Interview

Stadt Luzern prüft Maskenpflicht am Wochenmarkt – und lässt das Seeufer vorläufig zu

Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagt, welche Freiheiten die Städter diesen Sommer geniessen dürfen – und worauf sie noch länger warten müssen.

Robert Knobel
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Der Bund hat diese Woche weitere Lockerungsmassnahmen beschlossen. Wann zieht die Stadt Luzern nach und öffnet wieder das Seeufer für Spaziergänger?

Beat Züsli: Ein Datum kann ich noch nicht nennen. Denn die Einhaltung der Distanzregeln ist am Seeufer bei grossen Menschenansammlungen weiterhin eine grosse Herausforderung. Was die öffentlichen Räume betrifft, stehen wir in ständigem Kontakt mit dem Kanton sowie mit anderen Städten.

Beat Züsli.

Beat Züsli.

Bild: Boris Bürgisser

Wenn Baumärkte und bald auch Restaurants wieder öffnen dürfen, weshalb sollte man nicht am Luzerner Quai spazieren dürfen?

Es stimmt, aus Sicht der Luzerner Bevölkerung mag dies nicht so einfach nachvollziehbar sein. Aber das Problem ist: Der Quai und der Europaplatz sind Anziehungspunkte nicht nur für Leute aus der Stadt, sondern aus der ganzen Region – ja aus der ganzen Schweiz. Wenn wir diese Plätze öffnen, kommen sofort wieder sehr viele Menschen von auswärts nach Luzern. Doch genau diese Ansammlungen sind immer noch sehr problematisch. 

Wann gibt es wieder einen Wochenmarkt?

Der Bundesrat will ab 11. Mai Märkte wieder öffnen. Unter welchen Bedingungen diese Lockerung erfolgt, ist aber noch nicht im Detail geklärt. Es sind verschiedene Konzepte in Erarbeitung. Diskutiert werden beispielsweise eine Zugangsbeschränkung und eine Maskenpflicht. Eine Option ist auch, die Marktstände auf eine grössere Fläche in der Stadt zu verteilen. Klar ist, dass der Wochenmarkt Priorität hat gegenüber anderen Märkten wie dem Flohmarkt oder dem Handwerkermarkt.

Der Luzerner Wochenmarkt entlang der Reuss fand letztmals am 17. März statt.

Der Luzerner Wochenmarkt entlang der Reuss fand letztmals am 17. März statt.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Bald beginnt die Badesaison. Dürfen wir uns schon darauf freuen?

Die Situation der Badis beschäftigt uns sehr. Wir möchten der Bevölkerung wenn irgendwie möglich das Baden ermöglichen. Aber ohne Sicherheitsmassnahmen ist eine Eröffnung der Badis nicht realistisch. Es wird deshalb wohl auf einen Teilbetrieb hinaus laufen. Wir erhoffen uns noch klarere Vorgaben vom Bund und setzen auf ein koordiniertes Vorgehen im Kanton.

Vor einigen Wochen appellierten Sie mit dem Slogan «Bleibt zuhause» an die Stadtbevölkerung. Sind Sie mit der Disziplin der Luzernerinnen und Luzerner bisher zufrieden?

Ja, ich finde, die Verhaltensregeln wurden insgesamt sehr gut eingehalten. Es gab zeitweise einige Brennpunkte, die wir genauer beobachten mussten – etwa den Nordpol in Reussbühl. Doch generell sind viele Leute in ihrem Quartier geblieben und haben die üblichen Treffpunkte im Zentrum gemieden.

Die Stadt unterstützt Nachbarschaftshilfe-Angebote für Risikogruppen. Wie hoch ist da die Nachfrage?

Dank den schon vor der Corona-Krise bestehenden Angeboten im Bereich der Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenunterstützung, zum Beispiel von «Zeitgut» und «Vicino», waren wir in der Stadt Luzern gut aufgestellt. Stand heute gibt es rund 500 Hilfesuchende und rund 340 Unterstützerinnen und Unterstützer. Die Nachfrage hat sich stabilisiert und kann gut abgedeckt werden.

