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STADTPRÄSIDENT: Beat Züsli: «Show ist nicht so mein Ding»

Stefan Roth hat am Donnerstag das Stadt­präsidium offiziell an Beat Züsli übergeben. Er hat seinem Nachfolger auch einen Rat mit auf den Weg gegeben.
Hugo Bischof
Stadtpräsident Beat Züsli in seinem neuen Büro im Stadthaus. Noch hatte er keine Zeit, sich einzurichten. (Bild Pius Amrein)

Stadtpräsident Beat Züsli in seinem neuen Büro im Stadthaus. Noch hatte er keine Zeit, sich einzurichten. (Bild Pius Amrein)

Hugo Bischof

Amtsübergabe war am Donnerstag um 8.15 Uhr. Ein schlichter Anlass: Vorgänger Stefan Roth reichte Beat Züsli im Eingangsportal zum Stadthaus die Hand, man wechselte ein paar Worte. Das Treffen war nur kurz. Sowohl Züsli als auch Roth hatten reich gefüllte Agenden und mussten rasch weiter zur nächsten Sitzung. Am Nachmittag dann hatte Beat Züsli schon seinen ersten öffentlichen Auftritt als Stadtpräsident – in der ersten Versammlung des neuen Stadtparlaments.

Zuvor hatten wir Gelegenheit, uns mit Beat Züsli kurz über seine Pläne und Visionen für sein neues Amt zu unterhalten. Wie wird er es angehen? Wie zugänglich wird er für die Stadtluzerner sein? Und: Wie wird sich der SP-Politiker Züsli von seinem Vorgänger Stefan Roth (CVP) unterscheiden? «Mir geht es nicht darum, mich von meinem Vorgänger abzugrenzen», stellt Züsli sofort klar. «Ob es Unterschiede gibt, müssen die Stadtluzerner selber entscheiden.»

«Authentisch bleiben»

Was gibt Stefan Roth seinem Nachfolger mit auf den Weg? «Wichtig ist, dass er authentisch bleibt», sagt Roth. «Stadtpräsident muss man mit Herzblut und Engagement sein. Die Leute spüren, ob man dieses Amt gerne ausübt.» Man müsse auch «Freude haben, die Stadt Luzern zu repräsentieren».

Wichtig sei ihm «eine grosse Offenheit für die Anliegen der ganzen Bevölkerung», bestätigt Beat Züsli. «Ich will für alle Leute da sein und in möglichst vielen Bevölkerungsgruppen Präsenz zeigen.» Dass er nicht alle Anlässe besuchen kann, zu denen er eingeladen wird, ist ihm schon vor seinem Amtsantritt bewusst geworden. Seit seiner Wahl in den Stadtrat und ins Stadtpräsidium Anfang Juni war er bereits in die Koordination seiner künftigen Tätigkeit involviert: «Dabei habe ich schon so viele Einladungen erhalten, dass ich unmöglich überall zusagen kann.»

Lieber wenige Anlässe, dafür richtig

Anstatt möglichst viele Anlässe wolle er lieber nur einen besuchen, «diesen aber richtig», betont Züsli. «Das heisst: Ich nehme mir Zeit, bleibe bis zum Schluss, rede mit den Leuten.» Das müssten nicht immer die Veranstaltungen mit den meisten Teilnehmern sein. «Jeder Anlass kann wichtig sein», betont Züsli, «aber nicht überall muss ich präsent sein.»

Vor allem kulturell laufe derzeit sehr viel in der Stadt Luzern, sagt Züsli: «Lucerne Festival, Spielzeiteröffnung Luzerner Theater, Südpol.» Der neue Stadtpräsident betont: «Ich geniesse viele dieser Anlässe.» Aber auch hier gehe es darum, «Kontakte zu knüpfen und Anliegen entgegenzunehmen».

Essen mit Stadtoriginalen

Sein Vorgänger Stefan Roth hat an Veranstaltungen ab und zu selber spektakuläre, ganz schön deftige Auftritte hingelegt, etwa als Finanzchef mit seinen tanzenden «Money Girls» beim Gnagi-Essen – und dafür Applaus geerntet. Wird es solche Einlagen auch von Beat Züsli geben? «Show ist nicht so mein Ding», räumt Züsli ein. Die Einladung der Güüggali-Zunft, die sich in Luzern um Randständige und Originale kümmert, zum diesjährigen Weihnachts­essen am 12. Dezember habe er aber sehr gerne angenommen, sagt Züsli.

