STADT LUZERN: Weitere Schliessungen: Post prüft Hausservice im Gebiet Schönbühl

Die Post gibt weitere Schliessungen bekannt – obwohl die Gespräche mit Vertretern der betroffenen Kantone noch nicht abgeschlossen sind. Quartierverein und Gewerkschaft reagieren verärgert.

Hugo Bischof und Christian Glaus
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Die Poststelle Schönbühl. Diese und drei weitere Filialen sollen in Luzern geschlossen werden. (Bild: Nadia Schärli (8. Februar 2017))

Die Poststelle Schönbühl. Diese und drei weitere Filialen sollen in Luzern geschlossen werden. (Bild: Nadia Schärli (8. Februar 2017))

Hugo Bischof und Christian Glaus

stadt@luzernerzeitung.ch

Das Poststellennetz in der Stadt Luzern wird weiter ausgedünnt. Geschlossen werden soll nun auch die Poststelle Schönbühl. Man werde dort «trotz intensiver Bemühungen voraussichtlich keine Lösung mit Partner realisieren können», teilt die Post mit. Sie prüft im Gebiet Schönbühl/Hirtenhof deshalb die Einführung eines Hausservices. Dabei können Briefe und Pakete dem Postboten bei der eigenen Haustür abgegeben werden. Die Umsetzung soll bis 2020 erfolgen.

Geschlossen werden auch die Poststellen in den Quartieren Würzenbach, Untergrund/Bruch und Reussbühl. Diese drei Filialen sollen künftig zusammen mit einem Partner betrieben werden. Am weitesten fortgeschritten ist die Realisierung einer Filiale mit Partner im Würzenbach. Diese soll wenn möglich bereits bis Herbst 2017 eröffnet sein.

Post fand keinen Partner

Warum hat man nicht auch für die Poststelle Schönbühl eine Lösung mit Partner gefunden, wie es sie seit 2012 in der Altstadt mit der Bäckerei Merz gibt? «Wir führten mit diversen Geschäften Gespräche, doch haben wir bisher keinen Partner für eine Zusammenarbeit gefunden», sagt dazu Markus Flückiger, Kommunikation Postnetz Mitte. Pikant ist: Erst vorgestern verschickte die Schweizer Post eine Medienmitteilung, wonach die erste Gesprächsrunde mit allen Kantonen zur Entwicklung des Postnetzes abgeschlossen sei. Erste Erkenntnisse daraus berücksichtige die Post im Hinblick auf die zweite Gesprächsrunde mit den Kantonen: «Bis dahin sind sämtliche Mutmassungen zur Entwicklung des Postnetzes in den einzelnen Kantonen rein spekulativ.»

Nur einen Tag später informiert die Post über weitere Postschliessungen in der Stadt Luzern. Sind die geführten Gespräche eine reine Alibiübung? «Mit einzelnen Behörden, wie mit der Stadt Luzern, steht die Post bereits seit längerer Zeit im Dialog», sagt dazu Markus Flückiger. «Dieser Austausch wird von den Gesprächen mit den Kantonen nicht tangiert.» Ergebnisse aus diesen Gesprächen kommuniziere die Post regelmässig.

«Jetzt geht es an die Substanz»

Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP) will die Schliessungspläne der Post auf Anfrage nicht kommentieren. Er verweist auf zwei hängige parlamentarische Vorstösse. Züsli bestätigt aber, dass die Stadt von der Post über die Pläne informiert wurde.

«Sehr erstaunt» über den Entscheid, die Poststelle Schönbühl zu schliessen, ist Peter Spichtig, Regionalsekretär Zentralschweiz der Gewerkschaft Syndicom. «Die Post hat uns unterstellt, wir würden mit unserer Gefährdungskarte die Bevölkerung verunsichern. Nun bestätigen die Schliessungsabsichten der Post in der Stad Luzern unsere Einschätzung zu 100 Prozent.» Ihre Daten über das Poststellennetz wolle die Post schweizweit erst Ende März veröffentlichen. «Daher gingen wir davon aus, dass bis zu diesem Zeitpunkt gar nichts passiert», sagt Spichtig. «Es zeigt, dass die Post gegenüber Bevölkerung und Behörden nicht transparent kommuniziert beziehungsweise diese vor vollendete Tatsachen stellt.»

Die Post bezeichne die Anpassung ihres Netzes in Luzern als Modernisierung. «Es ist aber nichts anderes als ein Abbau», so Spichtig. «Jetzt geht es an die Substanz. Die Wege werden für die Kunden immer weiter. Es kann nicht sein, dass die Konzernleitung den Service public dieses zu 100 Prozent im Besitz des Bundes befindlichen Unternehmens einseitig unter dem Gewinnoptimierungsaspekt definiert.»

Bedauern über die Schliessung der Poststelle Schönbühl äussert auch Heinrich Bachmann, Vizepräsident des Quartiervereins Tribschen-Langensand: «Für ältere Quartierbewohner ist der Weg zur Hauptpost beschwerlich oder teilweise gar nicht bewältigbar. Wir werden nun das Gespräch mit der Post suchen, um eine optimale Lösung für das Quartier zu erreichen.»

Es gehe keineswegs darum, die Post-Versorgung in Luzern abzubauen, betont Post-Sprecher Markus Flückiger: «Wir reagieren auf die sich verändernden Kundenbedürfnisse und schaffen neue Zugangsmöglichkeiten.» Die elektronische Kommunikation und die gestiegene Mobilität führten dazu, «dass Kunden ihre Postgeschäfte vermehrt rund um die Uhr, unterwegs und auf elektronischem Weg realisieren». Ausserdem wird auch investiert: Die Filiale an der Zürichstrasse wird umgebaut und modernisiert.

Von den Filialschliessungen sind in der Stadt elf Arbeitnehmer betroffen. «Wir werden mit den Betroffenen individuelle Lösungen suchen», sagt Flückiger. Sofern möglich, unterbreite die Post ihnen ein Angebot für die Weiterbeschäftigung.

Widerstand gegen die Schliessung von Poststellen gibt es auch anderswo. Gegen die drohende Schliessung der Poststelle Eschen­bach hat die dortige CVP eine Petition lanciert.

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