Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STADT LUZERN: Sitzbänke: Was in Luzern kritisiert wird, ist andernorts ein Hit

In Luzern werden derzeit neue Sitzmöbel getestet. Eines davon ist besonders umstritten. Nicht nur bei uns, sondern auch in Zürich sorgt es für Kritik. In Wien dagegen gilt die Bank als Kultobjekt.
Chiara Stäheli
In Wien erfreuen sich die «Enzos» grosser Beliebtheit. In Luzern ist das Möbel derzeit in Orange zu sehen. (Bild: Wolfgang Simlinger)

In Wien erfreuen sich die «Enzos» grosser Beliebtheit. In Luzern ist das Möbel derzeit in Orange zu sehen. (Bild: Wolfgang Simlinger)

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

In Luzern können Passanten noch bis am 4. Oktober ungewöhnliche Sitzmöbel testen und diese in einer Online-Umfrage bewerten. Besonders zu reden gibt eine Bank, die auf dem Kornmarkt steht – das Modell Enzo. Ein Augenschein vor Ort hat gezeigt, dass das orange Plastikmöbel keinesfalls auf grosse Beliebtheit stösst. Passanten kritisierten den Standort und meinten, «Enzo» passe überhaupt nicht in die historische Altstadt. Er wurde gar als «klobiges Plastikteil» oder «scheussliches Ding» bezeichnet.

Es ist nicht das erste Mal, dass das umstrittene Sitzmöbel Kritik einstecken muss. Die Stadt Zürich hat bereits im Jahr 2015 zwölf Exemplare auf dem Escher-Wyss-Platz aufgestellt. Die Massnahme sollte nach der Umgestaltung des Platzes zu dessen Belebung beitragen. Die «Enzos» stossen jedoch nur beschränkt auf Anklang. Die Zürcher beklagen sich gemäss eines Artikels des «Tages-Anzeigers» über die dreckigen, unpraktischen und teuren Sitzmöbel. Nichtsdestotrotz lässt die Stadt Zürich die Möbel weiterhin stehen.

In der Oltner Altstadt nicht bewilligt

Auch in Olten ist «Enzo» bestens bekannt – dort in grüner Ausführung. Sechs Exemplare konnten in der Badi während der Badesaison als Liegen genutzt werden. Ob sie auch im nächsten Jahr wieder zum Einsatz kommen, ist laut dem Oltner Baudepartement noch unklar. Ursprünglich wollten die Initianten die «Enzos» mitten in der Altstadt platzieren. Das wurde jedoch von der Stadt nicht bewilligt.

Doch was hat es mit den «Enzos» eigentlich auf sich? Das auffällige Sitzmöbel hat seinen Ursprung in Wien. Dort wurden «Enzos» 2002 im Innenhof im Museumsquartier platziert. Allerdings waren sie damals noch unter dem Namen «Enzi» bekannt. Erfunden hat die «Enzis» das Architektenteam Anna Popelka und Georg Poduschka (PPAG). Es gewann damit einen Ideenwettbewerb des Museumsquartiers. Im Winter 2009 wurden die «Enzis» zu einem Eis­palast zusammengestellt. Durch einen Kurzschluss gerieten sie jedoch in Flammen und brannten vollständig nieder. Die Initianten nahmen den Brand zum Anlass, die gewohnten «Enzis» zu überarbeiten. Daraus entstand in Zusammenarbeit mit zwei weiteren Architekten ein neues Modell – «Enzo» war geboren.

In Reiseführern angepriesen

Im August 2010 erhielt das Museumsquartier die ersten Exemplare des neuen Modells. Seither tragen sie zur Belebung des Platzes bei und sind besonders an sonnigen Tagen restlos belegt. Die «Enzos» gelten in Wien bereits als Kultobjekte. So sind sie in den vergangenen Jahren zu einem Wahrzeichen des Museumsquartiers geworden und von dort nicht mehr wegzudenken. Sogar in Reiseführern werden die ungewöhnlichen Sitzmöbel als Markenbotschafter für die Attraktivität der österreichischen Hauptstadt eingesetzt. Als 2015 der Eurovision Song Contest in Wien stattfand, gestalteten österreichische Künstler zu jedem der 40 teilnehmenden Länder einen «Enzo». Diese wurden anschliessend versteigert, und der Erlös kam Wohltätigkeitsprojekten zugute. Jedes Jahr werden die Enzos mit den stärksten Abnutzungserscheinungen durch neue ersetzt. Deren Farbe wird jeweils mit einer Online-Abstimmung festgelegt. Ältere Modelle, die nicht mehr im Innenhof aufgestellt werden, können für 600 Euro pro Stück erworben werden und erfreuen sich grosser Beliebtheit.

Schliesslich wurden die «Enzos» zu Exportschlagern. 2015 wurden fünf Exemplare – teils von einheimischen Künstlern verziert – in Hamburg aufgestellt und auch rege benutzt. Weiter wurden Plätze in Moskau oder Düsseldorf zu Marketingzwecken zu Gunsten des Wiener Tourismus befristet mit «Enzos» möbliert.

Denken Luzerner wie Zürcher?

Was in unseren Nachbarländern so beliebt ist, muss auch in der Schweiz gefragt sein – das hat man sich wohl bei der Stadt Luzern gedacht, als man entschied, «Enzo» in den Sitzmöbeltest miteinzubeziehen. Doch es macht den Anschein, dass die Einheimischen diesbezüglich anders ticken als die Österreicher. Viel eher denken die Luzerner in diesem Fall wohl wie die Zürcher.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.