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STADT: Merki: «Das darf nicht wieder passieren»

Monatelang ver­weigern die Behörden der 88-jährigen Nelly Hunziker den Zutritt zu ihrer Wohnung. ­Gestern erhielt sie den Schlüssel. Und Stadtrat Martin Merki entschuldigt sich.
Nelly Hunziker (88) durfte am Donnerstag wieder in ihre Wohnung. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Nelly Hunziker (88) durfte am Donnerstag wieder in ihre Wohnung. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Raphael Gutzwiller

Am Donnerstag, kurz nach halb zwölf Uhr, war es so weit: Die 88-jährige Nelly Hunziker konnte ihre eigene Wohnung wieder betreten. Und das nach gut drei Monaten. Begleitet wurde die Seniorin von Cati Hürlimann, der Betriebsleiterin des Betagtenzentrums Rosenberg, wo Hunziker heute lebt. «Bereits bei der Fahrt habe ich Nelly Hunziker angemerkt, wie sie wacher und ruhiger ­wurde. Sie hat sich auf den Besuch in ihrer Wohnung sehr gefreut», erzählt Hürlimann gegenüber unserer Zeitung.

Als die beiden Frauen in der Wohnung im Tribschenquartier ankamen, setzte sich Hunziker zuerst in ihren alten Lieblingssessel. «Sie machte darin einen rundum zufriedenen Eindruck», sagt Hürlimann.

Sturz führte zu Spitalaufenthalt

Dass Nelly Hunziker gestern plötzlich Zutritt zu ihrer eigenen Wohnung erhielt, war für sie eine grosse Überraschung. Denn diesem glücklichen Moment ist eine lange Geschichte vorausgegangen. Zum Fall: Nelly Hunziker stürzte Ende April und kam vom Spital ins Betagtenzentrum Rosenberg in Luzern. Erst ­hatte sie ein Ferienbett, dann bezog sie ein Zimmer fest.

Anfang Mai traf sie ein weiterer Schicksalsschlag. Ihr einziger Sohn verstarb überraschend im Alter von 60 Jahren. Nelly Hunziker hatte ihm zuvor ihren einzigen Wohnungsschlüssel anvertraut. Nach dem Tod des Sohnes wurde der Schlüssel dem Teilungsamt übergeben, da diese Behörde zuständig für die Abwicklung von Erbschaften ist.

Teilungsamt blockiert den Schlüssel

Nelly Hunziker wollte einige persönliche Dinge in ihrer Wohnung holen, doch ihr Wohnungsschlüssel war beim städtischen Teilungsamt blockiert (Ausgabe von Donnerstag). Zwei Bekannte von Nelly Hunziker versuchten darauf, bei der Kindes- und Erwachsenschutzbehörde (Kesb) den Wohnungsschlüssel von Hunziker zu erhalten. Die Kesb wurde involviert, da das Teilungsamt der Kesb einen Hinweis gegeben hatte, dass Nelly Hunziker gesundheitliche und körperliche Probleme habe. Daraufhin klärte die Kesb ab, ob Nelly Hunziker einen Beistand erhalten sollte.

Unzählige Anrufe bei der Kesb

Sowohl bei der Kesb als auch beim Teilungsamt blitzten Anfragen der beiden Bekannten von Nelly Hunziker ab. «Wir haben insgesamt über zehn Mal bei der Kesb angerufen», sagt Martha Wey (78). Dabei habe die Behörde jeweils keine Auskunft gegeben. Es hiess einzig, bei Hunziker würde sich jemand von der Behörde melden. «Erst nach mehrmaligem Nachfragen wurde uns von der Kesb überhaupt mitgeteilt, dass der Schlüssel beim Teilungsamt sei.» Dort gab es für Wey die nächste Enttäuschung: «Es hiess, sie könnten mir den Schlüssel nicht aushändigen, da die zuständige Person in den Ferien sei.»

