Aufbauphase werde sich das Pensum voraussichtlich auf rund 80 Prozent reduzieren.

Der neue Geschäftsführer bringt nicht nur Erfahrung als Gemeindepräsident mit. Er hat auch jahrelang bei international ausgerichteten Unternehmen in führender Position gearbeitet; er war unter anderem in Speditionsunternehmen und im Weinhandel tätig. Nun sei er gespannt auf die «vielseitige Arbeit» in der Pfarrei. «Ich freue mich vor allem auf die Zusammenarbeit im Pfarrei-Team und viele persönliche Begegnungen», sagt er. «Letztlich handelt es sich um eine Verwaltungsfunktion, so wie sie auch viele Unternehmen und politische Gemeinden kennen», sagt Armin Huber.

Der Gemeinde-CEO machts vor

Apropos Politik: Die Trennung von strategischer und operativer Führung wird auch in den Luzerner Gemeinden immer häufiger praktiziert. So haben beispielsweise Adligenswil, Rothenburg und Ebikon das CEO-Modell eingeführt. Das bedeutet: Die gewählten Gemeinderäte haben meist nur noch ein kleines Pensum und konzentrieren sich weitgehend auf strategisch wichtige Fragen der Gemeindeentwicklung. Das Tagesgeschäft wird hingegen vom CEO geleitet, der vom Gemeinderat eingesetzt wird. Der CEO hat die Aufgabe, die politischen Entscheide auszuführen und sich um administrative Fragen zu kümmern. Ist die neue Geschäftsstelle in der Pfarrei St. Karl mit diesem CEO-Modell vergleichbar? «Grundsätzlich ja: Denn durch die administrative Arbeit des Geschäftsleiters können sich die Seelsorger auf ihre Kernaufgabe konzentrieren», meint Armin Huber.

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