Wie beurteilen Sie die Strategie des Bundesrates?

Der Bundesrat und auch die Kantonsregierung haben bisher einen sehr guten Job gemacht. Die Umsetzung der Massnahmen war stets nachvollziehbar – entsprechend hoch war auch die Akzeptanz. Allerdings wird sich dies im Hinblick auf die Lockerungsmassnahmen wohl ändern. Es wird viel mehr Diskussionen geben über Strategien, Massnahmen, Zeitpunkte et cetera.

Die Schweizer Tourismusorte hoffen diesen Sommer auf Schweizer Touristen. Erwarten Sie einen Ansturm von einheimischen Ausflüglern? 

Das ist schwierig zu sagen. Möglich ist auch, dass die Schweizerinnen und Schweizer zwar innerhalb des Landes Ferien machen – aber Orte mit weniger Menschenansammlungen bevorzugen. Das würde dann eher gegen die Städte sprechen. Klar ist auf jeden Fall, dass die wegfallenden internationalen Touristen bei weitem nicht kompensiert werden können.

Dieses Bild werden wir so schnell nicht mehr sehen: Asiatische Touristinnen auf dem Rathaussteg.

Dieses Bild werden wir so schnell nicht mehr sehen: Asiatische Touristinnen auf dem Rathaussteg.

Bild: Alexandra Wey/Keystone, 5. Mai 2016

Auch ohne Touristen werden in den nächsten Wochen wieder deutlich mehr Leute in der Stadt unterwegs sein. Könnte dies zum Problem werden?

Das werden wir sehen. Genauer anschauen müssen wir beispielsweise das Phänomen der Warteschlangen vor den Geschäften. Es ist zu prüfen, ob es da zusätzliche Massnahmen wie Absperrungen braucht. 

Ist eine Maskenpflicht auf gewissen öffentlichen Plätzen denkbar?

Eher nicht. Im öffentlichen Raum ist vor allem die Einhaltung der Distanzregeln wichtig. In den Geschäften können Masken hingegen eine wichtige Rolle spielen. Aber das ist dann vor allem Sache der Branchen und Betriebe.

Finanzdirektorin Franziska Bitzi hat diese Woche schon angetönt, dass die Stadtkasse durch Corona wohl stark belastet wird. Gibt es schon Prognosen zum finanziellen Schaden?

Wir rechnen mit Einbussen bei den Steuereinnahmen von Firmen und Natürlichen Personen. Auch die Billettsteuern – für dieses Jahr waren fast 6 Millionen Franken budgetiert – werden zu einem grossen Teil wegfallen. Auch in diversen anderen Bereichen, etwa bei den Parkgebühren, sinken die Einnahmen. Gleichzeitig erwarten wir einen Anstieg von Kosten, etwa bei der Sozialhilfe. Genau beziffern lässt sich das alles aber noch nicht.

Sind auch Hilfspakete vonseiten der Stadt zu erwarten?

Wir prüfen verschiedene Unterstützungsmassnahmen in allen Bereichen. Der Stadtrat wird dabei die verschiedenen Hilfspakete von Bund und Kantonen mitberücksichtigen, so wie wir es bei der Unterstützung der Spielgruppen gemacht haben. Auch in der Kulturszene ist gut möglich, dass die Stadt später finanzielle Hilfe leistet – beispielsweise für Institutionen, bei denen Anlässe über eine längere Zeit nur mit einer beschränkten Besucherzahl stattfinden können.

Wagen wir einen Ausblick auf die zweite Jahreshälfte: Ist eine Määs oder ein Weihnachtsmarkt 2020 denkbar?

Das hängt natürlich von der Entwicklung der Pandemie ab. Aus heutiger Sicht muss man aber sagen: Es ist kaum realistisch, dass solche Anlässe wie gewohnt durchführbar sind. Ohne Einschränkungen wird es kaum gehen.

Auch die Durchführung der Määs steht auf der Kippe.

Auch die Durchführung der Määs steht auf der Kippe.

Bild: Philipp Schmidli (15. Oktober 2017)
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