Kommentar

Stadt Luzern zäumt blau-weissen Amtsschimmel wegen bemalten Verkehrsinseln auf

Der Chefredaktor wundert sich, wieso die Stadt Luzern wegen der Schmierereien am Bundesplatz erst mit Experten diskutieren muss. Denn der Fall sei klar.

Jérôme Martinu
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Jérôme Martinu

Jérôme Martinu

Blau-Weiss regiert! Nein, nicht auf dem Rasen. Und auch nicht in der strategischen Führungsetage. Der hartgesottene Supporterkern des FC Luzern ist es, der derzeit zeigt, wo’s langgeht. Am letzten Wochenende haben sie die Randsteine am Luzerner Bundesplatz in einer nächtlichen Aktion grossflächig blau-weiss bemalt. Wann wird das gereinigt? Warum hat die Stadt Luzern die angekündigte Strafanzeige noch nicht eingereicht? Es sei, so heisst es nun beim Strasseninspektorat, völlig offen, wie man mit der Bemalung umgehen wolle. Möglich sei auch, dass man die blau-weissen Randsteine so belasse. Und jetzt kommt’s: «Wir müssen Spezialisten für Verkehrssicherheit und Rechtsexperten von Stadt und Leute vom Kanton an einen Tisch bringen, um offene Fragen zu klären. Das braucht Zeit», so der Strasseninspektor.

Im Ernst jetzt? Ein üppiges Expertenaufgebot zur Beratung dieser «Verschönerungsaktion»? Irritierend, dass in einem solch eindeutigen Fall die zuständige städtische Abteilung den blau-weissen Amtsschimmel aufzäumt.

Man mag von der Farbaktion halten, was man will. Ja, sie ist im Kern nicht mal unoriginell. Fakt ist aber, dass hier öffentliches Eigentum verunstaltet wurde. Wenn die Stadt dies toleriert, so heisst sie illegale Aktionen gut. Und schafft darüber hinaus ein folgenschweres Präjudiz. Es ist also wirklich ganz einfach, und eine Expertenrunde ist überflüssig: Die Farbe muss umgehend wieder weg.