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STADT LUZERN: Weniger Parkkarten, mehr Verkehr

Dauerparkieren soll in den Luzerner Quartieren erschwert werden. Doch dies könnte ungewollte Konsequenzen haben.
Robert Knobel
Sind meist besetzt: Parkplätze auf der Sempacherstrasse beim Vögeligärtli. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 3. Juli 2017))

Sind meist besetzt: Parkplätze auf der Sempacherstrasse beim Vögeligärtli. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 3. Juli 2017))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Der Luzerner Stadtrat erarbeitet zurzeit ein «Grundkonzept Parkierung». Darin geht es um die rund 15000 öffentlich zugänglichen Parkplätze in der Stadt – und um die Frage, wer diese zu welchen Konditionen nutzen darf. Eine vom Stadtrat in Auftrag gegebene Studie gibt schon einmal die Stossrichtung vor: So soll unter anderem die Zahl der Dauerparkierer gesenkt werden (Ausgabe vom 4. Juli). Das Phänomen ist insbesondere in der Innenstadt frappant: Dort sind im Schnitt bis zu 80 Prozent der öffentlichen Parkplätze von Dauer-Parkierern belegt. Dabei handelt es sich um Anwohner, die keinen eigenen Parkplatz haben, aber ihr Auto für 600 Franken pro Jahr in der weissen Zone abstellen dürfen. Besonders extrem ist es im Bruchquartier: Würden alle dortigen Inhaber von Parkkarten gleichzeitig parkieren, wären 95 Prozent der öffentlichen Parkplätze belegt.

Entschieden ist zwar noch nichts, aber der Stadtrat hat bereits signalisiert, dass er die heutige Praxis der Anwohnerparkkarten überprüfen will. Dabei geht es insbesondere um eine Einschränkung des berechtigten Benutzerkreises.

Die Konsequenzen, die sich aus einer Reduktion der Dauerparkierer ergeben würden, sind noch nicht absehbar. Eine entscheidende Frage ist etwa, wie die frei werdenden Parkplätze künftig genutzt werden. Eine restriktivere Vergabe der Anwohnerkarten käme zum Beispiel einem jahrelangen Anliegen der Gewerbebetriebe in der Innenstadt entgegen, indem mehr Parkplätze für Kunden und Besucher zur Verfügung stünden.

Verkehr darf nicht weiter zunehmen

Doch solche Kurzzeit-Parkplätze generieren mehr Verkehr als Parkplätze, auf denen die meiste Zeit dasselbe Auto abgestellt ist. Und Mehrverkehr würde dem städtischen Mobilitätsreglement widersprechen. Dieses schreibt vor, dass das gesamte Verkehrsvolumen in der Stadt Luzern nicht weiter zunehmen darf. Für den städtischen Verkehrsexperten Roland Koch ist deshalb klar: «Wenn mehr Kurzzeit-Parkplätze angeordnet werden, muss die Zahl der Parkplätze insgesamt reduziert werden.»

Sollte die Stadt am System mit den Dauer-Parkkarten schrauben, hätte dies auch für die Innenstadt-Bewohner einschneidende Konsequenzen: Viele von ihnen könnten womöglich gar kein Auto mehr besitzen. Denn im Zentrum gibt es nur wenige private Parkplätze oder Garagen. Die Anwohnerkarte ist oft die einzige Möglichkeit, das Auto über längere Zeit abstellen zu können. Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins Hirschmatt-Neustadt, würde eine Reduktion der Dauer-Parkierer dennoch begrüssen. «Die Parkkarte ist heute viel zu billig. Im Prinzip subventioniert die Stadt damit die Parkplätze der Quartierbewohner.» Schulthess plädiert dafür, spezielle Kurzzeit-Parkplätze zu schaffen, die nur von Kunden und Besuchern benutzt werden dürfen, nicht aber von Parkkarten-Inhabern.

Luzern weist mit 455 Autos pro 1000 Einwohner den zweithöchsten Motorisierungsgrad aller Schweizer Städte auf. Einzig in Lugano liegt dieser noch höher. Wie sich eine Reduktion von Dauer-Parkierungsmöglichkeiten auf die Bewohnerstruktur der einzelnen Quartiere auswirken würde, ist offen.

Möglich wäre allerdings, dass sich die Quartierbewohner in Zukunft vermehrt private Parkplätze teilen. Bereits heute gibt es Apps, mit denen private Parkplatzbesitzer ihre Parkfelder stunden- oder tageweise vermieten. Über die App Parku kann man etwa 40 Parkplätze, meist in der Luzerner Innenstadt, zeitweise buchen. Die eingangs erwähnte Parkplatz-Studie sieht solche Entwicklungen allerdings sehr kritisch – im Prinzip sei die Vermietung über Parkplatz-Börsen sogar illegal. Grund: Es stelle eine Zweckentfremdung der privaten Parkplätze dar, die gemäss Baubewilligung jeweils nur für bestimmte Nutzer (Besitzer, Kunden oder Besucher) zugelassen sind. Hinzu kommt, dass das Teilen von Parkplätzen ebenfalls zu Mehrverkehr führt. Die Stadt toleriert im Moment die Parkplatz-Apps, will die Frage aber zusammen mit dem Grundkonzept Parkierung klären.

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