Stadtluzerner Kunstprojekt wollte auf Grenzen und Verbundenheit hinweisen – Polizei löst die unbewilligte Aktion auf

Eine Aktion des Künstlers Remo Wiegand hätte den Nord- und Südpol in Luzern mit einem blauen Band verbunden. Sie wurde um 1 Uhr nachts gestartet – und dann mangels Bewilligung von der Polizei aufgelöst.

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(fmü/lil) Ein blaues Band schlängelt sich durch die Stadt Luzern – genauer gesagt vom Kulturort Südpol bis zur Sommerbar Nordpol. Es durchzieht Häuser- und Ladenzeilen, Flaniermeilen, Altstadtplätze oder das Reussufer. Es hängt an Schildern, Laternen, Bäumen und überwindet auf dem Boden klebend Strassenübergänge.

Oder zumindest wäre das der Plan gewesen. Die Aktion wurde nämlich von der Luzerner Polizei angehalten. Die Bänder wurden wieder eingerollt.

Nach etwa einer Stunde war bereits wieder Schluss und das blaue Band wurde eingerollt.

Nach etwa einer Stunde war bereits wieder Schluss und das blaue Band wurde eingerollt.

Bild: Remo Wiegand

Für die Aktion «Das blaue Land» verantwortlich ist der Luzerner Künstler Remo Wiegand. Geplant habe er diese schon vor der Coronakrise, nun schien ihm der richtige Zeitpunkt, um sein Projekt durchzuführen. «Das rund sieben Kilometer lange blaue Band steht für die Verbundenheit der Menschen, die in der Coronakrise spürbar geworden ist», sagt Wiegand auf Anfrage – noch bevor klar war, dass die Aktion doch nicht stattfinden würde. Zugleich markiere es eine Grenze, da die Krise die Bewegungs- und Begegnungsfreiheit der Menschen einschränkt. Und warum verbindet das Band die beiden Punkte? «Der Nord- und Südpol sind zwei spannende Orte und zeigen die Vielfältigkeit der Menschen», sagt Wiegand. Gleichzeitig symbolisieren die beiden Pole die weltumspannende Solidarität. Die beiden Institutionen selber seien jedoch nicht in die Aktion involviert gewesen.

Die Aktion lancierte Remo Wiegand und sein Team um 1 Uhr in der Nacht auf Pfingstmontag. Eine Dreier- und eine Vierergruppe starteten beim Süd- beziehungsweise Nordpol und rollten das Band der geplanten Route entlang:

Bild: Google Maps

«Heikel war es besonders bei Strassenübergängen. Wir haben das Band aber auf den Boden geklebt, um den Verkehr nicht zu behindern», so Wiegand. Die Aktion befolge auch die Regeln und Empfehlungen des Bundes. Der Plan wäre gewesen, das Band am Montagabend um 19 Uhr wieder einzusammeln und zu entsorgen.

Aber so weit sollte es nicht kommen: Das blaue Band wurde nach rund einer Stunde von der Polizei angehalten. Zunächst auf der Nordpol-, dann mit grösserem Aufgebot an der Südpolseite, wie Remo Wiegand unserer Zeitung am Tag danach mitteilt. «Nach kurzer Diskussion mit überwiegend freundlichen Polizisten war klar, dass die Aktion mangels Bewilligung nicht fortgesetzt werden kann», schreibt er. Die Bänder wurden wieder eingerollt:

«Es war eine schöne und spannende Nacht, leider ohne Happy End.»
So hätte es ausgesehen. Ein Abschnitt des blauen Bandes, wie es immerhin kurz bestand.

So hätte es ausgesehen. Ein Abschnitt des blauen Bandes, wie es immerhin kurz bestand.

Bild: Remo Wiegand