STADT: Luzerner exportieren Jodeln auf die Grüne Insel

Der Jodlerklub Pilatus ist nach der Rettung durch Fasnächtler definitiv über den Berg. Nun kombiniert er Jodel mit Keltenmusik – auch wegen des irischen Kulturministers.

Sarah Weissmann
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Der Jodlerklub Pilatus Luzern während seiner Konzerttournee durch Irland vor dem herrschaftlichen Landsitz Muckross in Killarney. (Bild: PD)

Der Jodlerklub Pilatus Luzern während seiner Konzerttournee durch Irland vor dem herrschaftlichen Landsitz Muckross in Killarney. (Bild: PD)

«Ein in Lederhosen gekleideter Schweizer Jodlerchor wird zusammen mit einem Alphornduo in Ballyheigue und Castleisland auftreten.» So kündigte die irische Lokalpresse in der Grafschaft Kerry diesen Sommer den Besuch des Stadtluzerner Jodlerklubs Pilatus Luzern an. Dieser erhielt so die Chance, auf einer Konzerttour die Alpenmusik auf der Grünen Insel zu vertreten. Der Jodlerklub Luzern stand 2008 wegen Mitgliederschwunds kurz vor dem Aus; nur dank dem Neueintritt einer grossen Gruppe von Fasnächtlern konnte er damals sein Weiterbestehen sichern.

Nun, bayerische Lederhosen hin oder her – offenbar war der Irland-Trip eine Reise mit «Exoten-Charakter». Immerhin war der Lokalzeitung «The Kerryman» aus dem Südwesten der Insel die Ankunft der Luzerner Jodler eine Front-Schlagzeile wert: «Swiss ‹yodel› choir coming to Ballyheigue and Castleisland.»

«Es war ein wunderschönes Erlebnis», schwärmt Beat Felder, Präsident des Klubs und stadtbekannter Fasnachtsguugger. «Wir durften in zwei Kirchen vor rund 600 Leuten auftreten. Es war schon ein spezielles Gefühl, als wir da in unseren Trachten aufkreuzten und die Menschen sich sichtlich freuten.»

Hemmungen abgelegt

Daneben wurde auch ein kultureller Abend organisiert, zu dem sogar Jimmy Deelihan, der Kulturminister Irlands, eingeladen wurde. Zusammen mit der Irish Step Dance Gruppe aus Ballyheigue wurde es laut Felder ein bunter, vielfältiger, Kulturen verbindender Abend. «Die Iren sind sehr gastfreundlich und hatten immer grosse Freude an unseren Auftritten. Einmal sangen wir, wie viele Strassenmusiker, vor der berühmten ‹Temple Bar› in Dublin für die Passanten. Das war sehr berührend.» Es habe die Jodler dazu motiviert, ihre Hemmungen auch in der Schweiz abzulegen: «Wenn wir jetzt irgendwo unterwegs sind und finden, es würde doch passen, hier jetzt zu singen, dann tun wir das.»

Diese Reise gab dem Jodlerklub denn auch den Anlass für den Aufhänger des Galakonzerts vom nächsten Samstag. «Wir haben die Luzerner Irish-Folk- Gruppe Members of The Stouts eingeladen und werden mit ihnen zusammen zwei Lieder performen», erzählt Felder. Das würde dem Programm etwas Besonderes verleihen und sei eine schöne Alternative zum Jodeln. «An diesem Abend möchten wir den Gästen mit Jodelgesang und irischer Musik Abwechslung bieten.»

Vom Projekt zum richtigen Hobby

Der Jodlerklub Pilatus wurde 1927 gegründet. Die Rettung durch die Fasnächtler im Nachgang zum fasnächtlichen «Jodu-Fäscht» von 2008 war laut Felder anfänglich nur ein Projekt, aber sie hätten sich im Laufe der Jahre zu einem richtigen Jodlerklub entwickelt. «Wir alle haben das Jodeln in diesen sechs Jahren gelernt. Das ist äusserst erfreulich.» 24 Mitglieder zählt der Klub heute; davon sind vier Senioren noch vom ursprünglichen Jodlerverein mit von der Partie.

Hinweis
Galakonzert: 29. November, Hotel Schweizerhof, Luzern. Tickets unter www.jodlerklub-pilatus.ch