STADTBIBLIOTHEK: Gibt es Bibliotheksbücher bald im Abo?

Die Ausleihe von Büchern, CDs und DVDs ist immer weniger gefragt. Nun soll ein neues Tarifmodell die finanziellen Verluste aufhalten.

Simon Bordier
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Im Bild ist Bibliotheksleiter Josef Birrer in der Stadtbibliothek Luzern. (Bild: Roger Grütter/ Neue LZ)

Im Bild ist Bibliotheksleiter Josef Birrer in der Stadtbibliothek Luzern. (Bild: Roger Grütter/ Neue LZ)

Die Ausleihzahlen in der Stadtbibliothek Luzern zeigen seit einigen Jahren nur noch in eine Richtung: abwärts. Wurden 2011 noch 358 000 Bücher ausgeliehen, werden es dieses Jahr gemäss Prognose nur noch 280 000 sein (siehe Tabelle). Vom Abwärtstrend sind aber nicht nur Bücher betroffen. «Auch die Zahlen bei CDs und DVDs sind stark rückläufig», sagt Bibliotheksleiter Josef Birrer. Gleichzeitig werden E-Books und andere elektronische Medien immer beliebter. Diese kann man seit Juni 2013 auf der Digitalen Plattform Zentralschweiz (www.dibizentral.ch) per Mausklick ausleihen.

Die Zahl der Downloads auf der Internetseite, die gemeinsam von 40 Zentralschweizer Bibliotheken betrieben wird, dürfte von 170 000 im letzten Jahr auf rund 250 000 in diesem Jahr steigen, erklärt Birrer.

Gratis-Download boomt

So erfreulich die Zahlen im digitalen Bereich auch sind – finanziell profitieren die Bibliotheken nicht davon. Denn anders als bei physischen Medien werden für die Downloads keine Gebühren verlangt. «Es ist momentan technisch schlicht nicht möglich, für E-Medien Gebühren zu erheben», sagt Birrer. In der Anfangsphase wolle man die Plattform aber ohnehin attraktiv halten. «Dazu gehört, dass man gratis aus dem Angebot von rund 40 000 Titeln wählen kann.»

Mit der zunehmenden Bedeutung der Plattform und dem gleichzeitigen Rückgang bei den herkömmlichen Ausleihen gelte es, die Finanzierung aber grundsätzlich zu hinterfragen, so Birrer: «Der Bibliotheksverband Region Luzern wird in absehbarer Zeit sein Gebührenmodell überarbeiten.» Dem Verband gehören neben der Stadtbibliothek und der Bibliothek Ruopigen auch die Bibliotheken von Adligenswil, Emmen, Horw, Kriens, Meggen und Vitznau an. Wer an einer dieser Gemeindebibliotheken eingeschrieben ist, kann alle anderen Bibliotheken mitbenützen. Der Bibliotheksausweis ist gratis erhältlich, dafür zahlt man für jedes ausgeliehene Buch 2 Franken, für Bestseller 3 Franken. Einzig Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre sowie Studierende bis 25 Jahre dürfen Bücher (ausser Bestseller) gratis ausleihen. CDs und DVDs kosten für alle Benutzer 2 Franken pro Ausleihe.

In Biel kostets 70 Franken pro Jahr

Wohin die Entwicklung gehen könnte, zeigt ein Vergleich mit anderen Städten. In Biel etwa sind Jahresabonnemente üblich: Ein solches kostet für Erwachsene 70 Franken, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist es gratis. Mit dem Abo dürfen alle Medien der Bibliotheken gratis ausgeliehen werden. Im Erwachsenenabo ist zudem das Angebot der digitalen Bibliothek «DibiBe», dem Berner Pendent zu DibiZentral, inbegriffen. «Das digitale Angebot wurde seinerzeit in das Jahresabo aufgenommen, ohne die Preise zu erhöhen», erklärt Bibliothekarin Britta Hüppe.

Download kostet zusätzlich

Auch Winterthur kennt Jahresabos für die gemeindeeigenen Bibliotheken. Ein Abo kostet für Erwachsene 50 Franken, für Familien 80 Franken; für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist es gratis. Nicht inbegriffen im Abo sind in Winterthur allerdings elektronische Medien. Das digitale Abo kostet zusätzlich zum Hauptabo 15 Franken, ohne Hauptabo 30 Franken. Sowohl in Biel als auch in Winterthur kann man auch ohne Jahresabo Medien ausleihen – für 5 Franken pro Stück. «Das lohnt sich wirklich nur in Einzelfällen», meint die Bieler Bibliothekarin Britta Hüppe, «die meisten Bibliotheksbenutzer besitzen ein Jahresabo.» Auch Hermann Romer, Leiter der Winterthurer Bibliotheken, sagt: «Der Anteil an Einzelausleihen ist im Vergleich zur Zahl der Jahresabonnenten minim.»

Basel: Einheimische bevorzugt

Während in Biel und Winterthur Einheimische wie Auswärtige von gleichen Tarifen profitieren, macht die Stadtbibliothek Basel diesbezüglich ­einen Unterschied: Erwachsene aus Basel und umliegenden Gemeinden zahlen für ein Standard-Jahresabo 50 Franken, Benutzer mit einem anderem Wohnsitz 65 Franken. Solche Einheimischentarife sind sonst eher in kleineren Gemeinden verbreitet. Der Städtevergleich zeigt, dass Jahresabos auch in St. Gallen (30 Franken für Erwachsene) und Bern (50 Franken) üblich sind, während in Zürich die Benutzung praktisch aller Bibliotheken gänzlich unentgeltlich ist.

Stadtbibliothek-Abo «prüfenswert»

Stadtbibliothek-Leiter Josef Birrer, der auch der Zentralstelle des Bibliothekverbands Region Luzern vorsteht, findet solche Bibliotheksabos «prüfenswert». Die Diskussion darüber stehe dem Verband aber erst noch bevor, daher könne er noch nichts Genaueres darüber sagen.

Bild: Quelle Stadt Luzern

Bild: Quelle Stadt Luzern