Stadt Luzern will Primarschüler mit Laptops ausrüsten

Schulkinder sollen einen vernünftigen Umgang mit digitalen Medien schon in frühen Jahren lernen. Das will sich die Stadt Luzern insgesamt 10,5 Millionen Franken kosten lassen.

Hugo Bischof
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Der elfjährige Lukas, Mitte, ist Sechstklässler im Moosmattschulhaus in Luzern. Er lernt mit einem Laptop, im Rahmen eines Pilotprojekts. (Bild: Patrick Hürlimann, Luzern, 11. November 2019)

Der elfjährige Lukas, Mitte, ist Sechstklässler im Moosmattschulhaus in Luzern. Er lernt mit einem Laptop, im Rahmen eines Pilotprojekts. (Bild: Patrick Hürlimann, Luzern, 11. November 2019)

Luzerns Stadtrat will die Primarschulen der Stadt Luzern auf das Schuljahr 2021/2022 stufenweise mit einer neuen Informatik-Infrastruktur ausrüsten. Für die Anschaffung der Geräte und deren Betrieb und Unterhalt für die nächsten zehn Jahre beantragt er beim Parlament einen Kredit von rund 10,5 Millionen Franken. Das gab der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli an einer Medienkonferenz im Moosmattschulhaus am Montag bekannt. Dort läuft ein entsprechendes Pilotprojekt seit 2013.

Die Nutzung von Informatiktechnologie-Mitteln (ICT) und der Umgang mit Medien und Informatik sind ein wichtiger Bestandteil des Lehrplans 21. Bereits auf das Schuljahr 2019/2020 wurden alle Sekundarschulen in der Stadt mit mobilen Arbeitsgeräten ausgerüstet. Nun sollen auch die Primarschulklassen mit Tablets und Notebooks ausgestattet werden.

«Digitale Medien sind in der heutigen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit», sagte Vreni Völkle, Rektorin der Volksschule.

«Die Kinder wachsen zuhause mit iPhone, Laptop und anderen digitalen Medien auf. Wir wollen diese nun auch in der Schule zugänglich machen.»

Völkle betont weiter:

«Ein vernünftiger Umgang mit digitalen Medien schon in jungen Jahren, das ist unser Ziel.»

Digitale Medien könne man «für die Bildung sehr gut nutzen», sagt Völkle. Von der 1. bis 4. Primarklasse sollen die Geräte nur in der Schule benutzt werden. Fünft- und Sechstklässler sollen sie dann auch zuhause nutzen dürfen. «Die Arbeitsgeräte, die zur Verfügung gestellt werden, müssen zeit- und ortsunabhängig genutzt werden können», sagte Philipp Stehli, der als pädagogischer Mitarbeiter der Volksschule das Pilotprojekt im Moosmattschulhaus leitete. Stehli betont:

«Mit zunehmendem Alter der Lernenden sollen die Nutzung und der Einsatz der ICT-Mittel intensiviert werden.»

Wie viele Geräte den Lernenden in der Primarschule zur Verfügung stehen sollen, ist weder pädagogisch noch didaktisch eindeutig geklärt. Die kantonale Dienststelle Volksschule hat eine Empfehlung abgegeben. Basierend auf dieser Empfehlung sowie auf den Erfahrungen des Pilotprojekts in der Primarschule Moosmatt sieht der Stadtrat folgende Ausstattung vor: In den 5. und 6. Klassen erhält jede Schülerin und jeder Schüler je ein Gerät. Für die 3./4. Klasse ist mindestens ein halber Klassensatz – ein Gerät für jeweils zwei Kinder – vorgesehen. Die 1. und 2. Klassen erhalten eine 1:4-Ausstattung (ein Gerät pro vier Kinder). Im Kindergarten sind keine Geräte vorgesehen. Wichtig ist für die Volksschulrektorin Vreni Völkle: «Das digitale Lernen soll das analoge Lernen nicht verdrängen. Beides soll nebeneinander Platz haben.»

