Stadtluzerner Anlaufstelle Alter zieht positive Zwischenbilanz

Seit zwei Jahren führt die Stadt Luzern die Anlaufstelle Alter, in deren Rahmen das Projekt «Gutscheine für selbstbestimmtes Wohnen» lanciert wurde. 48 Gutscheine wurden bisher vergeben – und total 43'000 Franken ausgegeben.

Beatrice Vogel
Drucken
Teilen

Marlene Hunkeler* leidet an Parkinson. Die 83-Jährige lebt noch daheim, führt den Haushalt mehrheitlich selbständig. Doch finanziell muss sie sich einschränken, die AHV und eine bescheidene Rente reichen nicht für grössere Auslagen. Anspruch auf Ergänzungsleistungen hat Marlene Hunkeler nicht.

Um trotz ihrer Krankheit möglichst lang selbständig zu bleiben, besucht sie eine Tanztherapie für Parkinsonpatienten. Diese kann sie sich leisten, weil die Stadt Luzern die 280 Franken für die Therapie übernimmt – im Rahmen der «Gutscheine für selbstbestimmtes Wohnen». Diese werden seit Herbst 2018 in einem auf vier Jahre angelegten Pilotprojekt angeboten. Ausgestellt werden sie von der Anlaufstelle Alter, der Beratungs- und Triagestelle für ältere Menschen, welche die Stadt seit zwei Jahren führt. Nun zieht sie Zwischenbilanz.

Heimeintritt möglichst lange hinauszögern

Ziel sowohl der Anlaufstelle Alter wie auch der Gutscheine ist, einen unerwünschten Heimeintritt möglichst lange hinauszuzögern. Während Organisationen wie die Spitex oft erst eingeschaltet werden, wenn etwas passiert ist, geht die Anlaufstelle aktiv auf die betagte Stadtbevölkerung zu. «Dadurch können wir präventiv unterstützen und eingreifen, solange die Personen noch selbständig sind», sagt Eveline Schrag, Leiterin der Anlaufstelle Alter. Das können kleine Massnahmen sein, wie die Installation einer Absitzhilfe beim WC – und zwar bevor es zum Sturz kommt.

Seit Beginn des Pilotprojekts wurden 48 Gutscheine in Form von Kostengutschriften verteilt, total 43'100 Franken. Zu Verfügung stünden 150'000 Franken pro Jahr. Es sei davon auszugehen, dass die Anzahl Gutscheine noch steige, sagt Paolo Hendry, Leiter Abteilung Alter und Gesundheit. «Zunächst ging es darum, die Gutscheine bekanntzumachen und potenzielle Klienten anzuschreiben. Das verlief gestaffelt, weil die Beratungen Zeit brauchen.» Je etablierter die Anlaufstelle Alter werde, umso mehr Kunden werden sie beanspruchen.

Um das Angebot noch niederschwelliger zu gestalten, wird die Anlaufstelle im Herbst in die Räume des ehemaligen Kudi Müller Sport an der Winkelriedstrasse 14 einziehen. Vermehrt soll laut Hendry auch die Entlastung von pflegenden und betreuenden Angehörigen in den Fokus rücken.

«Geringe Beiträge mit grosser Wirkung»

Die gesprochenen Beträge bewegen sich zwischen 50 und 4700 Franken. Fast die Hälfte liegt unter 500 Franken. «Am richtigen Ort eingesetzt können auch geringe Beträge eine grosse Wirkung haben», sagt Sozialdirektor Martin Merki (FDP). Der Vorteil der Gutscheine sei, dass sie individuell, unbürokratisch und schnell eingesetzt werden können. Begleitet wird das Pilotprojekt von Interface Politikstudien Luzern. Deren Zwischenbilanz fällt positiv aus: Das Gutschein-Konzept sei geeignet, um einen Beitrag für selbstbestimmtes Wohnen zu leisten.

Gemäss den Erhebungen wurden total 326 Beratungen durchgeführt, was zeigt, dass die Anlaufstelle Alter auch unabhängig von den Gutscheinen wichtige Arbeit leistet. In den Beratungen werden etwa Leistungen anderer Anbieter vermittelt und Finanzierungsmöglichkeiten aufgezeigt. «Wir haben einen direkten Kontakt zur älteren Bevölkerung und können viel besser spüren, was deren Bedürfnisse sind», so Merki. Seit der Auslagerung der städtischen Heime sei dieser Kontakt ein wenig verloren gegangen.

Hilfe im Haushalt und bei der Administration

Die Gutschein-Bezüger leben mehrheitlich in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen. Mehr als die Hälfte hat keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen – teils ist das Einkommen nur knapp über der erforderlichen Grenze. Viele haben eine eingeschränkte Mobilität, manche brauchen Hilfe bei administrativen Tätigkeiten oder im Haushalt. Die Beträge werden denn auch oft für Unterstützung im Haushalt, Verbesserung der Wohninfrastruktur sowie zur sozialen Vernetzung eingesetzt. Eveline Schrag:

«Oft geht es um Lebensqualität, damit sich die Personen in den eigenen vier Wänden und in ihrer Lebenssituation wohl fühlen.»

In den nächsten zwei Jahren werden weitere Erfahrungen gesammelt. Voraussichtlich Ende 2021 wird das Parlament entscheiden, ob die Gutscheine definitiv eingeführt werden.

*Name geändert.

Mehr zum Thema