STADT LUZERN: Stadtverwaltung reagiert auf Hausbesetzung

Hausbesetzer haben am Wochenende erneut eine Liegenschaft in der Stadt Luzern besetzt. Dieses Mal haben es die Aktivisten auf eine städtische Villa bei der Museggmauer abgesehen. Die Stadt Luzern will mit Massnahmen zuwarten.

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Diese Remise an der Adresse Auf Musegg 1 wurde besetzt. (Bild: Luzerner Zeitung (Luzern, 9. April 2018))

Diese Remise an der Adresse Auf Musegg 1 wurde besetzt. (Bild: Luzerner Zeitung (Luzern, 9. April 2018))

Die Hausbesetzer-Gruppe, welche am Freitag kurzzeitig in eine leer stehende Villa an der Obergrundstrasse eindrang (wir berichteten), ist wieder aktiv geworden.

«Pulp@ ist umgezogen», teilte die Besetzergruppe am späten Samstagabend per E-Mail mit, sie habe ein neues Objekt bezogen.

Städtische Liegenschaft besetzt

Die Gruppe besetzt nun den oberen Stock einer städtischen Liegenschaft nahe der Museggmauer (wir berichteten).

Das obere Stockwerk des Hauses mit der Adresse Auf Musegg 1 werde seit Jahren nicht benutzt: «Bisherige Versuche, die Etage einem Zweck zuzuführen, scheiterten am Widerwillen der Eigentümerin, welche auf die vernachlässigte Pflege der Räumlichkeiten verweist.» Die Stadt Luzern verstecke sich hinter der falschen Auslegung des Eigentumrechts, teilte Pulpa in dem Communiqué mit. Man wolle ihr nun die Gelegenheit geben, «mit gutem Beispiel voranzugehen».

Die Hausbesetzer nahmen zudem nochmals Stellung zur vorherigen Aktion an der Obergrundstrasse 95. Diese leer stehende Liegenschaft habe man «kurzfristig belebt, um ein aktives Zeichen gegen die Machtverhältnisse in der Stadt Luzern zu setzen». Während viele Menschen nicht mehr in der Stadt leben könnten, könnten vermögende Einzelpersonen Raum während Jahren beanspruchen, ohne ihn zu nutzen.

Hausbesetzer wollen soziales Zentrum einrichten

«Wir sind der Überzeugung, dass eine Stadt von den Menschen lebt, die sie als ihre Umgebung gestalten», so die Gruppe weiter. «Dafür braucht es Orte, die Raum bieten für kreatives Schaffen, Begegnungen und Diskussionen.» Jahrelanger Leerstand habe keine Legitimität und dürfe nicht toleriert werden.

Statt zu klagen und zu betteln hätte man sich nun dazu entschlossen, dem bestehenden Missstand aktiv entgegenzutreten. Die Gruppe wolle nun die besetzten Räumlichkeiten im Gebäude an der Adresse Auf Musegg 1 in ein soziales Zentrum verwandeln, das allen offenstehe. Betroffene Personen und Stellen seien informiert worden – und alle interessierten Menschen eingeladen, sich einzubringen, mitzudiskutieren und mitzugestalten.

Hauptbetroffene der Hausbesetzung ist die Time-out-Klasse (TOK), die an derselben Adresse ihren Sitz hat. Laut Vreni Völkle, Rektorin der Volksschule Luzern, ist die TOK im Erdgeschoss des Hauptgebäudes untergebracht. Die Besetzer befinden sich aber im Obergeschoss der gegenüberliegenden Garage, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. Der Schulbetrieb ist von der Hausbesetzung derzeit nicht betroffen: Bis Ende dieser Woche sind noch Osterferien.

Stadt Luzern wartet ab

Bei der Luzerner Polizei ist in der Sache bislang keine Meldung eingegangen, wie sie auf Anfrage sagte. Die Stadt Luzern als Eigentümerin der Liegenschaft habe einen solchen Vorfall weder gemeldet noch Anzeige erstattet, so Simon Kopp, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern. Offiziell habe man von der Aktion also keine Kenntnis. Man könne lediglich bestätigen, dass scheinbar Personen im besagten Haus waren, eine Patrouille sei vor Ort gewesen.

Wie genau die Hausbesetzer in die Remise neben dem Hauptgebäude eingedrungen sind und ob es zu Sachbeschädigungen gekommen ist, werde derzeit abgeklärt, heisst es bei der Stadt Luzern auf Anfrage. Man stehe mit der Polizei in Kontakt, so Marko Virant, Leiter der Abteilung Immobilien der Stadt Luzern.

Die Hausbesetzer wollten anonym bleiben und hätten die Nachbarn mit Flugblättern über ihre Absichten informiert. Die Gruppe ist laut Stadtbaumeister Virant bereits durch Lärmbelästigungen aufgefallen, Nachbarn hätten sich beklagt.

Eine Frist zur Räumung hat die Stadt Luzern den Hausbesetzern gemäss Gemäss Marko Virant, Leiter Immobilien, noch keine gesetzt: «Wir klären die Situation ab». Man suche aber zunächst eine einvernehmliche Lösung.

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Kritik der Hausbesetzer, die Stadt lasse die Liegenschaft teilweise ungenutzt und verstecke sich hinter dem Eigentumsrecht, weist Stadtbaumeister Virant zurück: «Die beiden Gebäude (Villa und Remise) sind nahezu voll vermietet, bis auf den besagten oberen Raum in der Remise, der aufgrund von Feuchtigkeit und Schimmelbefall nicht nutz- und vermietbar ist.»

Hauptmieter im Hauptgebäude seien Time-out Klassen (siehe Box). Ausserdem seien Räume in beiden Gebäuden an freischaffende Künstler vermietet, so Virant weiter. Um den weiteren Verfall der Gebäude zu stoppen, plane die Stadt eine Sanierung. «Nicht zuletzt mit Rücksicht auf das baukulturelle Erbe geht dies nicht von heute auf morgen», gab Virant zu bedenken. Eine Umsetzung des Vorhabens sei aber demnächst geplant.

David von Moos