STADTKELLER: Mode und Schuhe schon ab dem 14. Januar

Rüüdige Idee: Beizer Alois Keiser wirft seine Pläne über den Haufen und dekoriert den Stadtkeller an der Fasnacht als Kleiderladen.

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Steuert an der Fasnacht das «Modeschiff Stadtkeller»: Wirt und «Kapitän» Alois Keiser. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Steuert an der Fasnacht das «Modeschiff Stadtkeller»: Wirt und «Kapitän» Alois Keiser. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Der Mann hat einen rüüdigen Sinn für Humor. Alois Keiser, Wirt und Geschäftsführer im Luzerner «Stadtkeller», hat seine Fasnachtspläne kurzerhand über Bord geworfen. Dies angesichts der aktuellen Ereignisse rund um den geplanten Verkauf des Gebäudes, in dem die Traditionsbeiz eingemietet ist (siehe Kasten). Das neue Motto lautet «Modeschiff Stadtkeller ahoi!» – auf die Schnelle wurde das fasnächtliche Dekorationskonzept also der Aktualität angepasst. Kleider und Schuhe gibts in der Beiz schon ab dem 14. Januar, rechtzeitig zu Beginn der Vorfasnachtsanlässe. In den drei Tagen zuvor bleibt der «Stadtchöbu» wegen der Deko-Arbeiten geschlossen.

Seit unsere Zeitung aufgedeckt hat, dass die «Stadtkeller»-Liegenschaft als Modegeschäft zur Miete angeboten wird, vergeht kaum ein Tag, ohne dass Keiser darauf angesprochen wird. «Wir haben eine enorm grosse Sympathiewelle gespürt», so der Geschäftsführer, «es gab sogar Leute, die eine Demo organisieren wollten.» Man plädiere jedoch eher für Zurückhaltung. Die Diskussionen um die Zukunft des Betriebs nehme man «sportlich», so Keiser.

Schaufensterpuppen
Vor allem die Stammgäste waren es, die Alois Keiser letztlich zum neuen Fasnachtskonzept bewogen haben. «Mach einen Modeladen daraus!», hiess es immer wieder. Konkret ist Folgendes geplant: Aus dem Restaurant wird ein Hauptdeck. Unter glitzernd grünen Palmenblättern und Bullaugen tragen Schaufensterpuppen Mode zur Schau. Mode-Utensilien, Prozent- und Ausverkauf-Schilder gibts auch in der «Underdeck Factory Bar» im Saal. Aus der Artistenbar wird ein Schuhgeschäft, mit Schuhregal über der Bartheke, plus Schuhschachteln, Preisschilder usw.

«Mit Augenzwinkern»
Dass die Fasnachtspläne just zum heutigen «offiziellen» Fasnachtsbeginn, dem 11. 11., bekannt werden, kommt «Stadtkeller»-Wirt Keiser gerade recht. Denn: «Wir machen das Ganze natürlich mit einem Augenzwinkern.» Man wisse derzeit nicht, ob ein «Modeschiff» überhaupt je anlegen werde. Oder anders formuliert: «Vielleicht können wir ja mit unserem Fasnachtsschiff einen Anker werfen, um zu verhindern, dass die Musik- und Fasnachtsbeiz untergeht», sagt ein schmunzelnder Alois Keiser.

An den rüüdigen Tagen ist jeweils «Hightime» am Sternenplatz: Über 50 Guuggenmusigen und Kleinformationen stehen dann auf der «Stadtkeller»-Bühne. In die Dekoration werden jeweils rund 10 000 Franken investiert.

Zwei Partner an Bord
Dem «Stadtkeller»-Geschäftsführer ist es ein Anliegen, dass die Nachbarschaft die Pläne mitträgt. Die Cityvereinigung ist informiert – und Alois Keiser hat auch zwei Partner an Bord des Modeschiffs geholt: Das Warenhaus Manor und das Schuhhaus Imgrüth. «Der Stadtkeller ist eine Fasnachtsbeiz, dementsprechend erachte ich Keisers Pläne als völlig problemlos. Wir probieren nun miteinander etwas aus, was genau, das ist noch offen», so Manor-Direktor Mario Tomaschett. Das Schuhgeschäft Imgrüth wird bei der Dekoration der Artistenbar mithelfen. Mitinhaber Matthias Imgrüth: «Grundsätzlich fänden wir es sehr schade, wenn dieses traditionelle Lokal verschwinden würde. Darum unterstützen wir diese lustige Idee, in der Hoffnung, dass sie nicht falsch verstanden wird.»

Bleibt noch die Frage, was die Moggetätscher aus der ganzen Geschichte machen. Die Gruppe zeigt an den Fasnachtstagen jeweils ihr Theater auf dem «Stadtkeller»-Dach. Moggetätscher-Präsident Marino Malagoli lässt sich noch nicht in die Karten blicken: «Ob Hudle, Schlarpe oder Huet – die Luzerner Fasnacht zeigt so oder so Jahr für Jahr die schönste Modeshow.»

Jérôme Martinu