STADT LUZERN: VBL möchten Ampeln steuern

Mit der neuen Leitstelle könnten die VBL theoretisch auch die Ampeln in der Stadt beein­flussen und damit die Busse bevorzugen. Bei der Stadt ist man zurückhaltend.

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Ein Bus wartet vor einem Rotlicht am Schweizerhofquai. Die VBL möchten, dass die Busse an Ampeln möglichst bevorzugt werden. (Bild: Corinne Glandmann / Neue LZ)

Ein Bus wartet vor einem Rotlicht am Schweizerhofquai. Die VBL möchten, dass die Busse an Ampeln möglichst bevorzugt werden. (Bild: Corinne Glandmann / Neue LZ)

Robert Knobel

Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) haben kürzlich eine topmoderne Leitstelle in Betrieb genommen (Ausgabe vom 22. April). Dort wird zwar wie bisher der Busverkehr in der Agglomeration Luzern überwacht und koordiniert. Doch die neue Leitstelle wäre zu weit mehr in der Lage. So könnte sie auch den ÖV in anderen Städten koordinieren und sie könnte von der Zentrale im Tribschen aus sogar die Lichtsignale beeinflussen. «Wir wären jetzt technisch in der Lage, die Ampeln direkt zu steuern», sagt VBL-Sprecher Christian Bertschi. Mit anderen Worten: Steht ein Bus im Stau vor einem Rotlicht, stellt die Zentrale auf Grün und gibt dem Bus freie Fahrt. Gemäss Bert­schi wäre dies insbesondere bei den Eingängen zum Stadtzentrum interessant. «Bei Verkehrsüberlastung etwa am Bahnhof könnte man die Ampeln so steuern, dass vorübergehend keine weiteren Autos vom Pilatusplatz ins Zentrum kommen», sagt Bertschi. So würden die Busse flüssiger durch den Verkehr kommen.

Verkehrsmanagement für die Stadt

Bei den VBL träumt man gar von einem eigentlichen Verkehrsmanagement für die ganze Stadt die Mitarbeiter in der Leitstelle könnten dann direkt ins Geschehen eingreifen und die Rot- und die Grünphasen der Ampeln je nach Bedarf steuern. Bei den Schweizer Autobahnen ist dies bereits Realität: In der nationalen Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) in Emmenbrücke wird der Autobahnverkehr beobachtet und gesteuert – die Mitarbeiter können auf Knopfdruck Ampeln auf Rot schalten und kurzfristige Temporeduktionen verordnen. Die neue VBL-Leitstelle wäre zu solchen Leistungen technisch ebenfalls in der Lage, sagt Christian Bertschi. «Die Leitstelle ist ja ohnehin besetzt. Da könnte man neben den Bussen auch den Gesamtverkehr besser steuern.» Bertschi räumt ein, dass man dann wohl versuchen würde, den Bussen möglichst Priorität zu geben. Doch der Entscheid, solche Ideen umzusetzen, läge ohnehin nicht in der Kompetenz der VBL. «Ein solches Regime müsste man partnerschaftlich mit den zuständigen Stellen der Polizei sowie der städtischen und der kantonalen Verkehrsplanung einführen», sagt Christian Bertschi.

Fest programmierter Ablauf

Bereits heute werden die Busse an Ampeln bevorzugt allerdings vor allem ausserhalb des Stadtzentrums, wo der Verkehr einfacher zu steuern ist. Nähert sich ein Bus, sendet dieser ein Signal an die Ampel, die dann auf Grün schaltet. In der Innenstadt ist dieses System hingegen nur in verkehrsarmen Zeiten möglich. Während der Hauptverkehrszeit laufen die Grün- und die Rotphasen nach einem fest programmierten System ab. Je nach Verkehrsaufkommen, das an neuralgischen Stellen laufend gemessen wird, kommt eines von drei Ampelprogrammen zur Anwendung. Diese drei Programme beinhalten jeweils unterschiedlich lange Rot- und Grünphasen für einzelne Lichtsignalanlagen. Dieses System, das in der Verantwortung des städtischen Tiefbauamts liegt, funktioniert autonom – die Ampelphasen werden vollautomatisch und ohne menschliches Zutun gesteuert. Auf einzelne Busse kann dabei keine Rücksicht genommen werden. Ein eigentliches Verkehrsmanagement, bei dem der Verkehr auf einer Zentrale laufend überwacht und flexibel gesteuert wird, wäre deshalb ein völlig neuer Ansatz.

Im Zentrum wirds kompliziert

Stadtrat und Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne) findet, dass solche Ansätze «unbedingt geprüft werden sollten». Auch Roland Koch, Verkehrsexperte beim städtischen Tiefbauamt, spricht von einem «Denkansatz, der sicher weiterverfolgt werden kann». Die Umsetzung wäre aber anspruchsvoll, wie Koch sagt. «Im Stadtzentrum, wo viele Verkehrsachsen zusammentreffen, können Busse nur bedingt bevorzugt werden.» Die Bevorzugung eines einzelnen Busses könne leicht zum Bumerang für andere Verkehrsteilnehmer werden. Schaltet eine Ampel etwa am Pilatusplatz auf Grün, weil ein Bus kommt, muss logischerweise eine andere Ampel auf Rot schalten. Wenn dort ebenfalls ein Bus herannaht, hat dieser das Nachsehen.

Wer darf den Verkehr steuern?

Gemäss Roland Koch stellt sich auch die grundsätzliche Frage, in wessen Verantwortung ein solches Verkehrsmanagement liegen würde. Auch wenn die Leitstelle bei den VBL bereits vorhanden ist, gibt Koch zu bedenken: «Die bisherigen Ansätze sind immer davon ausgegangen, dass dies wohl eine hoheitliche Aufgabe wäre.» Das bedeutet, dass die Stadt selber oder die Polizei den Verkehr überwachen würde. Komme hinzu, dass das nötige Know-how für ein Gesamtverkehrsmanagement bei den VBL heute nicht vorhanden wäre. Zudem wäre eine Umsetzung mit hohen Kosten verbunden.