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STADT LUZERN: Umfrage des Luzerner Gewerbes: Das Auto bleibt die Nummer eins

Das Luzerner Gewerbe ist stark vom Individualverkehr abhängig. Das zeigt eine Umfrage. Daher fordern die Firmen mehr Parkplätze in der Innenstadt.
Robert Knobel
Stau auf der Zürichstrasse: Die grosse Mehrheit der Befragten ist mit der Verkehrssituation nicht zufrieden. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18. August 2017))

Stau auf der Zürichstrasse: Die grosse Mehrheit der Befragten ist mit der Verkehrssituation nicht zufrieden. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18. August 2017))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Wie denkt das Luzerner Gewerbe über die Verkehrssituation in der Stadt? Dies war die Fragestellung einer Umfrage bei 750 Betrieben aus Stadt und Agglomeration, die in den vergangenen Wochen durchgeführt wurde. Geantwortet haben rund 230 Betriebe. Initianten der Umfrage waren FDP-Kantonsrat Herbert Widmer und der frühere Luzerner CVP-Grossstadtrat Peter Bucher («Zentralschweiz am Sonntag» von gestern).

Die Haupterkenntnis ist: Das Auto behält eine dominierende Stellung in der Stadt Luzern – trotz aller politischer Bemühungen, den ÖV zu fördern. 59 Prozent der Betriebe geben an, das Auto sei das wichtigste Verkehrsmittel für ihre Mitarbeiter. Bezogen auf die Kunden geben sogar 62 Prozent das Auto als wichtigstes Verkehrsmittel an (siehe Grafik). Der ÖV ist nur für 28 Prozent (beziehungsweise 19 Prozent) der Firmen das wichtigste Verkehrsmittel. Insbesondere Gewerbe- und Detailhandelsbetriebe geben an, sie seien stark bis sehr stark vom Strassenverkehr abhängig. Für Dienstleistungsbetriebe und Tourismus ist der Strassenverkehr etwas weniger wichtig, sie sehen sich aber immerhin noch «stark» abhängig davon.

Diese Resultate sind wenig überraschend, wenn man sie mit früheren Verkehrszählungen der Stadt vergleicht. So überquerten im Jahr 2012 täglich 58000 Personen die Seebrücke per Auto. Im Bus waren es lediglich 35000 Personen. Apropos Seebrücke: Gemäss der aktuellen Umfrage geben 55 Prozent der Betriebe an, dass ihre Fahrzeuge regelmässig über die wichtigste Stadtluzerner Brücke ­fahren.

Zu viele Autos, zu wenig Parkplätze

So viel zum Verkehrsverhalten des Luzerner Gewerbes. Die Umfrage wollte von den Betrieben aber auch wissen, wie sie die aktuelle Verkehrssituation in der Stadt einschätzen. Hier ist die Stimmung pessimistisch. Nur 11 Prozent sind mit der Situation zufrieden und beurteilen sie als «gut». Bei einer analogen Umfrage im Jahr 1997 waren noch 15 Prozent der Betriebe mit der Verkehrssituation zufrieden. Gleichzeitig fällen heute 19 Prozent das Urteil «sehr schlecht», während es vor 20 Jahren noch 12 Prozent waren. Das Hauptproblem orten die Befragten im Fehlen einer Umfahrungsmöglichkeit der Stadt. Viele stören sich auch an VBL-Bussen, die den Verkehr blockieren, sowie an den «vielen Verkehrsschikanen» – ohne allerdings zu präzisieren, was damit genau gemeint ist. 52 Prozent sind zudem der Meinung, es gebe generell zu viele Autos in der Stadt. Mangelware sind hingegen Parkplätze in der Innenstadt. 61 Prozent finden, es sollte mehr davon geben. Da liegt es auf der Hand, dass 79 Prozent das Parkhaus Musegg als Beitrag zur Lösung dieses Problems sehen. Mehr Parkplätze im Zentrum sind für die Befragten aber nicht die einzige mögliche Lösung. Sie stehen auch Park-and-ride-Konzepten am Stadtrand sehr wohlwollend gegenüber. Eine deutliche Mehrheit befürwortet auch neue Parkplätze bei den Bus-Endstationen.

Schliesslich konnten die Befragten auch zu aktuellen politischen Themen Stellung nehmen, konkret zur Inseli-Initiative, die am 24. September zur Abstimmung kommt. 46 Prozent wollen am heutigen Car-Parkplatzangebot nichts ändern, während 8 Prozent die Parkplätze vollständig aufheben wollen, wie von der Initiative verlangt. Der Rest steht Veränderungen zwar offen gegenüber, will aber zumindest einen Teil der Parkplätze erhalten. Für knapp 90 Prozent steht aber ausser Frage, dass die Initiative erst angenommen werden kann, wenn eine echte Alternative zu den heutigen Car-Parkplätzen bereitsteht.

Die Meinungen, die sich aus der Umfrage herauskristallisiert haben, stehen im Widerspruch mit der Stadtpolitik, welche die Inseli-Initiative befürwortet und das Parkhaus Musegg ablehnt. 60 Prozent der Befragten finden denn auch, dass die Federführung in Verkehrsfragen nicht bei Stadtrat und Parlament liegen sollte. Vielmehr sollen von der Stadt beauftragte Fachgremien oder Private die Führung bei der Entwicklung von Verkehrskonzepten haben. Diese Aussagen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, da nicht weiter ausgeführt wird, was mit «Fachgremien» genau gemeint ist. Schliesslich sind es heute schon in erster Linie Fachleute aus Stadtverwaltung und Spezialfirmen, welche sich um Verkehrsfragen kümmern.

Die vollständigen Umfrageresultate hier herunterladen

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