STADT LUZERN: Wirbel um die Kirchen-Kondome

Mit ihrer Präservativ-Aktion stossen die Luzerner Kirchen auf Wohlwollen – und harte Kritik. «Verfehlt» heisst es etwa im Bistum Chur.

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Auf dem Bahnhofplatz in Luzern werden drei Tage lang Kondome verteilt. (Bild Philipp Schmidli/ Neue LZ)

Auf dem Bahnhofplatz in Luzern werden drei Tage lang Kondome verteilt. (Bild Philipp Schmidli/ Neue LZ)

3000 Kondome werden von Montag bis Mittwoch vor dem Luzerner Bahnhof verteilt – von den katholischen Kirchen der Stadt Luzern. Dies im Rahmen einer Aids-Präventionskampagne des kirchlichen Hilfswerks «Missio». Die Ankündigung der Aktion sorgte bei der katholischen Kirche Luzern bislang für «mehrheitlich positive» Reaktionen, wie der Kommunikationsbeauftragte Florian Flohr gestern auf Anfrage sagte.

Innerhalb der Katholischen Kirche Luzern ist die Kondomabgabe laut Alois Metz, Mitinitiator und Leiter der Pfarrei St. Johannes, unumstritten: «Die städtischen Gemeindeleiter und Pfarrer stehen hinter der Präventionskampagne.» Von Seiten der Aids-Prävention wird den Luzerner Kirchen gar gratuliert: «Ich hoffe, dass dies Schule macht», so Bettina Maeschli von der Aids-Hilfe Schweiz.

Abtreibungsgegner fordern Stopp
Die Kirchen-Kondome sorgen dennoch für Wirbel. Die Human Life International Schweiz, eine Organisation von Abtreibungsgegnern, bezeichnet die Aktion als «verantwortungslos» und fordert, auf die Verteilung zu verzichten. Auch das Bistum Chur hält die Aktion für verfehlt. Dies aus pädagogischen und medizinischen Gründen, «weil man heute weiss, dass Präservative eigentlich einen unsicheren Schutz bieten.» Im Bistum Basel wollte man sich nicht zur Aktion äussern, bis mit den Initianten das Gespräch geführt worden sei.

Trotz der Kontroverse ist Florian Flohr ist zufrieden, denn: «Unser Ziel ist es, dass Menschen darüber reden, mit denen wir sonst nur schwer in Kontakt kommen. Und das haben wir auf jeden Fall bereits vor der eigentlichen Aktion mit den Kondomen als Denkanstoss erreicht.»

Jérôme Martinu

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Luzerner Zeirung.