Stadt Luzern sucht neue Kulturpolitik

Die Stadt Luzern präsentiert die Grundlage für eine neue Kulturpolitik. Die «Kultur-Agenda 2020» will unter anderem den Theaterplatz umkrempeln und Fördergelder zur Freien Szene verlagern. Sie geht nun in die Vernehmlassung.

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Probe des Theater Nawal im Pavillon Luzern für die Theaterproduktion «Odyssee». (Bild: Maria Schmid / Neue LZ)

Probe des Theater Nawal im Pavillon Luzern für die Theaterproduktion «Odyssee». (Bild: Maria Schmid / Neue LZ)

Die Kulturausgaben Luzerns lagen in den letzten zehn Jahren zwischen 19,2 und 22,4 Millionen Franken. Dass sie 2011 erstmals unter 20 Millionen Franken fielen, ist auf die mit dem Kanton getroffene Entlastungslösung zurückzuführen. Insgesamt setzt die Kulturszene pro Jahr rund 150 Millionen Franken um.

Grundsätzlich attestiert der Bericht der Stadt eine lebendige und vielfältige Kulturszene mit hohem Entwicklungspotenzial. Bemängelt wird die relativ starke Konzentration der Fördergelder auf die etablierte Kultur. Zudem fehlten Räume für Kulturproduktionen und für Kulturveranstaltungen im Zentrum.

Das Entwicklungsprogramm für die nächsten Jahr umfasst zwölf Themen. Aufgelistet wird etwa die Notwendigkeit von Ateliers, Probenräumen und Experimentierstätten aller Art. Eine Möglichkeit dazu seien Zwischennutzungen von Gebäuden und Liegenschaften. Für die Musikszene wird ein Förderkonzept zur besseren Unterstützung hochstehender Formationen vorgeschlagen.

Abschied von der Mehrspartenbühne

Brisant sind im Bericht die Vorschläge zum Theaterplatz mit einer Verlagerung der Beiträge und der Förderung vom Luzerner Theater (LT) zur Freien Theaterszene. Auch für diese sei ein Fördermodell umzusetzen.

Das LT dagegen soll sich vom Mehrspartenhaus zu einem Betrieb entwickeln, der mit anderen Partnern (etwa Lucerne Festival) Angebote mit regionaler, nationaler, und internationaler Wirkung schaffe. Wenn dem LT ein zukunftsfähiges Betriebskonzept gelinge, sei ein Neubau für das Theater unverzichtbar, heisst es im Bericht.

Das KKL bezeichnet der Bericht als «Symbol für den Aufbruch der Zentralschweiz ins 21. Jahrhundert». Aus wirtschaftlichen und touristischen Gründen sei eine langfristige Sicherung und Erneuerung unverzichtbar. Auch aus kultureller Hinsicht müsse das KKL für die Zukunft fit gemacht werden. Dafür sind in den nächsten Jahren rund 20 Millionen Franken notwendig.

Finanzielle Entlastung erhofft

Anregungen macht die «Kultur-Agenda» auch für die öffentliche Hand und deren Institutionen. So wird etwa die Idee einer regionalen Kulturförderung aufgeworfen, an der Kanton, Region und Stadt beteiligt sind. Angestrebt wird dabei eine Entlastung der Stadt.

Dem Kanton möchte die Stadt gern die Hauptverantwortung für die kulturelle Grundversorgung abtreten. Er müsste dann 75 oder 80 Prozent der Finanzierung von Theater und Orchester übernehmen und auch KKL, Lucerne Festival und Verkehrshaus in einen noch zu gründenden Zweckverband integrieren.

Die «Kultur-Agenda 2020» geht nun in die Vernehmlassung bis zum 15. Mai 2012. Anschliessend sei es Aufgabe der Politik, die Strategieansätze und die finanzpolitischen Szenarien zu einer wirkungsvollen und mehrheitsfähigen Kulturpolitik zusammenzufügen.

pd/bep