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STADT: Luzerns nächstes Stadtoriginal

Er hat einen imposanten Bart, hat fünfmal geheiratet und kann ganz schön nerven: Das sind beste Referenzen für die Güüggali-Zunft. Und für Markus Petrig der Beweis, dass er auf dem rechten Weg ist.
Astrid Longariello
Schnauz und Bart als Markenzeichen: Markus Petrig geniesst ein Fussbad in der Tribschenbadi. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Schnauz und Bart als Markenzeichen: Markus Petrig geniesst ein Fussbad in der Tribschenbadi. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Astrid Longariello

«Darf ich bitte ein Bild von Ihnen schiessen, Ihr Schnauz ist so cool», tönt es aus dem Mund eines Teenagers. Markus Petrig (59) sitzt gerade in der Führerkabine eines VBL-Busses und stimmt der Bitte lächelnd zu. Solche Fragen seien für ihn an der Tagesordnung, schmunzelt der Buschauffeur. In der Tat fällt Petrig auf. Nicht nur durch sein spezielles Äusseres. Auch seine Art, mit den Mitmenschen zu kommunizieren, sein Lachen oder seine manchmal durchaus etwas provokante Art. «Er stimmt die Menschen fröhlich und ist einfach ein wilder Vogel», sagt Roland Bär, VBL-Chauffeur-Kollege. «Mit seinen aussergewöhnlichen Sonnenbrillen und seinem Kunstwerk von einem Schnauz entlockt er Passagieren, die eben noch missmutig in die Welt blickten, oft ein Lächeln», stellt Bär fest.

Ein halbes Jahr in Costa Rica

Wie einst Goethe so schön feststellte: «Zwei Seelen leben ach in meiner Brust», so könnte man den Markus Petrig beschreiben. Denn seit 2007 weilt er zusammen mit seiner Frau Carina von November bis April im sonnigen Cahuita, Costa Rica, an der mittelamerikanischen Karibikküste und betätigt sich dort als Gastgeber einer Lodge. Von Frühling bis Sommer kehrt er jeweils alleine nach Luzern zurück und geniesst seine Aufgabe als VBL-Chauffeur. Markus Petrig liebt es, Passagiere durch Luzern zu führen. «Durch meine Arbeit sind schon viele Kontakte entstanden, die weit über das Berufliche hinausgehen», erinnert er sich. Ausserdem besitze er in Luzern einen sehr grossen Bekanntenkreis und seine Familie, die er gerne während seines Aufenthalts in der Schweiz besuche, erzählt er.

«Er fällt auf, ist oft provokativ»

Seine sicherlich nicht durchschnittliche Lebensart und Lebensphilosophie blieben auch Anita Bucher, ehemalige Lebenspartnerin von Stadtoriginal Emil Manser, nicht verborgen. «Petrig bringt meiner Meinung nach alles mit, was es für ein Original braucht. Er ist extrem extrovertiert, besitzt ein grosses Wissen und eine grosse Lebenserfahrung. Er fällt auf, ist oft ziemlich provokativ, ja er kann auch nerven und wird manchmal nicht verstanden, aber er steht dazu», begründet sie ihre Meinung. So hat sie ihn bei der Güüggali-Zunft kurzerhand als nächstes Luzerner Original vorgeschlagen. Dank ihrem ehemaligen Partner Emil Manser verfügt sie über gute Verbindungen zu der Zunft und wird oft selbst als Original betitelt. Die Güüggali-Zunft fördert und unterstützt Luzerner Originale und hält die Erinnerung an sie auch über ihren Tod hinaus fest. Hans Baumann von der Güüggali- Zunft bestätigt, dass man nach neuen Mitgliedern Ausschau halte. «Leider existiert nicht mehr viel Platz in Luzern für Originale, das heisst für nicht 0815- Menschen», bedauert er. Und einige, die durchaus das Zeug zum Stadtoriginal hätten, wollen diese Auszeichnung nicht. So hatte sich die Zunft seinerzeit um Angy Burri als Stadtoriginal bemüht. Doch dieser habe partout nicht gewollt, erzählt Baumann.

Offizielle Einladung der Zunft

Die «Kandidatur» von Markus Petrig scheint hingegen auf guten Wegen. Der VBL-Chauffeur hat inzwischen eine offizielle Einladung von der Zunft erhalten und würde sich sehr freuen, als neues Stadtoriginal aufgenommen zu werden. «Für mich bedeutet dies eine grosse Anerkennung und vor allem die Bestätigung dafür, dass ich mich auf dem rechten Weg befinde», meint er. Laut seiner Aussage sei er nicht immer so auffällig gewesen, im Gegenteil: Als Kind habe er sich eher scheu und zurückhaltend verhalten. Seine jüngere Schwester Maya Bütler sieht das etwas anders: «Er war schon als Junge speziell und bedeutete für meine Eltern oft eine Herausforderung. Früher war das für mich manchmal nicht einfach, ab und zu sogar ein wenig peinlich», erinnert sie sich. Heute sei dies kein Problem mehr für sie, und sie freue sich für ihn.

«Jede Frau war genau die Richtige»

Dass Petrig in vielen Dingen anders als der Durchschnitt agiert, zeigt auch die stolze Zahl von fünf Ehefrauen. «Jede Frau ist zum jeweiligen Zeitpunkt genau die Richtige gewesen», begründet er seine beachtliche Anzahl von Gattinnen. Ausserdem liebe er Hochzeiten und das damit verbundene Fest, meint er lachend. Zu jeder Frau besitze er noch heute ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Mit seiner Art zu leben möchte er dazu animieren, sich selbst zu sein. «Einfach mal die Maske ausziehen und nicht als Schauspieler auf der Bühne eine Rolle spielen, hierzu möchte ich meine Mitmenschen auffordern.» Das Wichtigste für ihn sei jedoch die Zu­friedenheit. Es sei nicht Glück, das er anstrebe, denn Glück sei stets von etwas wie beispielsweise Geld, Beruf oder Erfolg abhängig. «Deshalb will ich einfach zufrieden sein. Wenn ich mir abends vor dem Einschlafen sagen kann, ich bin zufrieden, dann ist mein Ziel erreicht», sinniert Petrig. Vielleicht führt ihn ja gerade diese Zufriedenheit zum nächsten Luzerner Original.

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