STADT LUZERN: Spange Nord: Quartiervereine pochen auf unterirdische Lösung

Dass der Stadtrat den Kanton bei der Spange Nord ausbremst, freut die betroffenen Quartiere. Das gebe Zeit für dringende Verbesserungen. Im Fokus steht ein längerer Tunnel – auch bei CVP, GLP und FDP.

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Die Friedentalstrasse im Bereich Rosenberg. Diese soll im Zuge der Spange Nord auf vier Spuren ausgebaut werden. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 25. Januar 2017))

Die Friedentalstrasse im Bereich Rosenberg. Diese soll im Zuge der Spange Nord auf vier Spuren ausgebaut werden. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 25. Januar 2017))

An dieser Spange beisst sich der Kanton die Zähne aus: Der Luzerner Stadtrat hat deutlich gemacht, dass der Kanton die geplante Zubringerstrasse Spange Nord zum neuen Bypass quartierverträglicher gestalten oder sonst gar nicht bauen soll. «In welcher Härte die Antwort gekommen ist, hat uns schon überrascht», erklärte der zuständige Regierungsrat Robert Küng (FDP) enttäuscht.

Was heisst quartierverträglich? Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) nennt keine konkreten Angaben; etwa zur Anzahl der gewünschten Fahrspuren. In den betroffenen Quartieren selbst ist man vorderhand froh um das deutliche Votum des Stadtrats. «Wir waren von Anfang an sehr kritisch gegenüber der Spange Nord», sagt zum Beispiel Marc Germann, Präsident des Quartiervereins Hochwacht. Daran habe sich nichts geändert. Zu gross seien die negativen Folgen für die Quartierbewohner, zu ungewiss der angestrebte Nutzen.

Etappierung als mögliche Lösung?

Germann begrüsst, dass der Kanton das Projekt nochmals überdenken muss. Auch will er zur Diskussion stellen, ob zuerst der Bypass gebaut und die überarbeitete Spange Nord in einer zweiten Etappe realisiert werden kann – sofern es sie brauche.

In der Zwischenzeit soll der Kanton eine nochmalige Verlängerung des Friedentaltunnels prüfen, wie es GLP und CVP in einem Dringlichen Postulat fordern. Auch die Sektion Luzern des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) hat angeregt, einen Tunnel Rosenberg–Schlossberg zu prüfen. In diesem Zusammenhang wird in den Quartieren auch die Frage aufgeworfen, warum der Denkmalschutz einen Tunnel beim Friedhof durchsetzen konnte, während sich die Quartierbewohner stadteinwärts mit offenen Strassen zufrieden geben müssen. Immerhin schloss Robert Küng eine nochmalige Verlängerung nicht aus.

Auch Thomas Wüest, Präsident des Quartiervereins Maihof, ist mit dem klaren Votum des Stadtrats zufrieden. «Die Spange Nord wäre beim jetzigen Planungsstand etwa so breit und laut wie die Obergrundstrasse.» Die einzige quartierverträgliche Lösung sei ein durchgehender Tunnel, wenn denn die Spange Nord nicht zu vermeiden sei. Grundsätzlich muss laut Wüest aber hinterfragt werden, ob nicht die gesamte Mobilitätsstrategie rund um den Bypass neu angedacht werden müsste, «zumal am Seetalplatz, in Ebikon und in weiteren Agglomerationsgebieten von Luzern grosse Projekte geplant und gebaut werden, die zusätzlichen Verkehr generieren werden».

Bei den städtischen Parteien sind die Meinungen ähnlich gelagert wie bei den kantonalen. Vor allem links und ganz rechts ist die Übereinstimmung gross. Die SP nimmt die Haltung des Stadtrats mit Freude zur Kenntnis. «Wir stehen hinter Adrian Borgulas Kritik an der Spange Nord», sagt Fraktionschef Nico van der Heiden. Zweifelhaft sei das Argument, wonach der Bypass nur mit der Spange Sinn mache.

Für die FDP-Fraktion ist nach wie vor klar: «Spange Nord und Bypass sind zentrale Elemente des Agglokonzepts und entsprechend wichtig», so Fraktionschefin Sonja Döbeli Stirnemann. In einem Punkt gibt sie aber Borgula Recht: Die Spange soll anwohnerverträglich sein. «Entsprechend ist ein längerer Tunnel eine Überlegung wert.» Klar sei, «dass der Stadtrat nun ein negatives Zeichen gesetzt hat».

CVP sieht noch «Verbesserungspotenzial»

Für die städtische CVP-Fraktion ist es wichtig, dass die Stadt vom Durchgangsverkehr entlastet wird, sagt Fraktionschefin Mirjam Fries. «Darum sind wir nach wie vor für Bypass und Spange Nord. Aber auch wir sehen bei der Spange noch Verbesserungspotenzial.» Konkret seien die Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung derzeit zu gross. Spange und Bypass stünden nun unter Beschuss, verloren sei aber noch nichts.

Für die SVP-Fraktion war die Stellungnahme des Stadtrates «aufgrund der Einstellung von Adrian Borgula» zu erwarten – aber in ihrer Deutlichkeit überraschend. «Entsprechend schwierig wird es nun, die Spange Nord durchzubringen», sagt Fraktionschef Marcel Lingg. Für die SVP sei stets unbestritten gewesen, dass es sowohl die Spange als auch den Bypass brauche. Ein solches Projekt führe zwangsläufig zu Konflikten, «aber der Nutzen überwiegt». Die Idee, die Spange zu beerdigen und nur den Bypass bauen zu lassen, stösst bei Lingg auf Skepsis.

Skeptisch ist die Fraktion der Grünen gegenüber Bypass und Spange generell. Fraktionschefin Korintha Bärtsch: «So eine Verkehrsführung durch die Quartiere ist nicht siedlungsverträglich.» Auch ein längerer Tunnel würde an der Haltung der Grünen nichts ändern. Spange und Bypass werden konsequent abgelehnt, «weil das Verkehrswachstum hauptsächlich über den ÖV, mit Fuss- und Veloverkehr abgewickelt werden muss», so Bärtsch. Zudem widerspreche der Kapazitätsausbau auf der Strasse den Klimazielen des Bundes.

GLP-Grossstadtrat Andras Özvegyi betont Grundsätzliches: «Spätestens jetzt muss man sich die Frage stellen: Ist die Strategie die richtige?» Die GLP sei skeptisch, ob die bis jetzt kommunizierte Wirkung die markanten städtebaulichen Eingriffe rechtfertige. «Für die Bevölkerung ist nicht ersichtlich, was die Spange konkret bringen soll. Zumal der Hauptteil des Verkehrs in der Stadt kein Durchgangs-, sondern Quell-/Zielverkehr ist.» In diesem Sinne sei auch das gemeinsame Postulat mit der CVP zu werten. «Ein Schnellschuss ohne das Einverständnis von Stadt und Betroffenen kann auch nach hinten losgehen.»

 

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Das Grossprojekt Spange Nord (Bild: Grafik: Martin Ludwig)

Das Grossprojekt Spange Nord (Bild: Grafik: Martin Ludwig)