STADT-QUARTIERE: Mehr Geld für Reussbühl

Potenziale nutzen statt Probleme beseitigen – das ist die neue Strategie des Stadtrats in der Quartierentwicklung. Dafür will er auch zwei neue Stellen schaffen.

Drucken
Teilen
Das Gebiet Fluhmühle muss laut der Stadt dringend aufgewertet werden. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 23. Mai 2017))

Das Gebiet Fluhmühle muss laut der Stadt dringend aufgewertet werden. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 23. Mai 2017))

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Es fällt auf durch einen hohen Ausländeranteil und viele Empfänger von Sozialhilfe: das Gebiet zwischen Kasernen- und Seetalplatz. Seit Generationen siedelten sich an der Hauptstrasse nach Emmen Industriemitarbeiter und Handwerker, vor allem aber Fremdarbeiter an.



Seit einigen Jahren arbeitet die Stadt Luzern bereits daran, die Quartiere attraktiver zu machen. Die Arbeit ist aber noch lange nicht abgeschlossen, deshalb soll sie nun zur Daueraufgabe erklärt werden. Im Fokus stehen dabei die Quartiere Basel-/Bernstrasse, Udelboden und Reussbühl. Die Stadt bezeichnet dies als Quartierentwicklung Reussbogen. Dafür beantragt der Stadtrat beim Parlament einen jährlichen Kredit von 380 000 Franken sowie die Genehmigung von einmaligen Kosten in der Höhe von 485 000 Franken. Folgende Massnahmen sollen mit dem Geld realisiert werden:

 

  • Die Quartierentwicklung von Basel-/Bernstrasse, Fluhmühle-Lindenstrasse wird bis Reussbühl ausgedehnt. Sie wird neu zur Daueraufgabe erklärt. Bisher wurden die Kredite alle drei Jahre gesprochen.
  • Die neue Plattform Reussbogen soll den Austausch unter den Quartierkräften fördern.
  • Es wird eine neue 60-Prozent-Stelle «Quartierentwicklung Reussbogen» mit einem Büro vor Ort geschaffen. Für die Stelle rechnet der Stadtrat mit jährlichen Kosten von 90 000 Franken, für die Büromiete sind 15 000 Franken geplant.
  • Im Gebiet Fluhmühle-Lindenstrasse wird ein Quartiertreffpunkt geschaffen.
  • Über die Entwicklung im Reussbogen wird zweimal ein Monitoring erstellt – im Abstand von jeweils rund vier Jahren
  • Eine Studie soll aufzeigen, wie das Gebiet Basel-/Bernstrasse attraktiver gestaltet werden kann. Dafür wird eine 30-Prozent-Stelle geschaffen, die auf fünf Jahre befristet ist. Kosten für die Stelle: 225 000 Franken. Hinzu kommen 160 000 Franken für die Studie und 60 000 Franken für den Bebauungsplan.

Die genannten Massnahmen beziehen sich auf das Gebiet zwischen Kasernen- und Seetalplatz.  Für die Stadt gibt es aber auch Quartiere mit spezifischen Entwicklungsgebieten – und diese sollen ebenfalls attraktiver werden. Dazu gehören Zürichstrasse, Tribschen, Neustadt, Hirschmatt/Kleinstadt und Bruchstrasse. Hier gibt es laut Bericht zu wenige attraktive Freiräume. Das Potenzial soll künftig besser genutzt werden, sei es durch die Erstellung von Pärken oder eine Umgestaltung bestehender Flächen.

In der Entwicklung der Quartiere vollzieht der Stadtrat grundsätzlich eine Neuorientierung. Bisher stand die Beseitigung von Defiziten im Vordergrund, etwa als die Probleme mit Drogen und Prostitution Ende der Neunzigerjahre im Bereich der Baselstrasse schlimmer wurden. Künftig will die Stadt nicht mehr auf Defizite reagieren müssen, sondern das Potenzial besser nutzen. Bei Arealentwicklungen sollen die jeweiligen Möglichkeiten für ein Quartier schon in einem frühen Stadium erkannt und gesichert werden. In diese langfristige Planung werde auch die Bevölkerung frühzeitig einbezogen, versprach Stadträtin Manuela Jost gestern an einer Medienkonferenz. Dieser kooperative Prozess könne zwar die Planungsphase verlängern, gestand Jost ein: «Wenn man dafür aber eine tragfähige Lösung findet, spart man nachher viel Zeit.»

Der Bericht und Antrag des Stadtrats wird am 29. Juni vom Parlament beraten. Läuft alles nach Plan, werden die neuen Stellen nächstes Jahr besetzt.

Die Baselstrasse in der Stadt Luzern. (Bild: Dominik Wunderli)

Die Baselstrasse in der Stadt Luzern. (Bild: Dominik Wunderli)