Stadt Luzern will Warteggstollen im Baurecht abgeben

Der ehemalige Sicherheitsbunker im Tribschengebiet soll durch die EWL zu einem Rechenzentrum umgebaut werden. Dafür verlangt die Stadt einen Baurechtszins von 54'000 Franken.

Stefan Dähler
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So sieht es im Innern des Warteggstollens aus.

So sieht es im Innern des Warteggstollens aus.

Bilder: PD/EWL

Die Energie Wasser Luzern AG (EWL) plant für 31 Millionen Franken in einem leer stehenden Bunker unter dem Wartegghügel ein hochmodernes Rechenzentrum. Zu diesem Zweck will die Landeigentümerin Stadt Luzern die entsprechenden Grundstücke im Baurecht für mindestens 60 Jahre an die EWL abgeben, die sich wiederum im Besitz der Stadt befindet. Wie der Luzerner Stadtrat mitteilt, verlangt er von der EWL einen jährlichen Baurechtszins von 54'000 Franken.

Bestimmt wurde der Zins auf der Grundlage eines Gutachtens der Firma Arlewo. Der Grosse Stadtrat muss den Vertrag noch bewilligen. Er entscheidet voraussichtlich an der Sitzung vom 4. Juni darüber. Die EWL ist mit dem Vertrag zufrieden, wie sie mitteilt. Aus Sicht des Stadtrats entsteht eine Win-win-Situation, wie Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP) sagt:

«Der Stollen steht leer und kann nun durch die EWL für ein zukunftsträchtiges Projekt genutzt werden.»

Das Rechenzentrum sei ein weiteres Puzzleteil, um die Standortattraktivität Luzerns zu steigern. «Die Nachfrage nach solchen Zentren nimmt zu, weil immer mehr Daten gespeichert werden und das Bedürfnis nach Datensicherheit grösser wird.»

So sei die Speicherung von Daten an einem sicheren Ort je nach Vorschriften oder Sicherheitsbedürfnis sinnvoller als in einer Cloud. Zwar müsse eine Firma, die sich im Zentrum einmieten will, ihren Sitz nicht zwingend in Luzern haben, so Bitzi. «Doch die Distanzen zwischen Arbeitsort und Rechenzentrum sollten nicht zu gross sein, da je nach eingesetzter Technologie mit zunehmender Distanz die Qualität der Datenübertragung leidet.» Weiter spiele die Ökologie eine Rolle. «Es wird diesbezüglich ein sehr vorbildliches Rechenzentrum sein, was dieses attraktiv macht für Firmen, die CO2-neutral werden wollen.» So stellt die Stadt die Bedingung, dass das Rechenzentrum vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben wird.

Inbetriebnahme im nächsten Jahr

Vorgesehen ist, dass das Rechenzentrum im dritten Quartal des Jahres 2021 in Betrieb geht. Da dieses nicht von Beginn weg voll ausgelastet sein werde, gewährt die Stadt der EWL zunächst Rabatt: Erst nach fünf Jahren wird der volle Baurechtszins fällig. In den ersten beiden Jahren soll die EWL 18'000 Franken bezahlen, im dritten und vierten 36'000 Franken. Der Vertrag enthält zudem eine Option für eine Verlängerung des Baurechts um 20 Jahre und bei Bedarf noch darüber hinaus. 

Der Bunker wurde Ende der 1960er-Jahre während des Kalten Kriegs erbaut. Er war als Schutzraum für die kantonale Verwaltung und die Kanti Alpenquai gedacht. Dafür räumte die Stadt dem Kanton ein Nutzungsrecht ein. Nachdem der Kanton keine Verwendung mehr für den Stollen hatte, übertrug er diesen ohne Entschädigung 2012 an die Stadt. Seither stand dieser leer. Die Einrichtung einer Zivilschutzanlage wurde aus Kostengründen verworfen, wie der Stadtrat schreibt.

Seit letztem Jahr kann die EWL die Anlage bereits auf Basis einer Gebrauchsleihe für Vorabklärungen nutzen. «Das Vorprojekt wurde finalisiert, die Investitionen sind genehmigt und die Baubewilligung liegt vor», teilt die EWL auf Anfrage mit. «Die ersten Räumungsarbeiten im Stollen wurden vorgenommen, die Vorbereitungsarbeiten am Eingangsportal haben begonnen.» Die Detailplanung werde nun noch «finalisiert».

Der Bunker enthält total sechs Stollen mit einer Stellfläche von 1865 Quadratmetern. Die Bedingungen für ein Rechenzentrum seien im Bunker ideal. Dieser liege zwar nahe am See, sei jedoch erhöht gebaut, daher bestehe keine Hochwassergefahr, schreibt der Stadtrat. Weiter garantiere «das harte Gestein des Wartegghügels ein absolut trockenes Klima».

Auch die Stadt könnte sich bei EWL einmieten

Möglich ist, dass die Stadt Luzern dereinst selbst einen kleinen Teil davon mieten wird. Sie plant aus Sicherheitsgründen ein zweites, externes Rechenzentrum, der EWL-Stollen wäre ein möglicher Standort. Ein Entscheid sei diesbezüglich aber noch nicht gefallen, schreibt der Stadtrat. Die Stadt habe einen Bedarf von 20 Quadratmetern für die Auslagerung ihrer IT-Infrastruktur. Mit «diversen» weiteren möglichen Interessenten stehe man in Kontakt, so die EWL. 

Der Stromverbrauch des Zentrums betrage ungefähr 20 Gigawattstunden, was etwa 5 Prozent des städtischen Stromverbrauchs ausmache, so der Stadtrat. Gekühlt werden soll die Anlage mit Seewasser, voraussichtlich Mitte 2022 wird diese zu diesem Zweck an das geplante EWL-See-Energienetz angeschlossen. Weiter sollen mit der Abwärme des Zentrums rund 625 Wohnungen im Tribschenquartier und am Alpenquai beheizt werden. «Damit wird das EWL-Rechenzentrum zu einem wichtigen Baustein in der Wärmeversorgung in der Stadt Luzern», schreibt das Unternehmen. 

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Beatrice Vogel