2000 Geräte für Lernende, 900 für Lehrpersonen

Im Schuljahr 2020/2021 sollen in sämtlichen vierzehn Primarschulen der Stadt Luzern in einem ersten Schritt die bereits vorhandenen veralteten Geräte und Multimediaarbeitsplätze umgerüstet werden. Ab dem Schuljahr 2021/2022 sollen dann alle Lehrpersonen und die Lernenden der 3. bis 6. Klasse die mobilen Geräte erhalten. Ein Jahr später ist die Ausrüstung der 1. und 2. Klassen vorgesehen. Insgesamt sollen knapp 2000 Tablets und Notebooks für die Lernenden sowie 900 Geräte für die Lehrpersonen angeschafft werden. Auch alle Mitarbeitenden der Volksschule sollen mobile Geräte erhalten. Bisher verfügen die meisten Arbeitsplätze über Desktopcomputer. Künftig sollen die Mitarbeitenden dank mobilen Geräten auch ausserhalb ihres primären Arbeitsbereiches ihre Arbeitsgeräte nutzen können. Die Lehrpersonen werden zudem zu den Themen Medien und Anwendungskompetenzen geschult.

«Ziel der Kurse ist es, alle Lehrpersonen für das Thema zu sensibilisieren, ihnen Umsetzungsmöglichkeiten für den eigenen Unterricht zu zeigen und sie mit dem nötigen Unterrichtsmaterial auszurüsten», sagte Volksschulrektorin Vreni Völkle. Die Weiterbildungen werden von der Pädagogischen Hochschule Luzern angeboten und vom Kanton Luzern finanziert.

Die Anschaffung der Tablets und Notebooks für die Lernenden und Lehrpersonen kostet 3,1 Millionen Franken. Zusätzliche Investitionskosten von rund 800 000 Franken ergeben sich unter anderem durch die Nachrüstung und Neuinstallation von Multimediaarbeitsplätzen sowie die Aufbewahrung der Geräte. Dazu kommen, verteilt auf die kommenden zehn Jahre, rund 6,6 Millionen Franken Betriebskosten. Dabei handelt es sich unter anderem um zusätzliche Stellenprozente für den technischen und pädagogischen Support sowie die Betreuung und Unterstützung der Lehrpersonen und Schulleitungen. Der Grosse Stadtrat wird voraussichtlich am 19. Dezember 2019 über den Kredit von insgesamt 10,5 Millionen Franken entscheiden.

Im Moosmattschulhaus werden Primarschüler im Rahmen eines Pilotprojekts schon seit 2013 mit Laptops unterrichtet. Der elfjährige Sechstklässler Lukas hat damit vorwiegend positive Erfahrungen gemacht:

«Ich habe mit dem Laptop viel mehr Freiheiten, deshalb kann ich jetzt besser lernen.»

Eine Kritik bringt Lukas dennoch an:

«Die Geräte sind zwar gut, stürzen aber zu oft ab.»

Sein Klassenkamerad Rafael ist am Laptop gerade mit einer Rechenaufgabe beschäftigt. Er betont:

«So zu lernen, macht mehr Spass.»

«Wir konnten mit dem Pilotprojekt extrem viele positive Erfahrungen machen», sagt einer der Lehrer, Cédric Eberli. «Es ist ein Riesengewinn im Schulbetrieb.» Die Motivation der Lernenden steige, es gebe viel mehr Möglichkeiten des Unterrichtens. Und ganz wichtig:

«Wir können individueller auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen.»

Dass es manchmal zu Programmm-Abstürzen kommt, weiss auch Eberli. «Die Laptops sind sechsjährig und nicht mehr auf dem neusten Stand,. Es ist Zeit, sie zu ersetzen.» Sonst kommt es, wie es die 11-jährige Sechstklässlerin Virginia treffend formuliert: «Es nervt, wenn der Laptop  mal wieder nicht funktioniert. Beim Schreiben auf Papier kann ich einfach rasch ‹usgömmele›, wenn ich etwas korrigieren will.»