Stadträte: Am Ende gabs Prügel

Stadtrat Bieder verdrischt Stadtpräsident Studer. Und das alles, um Kindern und Jugendlichen eine Freude zu machen.

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Szene aus dem Stadtrat-Theater mit (von links) Urs W. Studer, Kurt Bieder, Ursula Stämmer und Ruedi Meier. Rechts die Cabakids. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Szene aus dem Stadtrat-Theater mit (von links) Urs W. Studer, Kurt Bieder, Ursula Stämmer und Ruedi Meier. Rechts die Cabakids. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Wilde Schlägerei am Mittwochabend in der Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg: Vier gestandene Männer und eine Frau verprügeln sich. Auweia. Doch es kommt noch viel schlimmer: Die Täter sind alles – Luzerner Stadträte. Baudirektor Kurt Bieder rammt Stadtpräsident Urs W. Studer sein Knie in den Magen. Studer ohrfeigt Bieder. Finanzdirektor Stefan Roth legt sich mit Umwelt-, Verkehrs- und Sicherheitsdirektorin Ursula Stämmer an. Und Sozialdirektor Ruedi Meier? Der knöpft sich Stadtschreiber Toni Göpfert vor.

Im Stadthaus werde eh nur Theater gespielt, sagen böse Zungen – und zwar meist himmeltraurige Komödien. Das wollen wir hier nicht weiter kommentieren. Gestern aber wars nun tatsächlich so weit. Luzerns Stadtrat spielte wirklich Theater – und was für eines. Anlass war die traditionelle Bescherungsfahrt der Safran-Zunft im Utenberg.

Bild: Pius Amrein/Neue LZ
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Bis zuletzt streng geheim

Das Unternehmen Stadtrat-Theater blieb bis zuletzt streng geheim. «Es war Stadtpräsident Studer höchstpersönlich, der die Idee dafür hatte», verrät Regisseur Walti Mathis, der das Ganze inszenierte. «Der Stapi wollte zusammen mit Sozialdirektor Meier den Spiess für einmal umdrehen und den Kindern und Jugendlichen etwas bieten», so Mathis. An der Safran-Bescherung ist es sonst Brauch, dass vor allem die Kinder und Jugendlichen Theater spielen.

Thema des 15-minütigen Stadtrat-Theaters war die Einweihung des städtischen Waisenhauses im Jahr 1811. Das ist kein Zufall, denn die heutige Kinder- und Jugendsiedlung ist die Nachfolgerin des 1971 geschlossenen Waisenhauses. Gleich zwei Jubiläen gibts also heuer zu feiern – 200 Jahre Waisenhaus-Gründung und 40 Jahre Jugendsiedlung Utenberg. Bei der Waisenhaus-Gründung sei es im damaligen Luzerner Bürgerrat laut historischen Quellen «tatsächlich etwas deftig zu- und hergegangen», sagt Mathis. «Man war sich nicht in allen Punkten einig.» Dass es aber gleich zur Massenschlägerei kam – und zwar weil man sich über die Wahl des Liedes, das zur Eröffnung gesungen werden sollte, nicht einig wurde –, ist historisch nicht verbürgt. «Das Stück soll ja auch ein Klamauk sein», sagt Mathis. Den Zuschauern am Donnerstag gefiels. Es gab tosenden Applaus – auch für die Cabakids, die im Stück den Kinderchor mimen.

«Es sind nicht alle gleich talentiert»

Dass gleich der ganze Stadtrat mitmachen würde, habe er zuerst fast nicht glauben können, sagt Mathis. Er wurde eines Besseren belehrt. Zwei Proben fanden statt. Und wie beurteilt der Regisseur das schauspielerische Können der Stadträte? «Es sind nicht alle gleich talentiert», sagt Mathis sibyllinisch. Und: «Ursula Stämmer ist super.» Immerhin: «Alle haben eine gute Grundvoraussetzung. Als Stadträte wissen sie, wie man sich an Leute wendet und wie man ungläubige Thomasse überzeugt.»

Beruf verfehlt?

In der Tat: Luzerns Stadträte kamen in ihren feschen historischen Kostümen auf der Bühne ganz ordentlich rüber und ernteten gar Szenenapplaus. Hat der eine oder die andere von ihnen vielleicht gar den Beruf verfehlt? Nun ja – diese Frage wollen wir andere beantworten lassen. Böse Zungen werden sagen: ja.

Hugo Bischof / Neue LZ