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Stadt Luzern soll «Dorfplätze» erhalten

Bis 2035 soll die Einwohnerzahl in Luzern von 82'000 auf 96'000 steigen. Damit der Verkehr nicht ähnlich stark zunimmt, will der Stadtrat neue Treffpunkte in den Quartieren schaffen. Dafür ist aber viel Vermittlungsarbeit nötig.
Stefan Dähler
Die Quartierzentren, wie sie im Raumentwicklungskonzept stehen. (Bild: LZ)

Die Quartierzentren, wie sie im Raumentwicklungskonzept stehen. (Bild: LZ)

«Funktionierende Quartiere sind die Basis für eine lebendige Stadt», sagt Baudirektorin Ma­nuela Jost (GLP). Anlass zu dieser Aussage ist das neue Raumentwicklungskonzept, das die Stadt Luzern derzeit erarbeitet. «Dabei richten wir den Fokus auf die Quartierzentren. Dies mit dem Ziel, dass Luzern eine Stadt der kurzen Wege sein soll.» Die Idee dahinter ist einfach: Wer im Quartier einkaufen kann oder ein Vereinslokal vorfindet, muss für diese Zwecke keine längeren Wege zurücklegen.

Diese Überlegung geschieht auch vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung der Stadt Luzern gemäss Szenarien von Bund und Kanton bis 2035 von 82'000 auf 96'000 ansteigen soll. Folglich dürfte auch der Verkehr zunehmen – aber weniger stark wie die Einwohnerzahl, so das Ziel des Stadtrats. Er erarbeitet daher parallel zum Raumentwicklungskonzept die Mobilitätsstrategie 2018–2021. Details dazu werden noch nicht bekannt gegeben. Klar ist aber: «Wir wollen weiterhin flächeneffiziente Mobilität fördern, also ÖV, Fuss- und Velo­verkehr», sagt Stadtrat Adrian Borgula (Grüne), dessen Funktionsbezeichnung neu «Mobilitätsdirektor» lautet.

Die Mobilitätsstrategie und das Raumentwicklungskonzept werden am 28. Juni im Grossen Stadtrat behandelt – gemeinsam mit dem Gegenvorschlag zur Initiative für eine Aufwertung der Innenstadt, welche die Wiederaufnahme der Planungen für das Parkhaus Musegg fordert.

Nur drei Quartierzentren schneiden gut ab

Zurück zu den Quartierzentren: Wie steht es heute um diese? Die Stadt hat eine Bestandesaufnahme vorgenommen und 19 bestehende und mögliche Zentren ausgemacht (siehe Grafik). Das Resultat: Nur drei davon funktionieren derzeit ideal. Eines davon befindet sich bei der Siedlung Geissenstein an der Dorfstrasse. «Die Parkplätze wurden unter die Erde verlegt, es gibt Freiräume sowie einen Dorfplatz mit Laden», sagt Sarah Grossenbacher, stellvertretende Leiterin Stadtplanung. Zehn weitere Standorte hätten Zentrumscharakter, würden aber noch Defizite aufweisen. Ein Beispiel sei das Ruopigenzentrum, wo es zwar ein breites Ladenangebot und einen autofreien Platz gibt, die Aufenthaltsqualität und das optische Erscheinungsbild seien aber noch ausbaufähig.

An sechs Standorten will die Stadt neue Zentren entwickeln, wobei aufgrund der dort geplanten Bauprojekte vorerst die Gebiete St. Michael, Reussbühl und Steghof Priorität haben, so Grossenbacher. Um das Ziel zu erreichen, geht die Stadt aktiv auf Grundeigentümer, Quartiervereine, Altersorganisationen oder Schulvertreter zu. In «partizipativen Prozessen» gehe es darum, herauszufinden, welche Bedürfnisse bestehen – etwa hinsichtlich Vereinsräumen oder Schulwegen. Das ist nicht immer einfach, wie etwa das Beispiel Reussbühl zeigt. Dort soll gleich neben der CKW-Shedhalle ein Quartierzentrum entstehen. Weiter ist geplant, dass die Shedhalle öffentlich genutzt werden kann (Ausgabe vom 26. Januar 2016). Die Verhandlungen mit den CKW ziehen sich jedoch in die Länge, ein Nutzungskonzept lässt nach wie vor auf sich warten.

Im Raumentwicklungskonzept geht es aber nicht nur um Quartierzentren und Mobilität, sondern auch um verdichtetes Bauen. Das Konzept bildet die Grundlage für die Zusammenführung der Bau- und Zonenordnungen (BZO) des alten Stadtgebiets und von Littau. Der Prozess soll 2022 abgeschlossen sein. Diese gemeinsame BZO schaffe die Voraussetzung für ein Wachstum auf 96 000 Einwohner, so Manuela Jost. Die heutige BZO lasse bloss eine Kapazität von maximal 93 000 Bewohnern zu. «Potenzial für weiteres Wachstum besteht vor allem in Littau», sagt Jost. Dort sollen rund zwei Drittel der neuen Wohnungen entstehen. «Neues Land wird aber nicht eingezont.» Das Wachstum soll durch Verdichtung erreicht werden.

Hinweis: Das Raumentwicklungskonzept liegt ab 8. Januar zur öffentlichen Mitwirkung auf. Ausserdem organisiert die Stadt Gesprächsrunden. Infos: rek.stadtluzern.ch

Positives Beispiel für ein Quartierzentrum: Dorfstrasse im Gebiet Geissenstein mit öffentlichem Platz, ­Tempo-20-Zone und Einkaufsmöglichkeit. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 5. Januar 2018)

Positives Beispiel für ein Quartierzentrum: Dorfstrasse im Gebiet Geissenstein mit öffentlichem Platz, ­Tempo-20-Zone und Einkaufsmöglichkeit. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 5. Januar 2018)

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