STADT LUZERN: Pilatusplatz: Riegelbau muss geplantem Hochhaus weichen

Die städtebauliche Wunde an zentraler Lage soll endlich geheilt werden. Doch der neuen Überbauung steht ein historisches Haus im Weg.

Robert Knobel
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Dieses Riegelhaus am Pilatusplatz soll für den Bau eines neuen Hochhauses verschoben werden. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Februar 2017))

Dieses Riegelhaus am Pilatusplatz soll für den Bau eines neuen Hochhauses verschoben werden. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Februar 2017))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Der Pilatusplatz soll neu überbaut werden. Nachdem das Stadtparlament grünes Licht für die Wiederaufnahme der Planungen gegeben hat (Ausgabe vom 17. Februar), könnte dort ab 2022 ein 35 Meter hohes Bürogebäude zu stehen kommen. Beim Standort handelt es sich bekanntlich um den brachliegenden Kiesplatz, auf dem früher das Wirtshaus zur Schmiede stand.

Ganz unverbaut ist das Areal nicht. Im hinteren Bereich befindet sich ein kleines, rotes Fachwerkhaus, das heute von der Musikschule Luzern genutzt wird. Dieses müsste bei einer Neuüberbauung weichen.

Haus wurde schon einmal verschoben

Der Stadtrat hat sich diesem Thema bereits angenommen, wie er in seiner Botschaft ans Parlament festhält. So schlägt er vor, das Häuschen mit der Adresse Mühlebachweg 8 einfach um ein paar Meter nach hinten zu verschieben. Dort steht bereits ein weiteres, grösseres Fachwerkhaus, das ebenfalls von der Musikschule genutzt wird (Spitalmühle). Gemäss Stadtrat wird eine Verschiebung des roten Riegelhäuschens von der Denkmalpflege als «möglich» erachtet. Im Gegensatz zur Spitalmühle ist das Riegelhaus nicht denkmalgeschützt. Im kantonalen Bauinventar ist es nur als «schützenswert» verzeichnet, zudem liegt es in der Ortsbildschutzzone B, in der Veränderungen nur sehr zurückhaltend vorgenommen werden dürfen.

Eine Verschiebung um ein paar Meter scheint auch deshalb unproblematisch, weil das Häuschen schon heute nicht an seinem ursprünglichen Standort steht. Erbaut wurde es nämlich im 17. Jahrhundert auf der südlichen Seite der Spitalmühle. Erst im 19. Jahrhundert wurde es an den heutigen Standort auf der Nordseite verschoben.

Das städtebauliche Hin und Her am Pilatusplatz setzte sich in den kommenden Jahrzehnten fort. So wurde 1934 das alte Pneumatikhaus abgerissen, das bis dahin die Sicht auf die dahinter liegende Spitalmühle verdeckte. An seine Stelle wurde allerdings ein noch viel markanteres, siebengeschossiges Gebäude gesetzt, das mit seiner Wandmalerei des Heiligen Christopherus heute noch die Obergrundstrasse säumt. 1967 kaufte die Stadt sämtliche Grundstücke hinter der heutigen Bushaltestelle Pilatusplatz auf, um ein Strassenprojekt zu realisieren. Dieses ist längst vom Tisch – die Tatsache, dass die Stadt die Grundstücke besitzt, erleichtert jetzt aber die Planung für die Neuüberbauung. 1980 liess die Stadt weitere Gebäude zwischen Obergrundstrasse und Mühlebachweg abreissen, da sie in einem schlechten Zustand waren. All diese verschwundenen Gebäude wurden nie ersetzt – wie auch das 2011 abgerissene Restaurant zur Schmiede.

Nach jahrzehntelanger Planlosigkeit soll der Pilatusplatz nun ein definitives Gesicht erhalten, das diesem zentralen Ort Rechnung trägt. Was dies für die beiden Riegelhäuser bedeutet, wird sich zeigen, wenn ein konkretes Bauprojekt vorliegt. Werden sie die nächsten Jahrzehnte ihr Schattendasein hinter dem neuen 35-Meter-Hochhaus fortsetzen? Oder bietet die Neuüberbauung die Chance, die beiden historischen Häuser aufzuwerten?

Historisches Ensemble als Ziel

Bei der Stadt plädiert man für Letzteres. Gemäss einer Machbarkeitsstudie soll die Verschiebung des Riegelhauses nicht nur Platz für das neue Hochhaus schaffen, sondern auch die Chance für ein kleines historisches Zentrum am Pilatusplatz eröffnen. Zusammen mit dem alten Ziehbrunnen könnten die beiden Fachwerkhäuser ein historisches Ensemble bilden, das die ursprüngliche Funktion als Spitalmühle in Szene setzt. «Obwohl der Mühlebach heute trocken­gelegt ist, könnte dieser durch eine neue Platzgestaltung angedeutet werden», erklärt Dominic Church, Projektleiter in der städtischen Abteilung Immobilien.

Die heutigen Riegelhäuser am Pilatusplatz waren Teil der früheren Spitalmühle, die damals Mühlebach stand. Die Spitalmühle gehörte zwar formell dem Müller, der sie betrieb, er musste aber Abgaben ans Spital leisten. 1988 wurde das Hauptgebäude durch einen Brand zerstört, danach aber wieder originalgetreu aufgebaut.