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Kolumne

Stadtentwicklung: Holzbau in der Stadt

Autor Dieter Geissbühler streicht in seinem Gastbeitrag zur Stadtentwicklung den Nutzen von Holz für den Bau hervor.
Dieter Geissbühler
Dieter Geissbühler (Bild: PD)

Dieter Geissbühler (Bild: PD)

Holzbau hat in der Schweiz und am nördlichen Alpenrand eine Tradition, die bis heute prägend ist – auch wenn man es nicht immer sieht, denn viele Fachwerkbauten wurden mit Verputz überformt und wirken wie Bauten in Stein oder in Backstein. Es ist einerseits die Tradition eines gepflegten, «normalen» Holzbaus, andererseits aber auch die des ingenieurtechnischen Holzbaus von aufwendigen Dachstühlen oder gar Brücken mit grossen Spannweiten. Die beiden Luzerner Holzbrücken spiegeln diese Dualität. Während die bekanntere Kapellbrücke eine ziemlich normale, gängige Holzkonstruktion ist, wie sie im Hausbau üblich war, ist die Spreuerbrücke, auch wenn der begehbare Teil ähnlich geformt ist, eine ingenieurtechnisch deutlich anspruchsvollere Konstruktion.

Trotz langer Tradition – wenn darüber gesprochen wird, dass in der heutigen CO2-geschwängerten Zeit auch in unseren Städten vermehrt mit Holz gebaut werden soll, kommt ein zwiespältiges Gefühl auf. Holzbauten scheinen fragil zu sein, das lehrt uns schon Joseph Jacobs’ Geschichte vom kleinen Schweinchen im Strohhaus, dem Geschwister im Holzhaus und dem im Backsteinhaus, die der Wolf heimsucht: «Ich werde strampeln und trampeln, ich werde husten und prusten und dir dein Haus zusammenpusten.» In der Geschichte überlebt nur das Haus aus Backstein. Die drei Schweinchen wohnen nun alle darin, etwas enger beieinander. Und dann sind da auch die Erzählungen aus dem Geschichtsunterricht von den unzähligen Stadt- und Dorfbränden und der daraus abgeleiteten Vorgaben, in dicht bebauten Siedlungen nur noch «steinerne» Bauten zu erstellen.

Wenn wir nun aber nachhaltig bauen und den ökologischen Fussabdruck – der sich hauptsächlich am CO2-Verbrauch misst – verringern wollen, so wird jedoch Holz zum Baumaterial der Massen werden müssen, auch in den Städten. Dies umso mehr, als es gelungen ist, das Brandschutzproblem weitgehend zu lösen: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der in sich das CO2 fest gebunden hat. Holz bedeutet aber nicht «ausschliesslich Holz». Bauen mit Holz war schon immer hybrid, es wurden verschiedene Materialien verwendet, auch wenn selbst Architekten das heute auszublenden scheinen. Holz steht nun mal nicht gerne und lange auf feuchtem Untergrund, da muss ein anderes, feuchtebeständiges Material zwischengeschaltet werden. Auch für die Zukunft braucht es materialoptimierte hybride Bauwerke.

Wenn wir die CO2-Bilanz tatsächlich ernst nehmen, wird das Verhältnis von Leistungsfähigkeit und CO2-Verbrauch von Materialien im gesamten Lebenszyklus massgebend, und der fängt schon bei der Herkunft der Materialien an. Hier kommt eine andere wichtige Komponente dem Holzbau zugute: Das Material ist in nächster Umgebung in hohem Ausmass verfügbar ohne die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder zu gefährden.

Dieter Geissbühler ist Dozent am Kompetenzzentrum Typologie und Planung in Architektur der Hochschule Luzern. Einmal im Monat äussern sich Professoren des Departements zu städtebaulichen Themen. Ihre Ansichten müssen nicht jener der Redaktion entsprechen.

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