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STADT LUZERN: So steht die Mütter- und Väterberatung überforderten Familien bei

Wie ernähre ich mein Kind richtig? Wie kann ich es spielerisch fördern? Die Luzerner Mütter- und Väterberatung besucht überforderte Eltern mit deren Einwilligung regelmässig und hilft ihnen. Wir waren bei einer Familie mit dabei.
Jeanette Voltz
Hausbesuch bei der Luzerner Familie Z.: Monika Schwander (links) von der Mütter- und Väterberatung und die interkulturelle Vermittlerin Najat El Daou kümmern sich um Baby Louaj, dessen Bruder Hussein und Schwester Jasmina. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 26. Februar 2018))

Hausbesuch bei der Luzerner Familie Z.: Monika Schwander (links) von der Mütter- und Väterberatung und die interkulturelle Vermittlerin Najat El Daou kümmern sich um Baby Louaj, dessen Bruder Hussein und Schwester Jasmina. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 26. Februar 2018))

Jeanette Voltz

stadt@luzernerzeitung.ch

In der Dreizimmerwohnung von Leila (28) und Ali (35) Z. (Name der Redaktion bekannt) in Luzern geht es rund an diesem Nachmittag. Der dreijährige Hussein fädelt mit Hilfe der interkulturellen Vermittlerin Najat El Daou (55) farbige Kugeln auf einen dicken Faden und plappert ununterbrochen. Die Dolmetscherin besucht den Jungen seit einem Jahr monatlich, beschäftigt sich mit ihm und zeigt seiner Mutter, wie sie ihn spielerisch fördern kann.

«Ursprünglich standen Ernährungsfragen und die Entwicklung von Hussein im Fokus», sagt El Daou. Zufrieden stellt sie fest, dass der Kleine abgenommen hat und in seiner Entwicklung den Altersgenossen in nichts nachsteht. Vor einem Jahr habe er noch kaum gesprochen. Es sei wichtig, dass er nun, wo das Programm zu Ende gehe, mit anderen Kindern in Kontakt komme. Ab Sommer wird dann Husseins Schwester, die anderthalbjährige Jasmina, für ein Jahr von Najat El Daou begleitet werden. Die Familie, die ursprünglich aus dem Libanon stammt, braucht diese Unterstützung dringend. Denn auch der dreimonatige Louaj fordert seine Mutter. Heute ist Monika Schwander (52) mitgekommen und kümmert sich um den Kleinen. Die Teamleiterin der Mütter- und Väterberatung Luzern wiegt ihn, gibt Mutter Leila Tipps in Ernährungsfragen und zeigt ihr, wie sich der Junge mit Hilfe eines Frotteetuches besser aufstützen kann. Das sei gut für seine Muskeln und sein Raumgefühl, erklärt sie Leila Z.

Eltern mit Sprach- oder auch Suchtproblemen

Kommt ein Kind in der Stadt Luzern oder in einer der Gemeinden, die das Grundangebot der Mütter- und Väterberatung nutzen, auf die Welt, wird die Familie des Neugeborenen innerhalb der ersten vier Monate automatisch kontaktiert. Dabei werden belastete Eltern mit ihrem Einverständnis beim zweiten Kontakt zu Hause mittels eines Screenings erfasst. «Um ins Programm Hausbesuche aufgenommen zu werden, müssen sich mindestens drei Punkte als problematisch erweisen», sagt Monika Schwander. Bei Familien mit Migrationshintergrund könnten dies Sprach- und Integrationsprobleme oder Isolation sein, während es bei Schweizer Familien um geringe Bildung, Gewalterfahrung, psychische Probleme der Eltern oder Suchtproblematik gehe. Sind die Eltern einverstanden, werden sie im ersten Lebensjahr des Kindes mit Beratungen und bei Bedarf mit Hausbesuchen unterstützt und begleitet. In der zweiten Phase wird die Lage neu beurteilt. Falls notwendig, erhält die Familie alle vier bis sechs Wochen weitere Beratungen oder Hausbesuche von der Mütter- und Väterberaterin. Wenn das Kind zwei Jahre alt ist, wird auf Grund einer zweiten Neubeurteilung entschieden, ob mit der Phase 3 begonnen wird. Unter dem Titel «Wir entdecken die Welt» kommen dann Hausbesucherinnen in die Familie und unterstützen die Eltern beim Spiel- und Vernetzungsaufbau. «Zurzeit werden 68 Familien mit mindestens einem Kind unter drei Jahren von der Mütter- und Väterberatung unterstützt», sagt Schwander. In der dritten Phase fanden bislang 25 Begleitungen statt. Insgesamt stehen 15 Mütter-und Väterberaterinnen sowie 10 interkulturelle Vermittlerinnen, die alle wichtigen Sprachen abdecken, in diesem Hausbesuchsprogramm im Einsatz. Die Mütter- und Väterberaterinnen kommen aus pflegerischen Berufen mit Schwerpunkt Kind und haben zusätzlich ein zweieinhalbjähriges Nachdiplomstudium absolviert.

Schwierig erreichbare Zielgruppen

Bei Familien hilft in Phase 3 eine interkulturelle Vermittlerin wie Najat El Daou. «Sie arbeitet präventiv, interveniert bei Konflikten und gibt fachliche Unterstützung in der Mutter- oder wie ich es ausdrücke in der Herzenssprache.» Die gebürtige Libanesin lebt seit 30 Jahren in der Schweiz und arbeitet seit 25 Jahren als interkulturelle Vermittlerin in den Sprachen Arabisch und Französisch. Die erste Kontaktaufnahme erfolgt in Begleitung einer Fachperson. Ab dann besucht sie die Familie bei Bedarf rund zehn Mal im Jahr.

«Anfangs haben die Eltern oft Angst, dass sie kontrolliert werden oder dass man ihnen gar die Kinder wegnimmt», sagt Najat El Daou. Wenn sie ihnen in ihrer Muttersprache begreiflich machen könne, dass sie nicht komme, um zu kritisieren, sondern um zu helfen, entwickle sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis. So zeige sie den Müttern etwa auf, dass stundenlanges Fernsehen den Kindern schade und wie wichtig Bewegung an der frischen Luft sei. «Ziel ist es, die Mütter in die Aktivitäten der Kinder miteinzubeziehen», sagt El Daou, «denn wir sind keine Betreue­rinnen». Meistens arbeite man mit den Müttern, aber es gebe auch Väter, die sich aktiv ein­bringen.

«Das Hausbesuchsprogramm ist ein essenzieller Faktor für die weitere Entwicklung von Kleinkindern», sagt Schwander. «So können im Austausch mit den Eltern deren Erziehungskompetenzen gestärkt sowie Belastungssituationen reduziert werden.» Zudem sei es möglich, schwierig zugängliche Zielgruppen besser zu erreichen. Damit erhöhe sich der Erfahrungsradius des Kindes, und die Isolation vieler Familien breche auf. Für sie ist klar: «Das Programm setzt auf Prävention und Nachhaltigkeit zugleich.»

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