Gestern aber, nachdem unsere Zeitung den Fall publik gemacht hatte, ging es schnell: Nelly Hunziker durfte plötzlich in ihre Wohnung. Das Betagtenzentrum Viva Luzern Rosenberg wurde ermächtigt, den Wohnungsschlüssel beim Teilungsamt abzuholen, bestätigt Betriebsleiterin Hürlimann. Damit könne Hunziker, wann immer sie wolle, den Schlüssel beim Teilungsamt abholen lassen und in ihre Wohnung gehen.

Vom ganzen Fall hat der oberste Verantwortliche, Stadtrat Martin Merki, nichts gewusst. Er wurde erst während der Recherchen unserer Zeitung mit dem Fall konfrontiert. «Ich wurde am Mittwoch intern in meinen Ferien auf einer Velotour über den Fall und die Sachlage informiert», schreibt Merki in einer schriftlichen Antwort an unsere Redaktion. «Ich habe gestern Vormittag umgehend veranlasst, dass Frau Hunziker unverzüglich in ihre Wohnung gehen kann.»

Stadtrat Merki: «Es tut mir leid»

Sozialdirektor Merki bedauert den ganzen Fall: «Ich habe gedacht, das kann doch nicht sein, dass diese Frau nicht in ihre Wohnung kann.» Und er betont weiter: «Es tut mir leid, dass für Nelly Hunziker eine schwierige und schmerzhafte Situation entstanden ist. Dafür entschuldige ich mich.» Der Medienbericht habe Missverständnisse aufgezeigt, die dann rasch geklärt werden konnten. Und er betont: «Es war zu keinem Zeitpunkt die Absicht, Frau Hunziker etwas vorzuenthalten.»

Trotz des Happy Ends: Was ist bei den Behörden der Stadt Luzern genau falsch gelaufen? Es sei noch zu früh für voreilige Schlüsse, schreibt Merki weiter. «Gemäss meinem heutigen Kenntnisstand hat die Kesb keine Fehler gemacht.» Aber er zeigt sich auch selbstkritisch: «Klar ist für mich, dass so etwas nicht wieder passieren darf. Ich werde mit allen Beteiligten eine Aussprache organisieren und den Ursachen auf den Grund gehen.» Das Problem sei vermutlich, dass mehr als eine Behörde in diesem Fall beteiligt gewesen sei. «Sobald mehr als eine Behörde in einem Fall beteiligt ist, müssen die interne Kommunikation einfach und verständlich und die Abläufe allen Beteiligten klar sein. Ich will, dass solche Vorfälle in Zukunft vermieden werden.»

Merki erklärt ausserdem, dass die Kesb inzwischen einen Beistand für Nelly Hunziker gefunden habe.

Fotoalben ins Heim mitgenommen

Der gestrige Tag war für Nelly Hunziker sehr turbulent. «Ihr war es sehr wichtig, wieder in ihrer Wohnung sein zu können. Das hat bei ihr sichtlich für Entspannung gesorgt», sagt Hürlimann vom Betagtenzentrum. Dass der Fall öffentlich wurde, habe die Seniorin jedoch aufgewühlt. «Sie ist dadurch auch ein bisschen erschöpft», erzählt Hürlimann. «Aber sie ist sehr dankbar für den Zeitungsbericht, der ihr geholfen hat, wieder in ihre Wohnung zu gelangen.»

Und mit welchen lieb gewonnen Gegenständen ist Nelly Hunziker wieder in ihr Zimmer im Betagtenzentrum zurückgekehrt? «Sie hat vor allem persönliche Erinnerungsstücke wie Fotoalben mitgenommen. Zudem hat sie noch einige Kleider eingepackt», sagt Hürlimann. Das war es auch, was die 88-Jährige am meisten vermisste. «­Meine Fotoalben bei mir zu haben, das wäre schon schön», sagte sie gegenüber unserer Zeitung.

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