STADT: Neubad: Balanceakt mit knappen Finanzen

Die Zwischennutzung im ehemaligen Hallenbad Biregg finanziert sich ohne Unterstützung der öffentlichen Hand. Darauf sind die Betreiber stolz. Allerdings bedrohen anstehende Investitionen den Betrieb akut.

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Darauf ist man im Neubad stolz: Der Betrieb ist erfolgreich und finanziert sich selber. Kopfzerbrechen bereitet hingegen der Zustand des Gebäudes mit hohen anfallenden Kosten. (Bild: Philipp Schmidli)

Darauf ist man im Neubad stolz: Der Betrieb ist erfolgreich und finanziert sich selber. Kopfzerbrechen bereitet hingegen der Zustand des Gebäudes mit hohen anfallenden Kosten. (Bild: Philipp Schmidli)

Zunächst zeigen sich die Neubad-Macher an der Medienorientierung vom Mittwoch stolz auf das Geleistete: Die seit 2013 bestehende Zwischennutzung, die auf mindestens vier Jahre ausgelegt ist, finanziert sich komplett aus Einnahmen und Spenden. Der laufende Betrieb könne mit dem bestehenden Konzept sichergestellt werden. Kopfzerbrechen bereiten im Neubad aber ungeplante Ausgaben.

Selbstfinanziert, aber nichts auf der hohen Kante

Bei Projekteingabe sei man insgesamt von rund 150'000 Franken aus Drittmitteln ausgegangen, heisst es weiter, um die Zwischennutzung zu stemmen. Dabei wären aber keine hohen Kosten für Sicherheitsvorkehrungen erwartet worden. Brandschutz und Bau kosteten rund 300'000 Franken, die das Projekt akut gefährden: Wegen mangelnder Liquidität seit Abschluss bereits geleisteter Bauarbeiten sei der finanzielle Spielraum massiv eingeschränkt. So wäre die Zwischennutzung nun jedes Mal akut gefährdet, wenn unvorhergesehene Kosten anfallen oder eingeplante Einnahmen ausfallen würden.

Heizkessel ausgefallen, Pläne unauffindbar

Aufgrund des «miserablen» Zustands des Gebäudes wird aber von bald anfallenden Mehrkosten ausgegangen. Gerade habe ein Heizkessel den Geist aufgegeben, weiter seien Pläne nicht auffindbar und Storen kaputt.

Zum Grund für die mangelnde Liquidität des Neubads heisst es im Communiqué weiter, dass man für 2015 von Einnahmen aus dem Lotteriefonds ausgegangen sei, die «völlig unerwartet» aber doch nicht gesprochen worden seien. Seitens der öffentlichen Hand rechne man auch weiterhin nicht mit Unterstützung. Das Einvernehmen mit der Stadt Luzern als Verleiherin sei aber gut, wird betont.

Einige Sätze des Communiqués lesen sich schon fast wie ein Schlussstrich der Betreiber: «Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten aus dieser Zwischennutzung Lehren ziehen und diese Erfahrung in künftige Projekte und Ausschreibungen einfliessen lassen.» So könne schliesslich nicht nur die Stadt, sondern die ganze Bevölkerung Luzerns von der Arbeit der Betreiber profitieren.

Mit der grossen Werbetrommel gegen das Aus

Geschlagen gibt man sich an der Bireggstrasse aber nicht: Mit einem Spendenaufruf soll die finanzielle Pleite abgewendet werden. Bisher seien rund 100 neue Mitgliedschaften angemeldet und 40 neue Gönner gefunden worden. Des weiteren habe man das Fundraising intensiviert. Man sei inzwischen auch offen für kommerzielle Sponsorings.

Erstmals würden auch gezielt mögliche Mäzenen bewirtschaftet. Schliesslich sei man auf privates Geld angewiesen, um zu überleben.

Zum guten Schluss verbünden sich auch andere Veranstalter mit dem Neubad: Das Konzerthaus Schüür stellt ihre Räumlichkeiten am 6. Februar für eine Benefizparty zur Verfügung. Das Musikzentrum Sedel sagt an diesem Tag seine geplante Veranstaltung dafür extra ab.

pd/uus

Neubad: Eckdaten zur Zwischennutzung

pd. Gleichzeitig zur Medienorientierung veröffentichten die Neubad-Betreiber Eckdaten zum Betrieb der Zwischennutzung für 2014. Einige Kennzahlen:

Besucher: 50’000

Umsatz: 1.1 Millionen Franken

Mitarbeiter: 25 mit insgesamt 1400 Stellenprozenten, hoher Anteil an Freiwilligenarbeit

Verein Netzwerk Neubad: 500 Mitglieder, 100 Gönner

Anteil Drittmittel: 15 bis 17,5 Prozent durch Private

Bis anhin generierte Drittmittel: 575'000 Franken