Wie geht es unter dem neuen Stadtpräsidenten weiter mit dem Projekt Salle Modulable? Das am Luzerner Inseli geplante neue Theatergebäude erlebt zurzeit ein politisches Auf und Ab der besonderen Art – zunächst die Unterstützung durch das Luzerner Theater, dann die Ablehnung durch die vorberatende Kommission des Kantonsrats. Beat Züsli übernimmt dieses Dossier gleich von zwei zurücktretenden Stadträten – von Stefan Roth, den er als Stadtpräsident beerbt, und von Ursula Stämmer, deren Nachfolger als Bildungs- und Kulturdirektor er wird. Luzerns Stadtrat stellte das Projekt als «grosse Chance für Luzern» dar. «Daran werde ich festhalten», sagt Züsli. Dass er als Parlamentarier eine eher kritische Haltung vertrat, weiss Züsli: «Als Stadtrat spiele ich jetzt aber eine andere Rolle, da geht es auch um das Kollegialitätsprinzip, um das Vertreten einer gemeinsamen Haltung nach aussen; damit habe ich überhaupt kein Problem.»

Wie die Debatte um die Salle Modulable im Stadtparlament ablaufen wird, wagt Züsli nicht vorauszusagen: «Ich stelle aber fest: Die Meinungen innerhalb der Fraktionen sind unterschiedlich, die Fronten verlaufen quer.» Wie im Kantonsrat werde es auch im Stadtparlament um Finanzierung, Grösse sowie Einbindung ins Luzerner Theater gehen – plus den Standort Inseli: «Dieser spielt im Kantonsrat keine so grosse Rolle.»

Was sagt Züsli zum Parkhaus?

Für den neuen Stadtpräsidenten ist klar: «Das Projekt Salle Modulable hat eine wichtige Diskussion ausgelöst – um Synergien, ein vermehrtes Zusammengehen zwischen freier Szene und etabliertem Theater, den Kulturkompromiss. Diese Debatte muss weitergehen, unabhängig davon, ob die Salle Modulable kommt oder nicht.»

Ein weiteres wichtiges Dossier, mit dem sich Beat Züsli als Stadtpräsident beschäftigen wird, ist das Projekt Parkhaus Musegg. Auch hier vertrat er als Parlamentarier und im Wahlkampf ums Stadtpräsidium eine ablehnende Haltung. «Hier werden demnächst weitere Abklärungen erfolgen», sagt Züsli. «Die wird der Stadtrat dann anschauen und das Projekt neu beurteilen.» Auch hier werde er selbstverständlich die Meinung des Stadtrats vertreten.

Ein zentrales Thema ist für Züsli auch «die Zusammenarbeit nach aussen, mit den Regionsgemeinden, dem Kanton, wie sie in Organisationen wie ‹Luzern plus› bereits funktioniert». Hier will Züsli einen weiteren Schritt machen. Dabei müsse man aber realistisch sein: «Gemeindefusionen sind in absehbarer Zeit wohl kein Thema.»

Verständnis für Roths Entscheid

Was sagt Beat Züsli zum Rücktritt von Stefan Roth aus dem Stadtrat, der eine Neuwahl nötig macht und zu einer mehrmonatigen Vakanz in der Luzerner Stadtregierung führt? Hat es zwischen Roth und ihm eventuell auf persönlicher Ebene nicht funktioniert? «Nein», antwortet Züsli, «ich bin sicher, wir hätten zusammenarbeiten können.» Er könne den persönlichen Entscheid Stefan Roths zum Rücktritt aber verstehen. Die Nichtwahl als Stadtpräsident habe ihn «stark getroffen», sagte Roth am 18. August gegenüber unserer Zeitung. Ihm hätten in Zukunft der «intensive Dialog mit der Bevölkerung», aber auch die Repräsentationsaufgaben und die Führung des Stadtrats gefehlt. Dies habe ihm bisher «die Kraft und Motivation gegeben, das hohe Arbeitspensum zu bewältigen». Stefan Roth war am 5. Juni im zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium Beat Züsli klar unterlegen. Dieser erzielte 12 650 Stimmen, Roth erhielt 9388 Stimmen.

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