Stadtparlament
Stadt Luzern: Jetzt kommt das «genossenschaftliche Wohneigentum»

Wer in einer Genossenschaftswohnung lebt, tut dies normalerweise als Mieter. Doch die Stadt Luzern will nun auch den Verkauf von gemeinnützigen Wohnungen fördern.

Robert Knobel
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Die Liberale Baugenossenschaft Luzern (LBG) sorgt an der Industriestrasse für eine Premiere: Erstmals sollen Genossenschaftswohnungen nicht vermietet, sondern verkauft werden. Das Modell «Genossenschaftliches Wohneigentum» soll in der Stadt Luzern künftig vermehrt angewendet werden – zum Beispiel bei städtischen Arealen, die im Baurecht an Genossenschaften abgegeben werden. Dort soll künftig eine Wohneigentumsquote möglich sein. Das hat das Stadtparlament mit der Überweisung eines Postulats von FDP, CVP und GLP angeregt.

Auf dem Areal Industriestrasse soll unter anderem genossenschaftliches Wohneigentum entstehen.

Auf dem Areal Industriestrasse soll unter anderem genossenschaftliches Wohneigentum entstehen.

Dominik Wunderli (Luzern, 2. September 2020)

Genossenschaftliches Wohneigentum funktioniert so: Die Baugenossenschaft verkauft eine Wohnung zu einem moderaten Preis. Der Besitzer oder die Besitzerin kann die Wohnung später aber nicht einfach mit Gewinn weiter verkaufen, sondern muss sie an die Genossenschaft zurückgeben. Die Genossenschaft schreibt die Wohnung dann erneut zum Verkauf aus. Sie ist also langfristig bei sämtlichen Handänderungen mit von der Partie und kann so die Verkaufspreise bestimmen. Damit ist die Wohnung einer allfälligen Spekulation entzogen.

Für Grossstadtrat Marc Lustenberger (FDP) lassen sich so die Prinzipien des gemeinnützigen Wohnungsbaus mit dem Bedürfnis nach Wohneigentum ideal verbinden. Damit rücke Wohneigentum auch für diejenigen Menschen in Reichweite, die wegen der hohen Preise bisher davon ausgeschlossen waren.

Linke halten das Modell für wenig sozial

Während die Bürgerlichen also von einem sozialen Modell sprechen, ist für viele Linke genau das Gegenteil der Fall. «Für Wohneigentum braucht man nun einmal Eigenkapital – etwas, was der alleinerziehende Papi eben genau nicht hat», sagte Nico van der Heiden (SP). Die Gefahr sei gross, dass am Ende diejenigen vom genossenschaftlichen Wohneigentum profitieren, die sich ebenso gut eine Wohnung auf dem freien Markt kaufen könnten. Allerdings musste van der Heiden einräumen, dass auch bei herkömmlichen Genossenschaftsmietwohnungen längst nicht nur sozial Benachteiligte profitieren. So kosten etwa die neuen ABL-Wohnungen in der Siedlung Himmelrich bis zu 3000 Franken netto pro Monat.

Während das «flexible Wohneigentum» in der Stadt Luzern ein Novum ist, gibt es auf der Landschaft bereits Beispiele dafür. In Neuenkirch verkauft die katholische Kirchgemeinde zurzeit Eigentumswohnungen in der neuen Überbauung Haldenrain. Die Kirchgemeinde ist zwar keine Baugenossenschaft, sichert sich aber jeweils ein Rückkaufsrecht. Damit kann sie auch längerfristig mitbestimmen, an wen und zu welchem Preis die Wohnungen weiterverkauft werden.

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