Stadtratswahlen in Kriens: So ticken die Herausforderer

Diese vier neuen Kandidaten wollen ins Stadthaus. Wir stellen ihre Hintergründe und Schwerpunkte vor.

Stefan Dähler
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Diese vier Neuen zieht's in den Krienser Stadtrat (von links nach rechts):  Maurus Frey (Grüne), Cla Büchi (SP), Marco Frauenknecht (SVP) und Roger Erni (FDP). Das Bild entstand im Treppenhaus des Stadthauses Kriens.

Diese vier Neuen zieht's in den Krienser Stadtrat (von links nach rechts):  Maurus Frey (Grüne), Cla Büchi (SP), Marco Frauenknecht (SVP) und Roger Erni (FDP). Das Bild entstand im Treppenhaus des Stadthauses Kriens.

Bilder: Pius Amrein (Kriens, 23. Januar 2020)

Der Wahlkampf in Kriens ist äusserst spannend – acht Personen kämpfen bei der Wahl am 29. März um fünf Sitze. Zurück tritt nur Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne). Neben den vier Bisherigen Matthias Senn (FDP), Judith Luthiger (SP), Franco Faé und Lothar Sidler (beide CVP) treten auch vier neue Kandidaten an: Roger Erni (FDP), Maurus Frey (Grüne), Cla Büchi (SP) und Marco Frauenknecht (SVP). Zwei von ihnen, Frey und Büchi, wollen auch Stadtpräsident werden. Wir stellen hier die vier Neuen vor:

Roger Erni (FDP)

Als ehemaliger Spieler des SC Kriens und Mitglied diverser Vereine ist Roger Erni (FDP) in der Bevölkerung bestens bekannt. Ausserdem ist der 46-jährige Familienvater derzeit Einwohnerratspräsident, die Sitzungen leitet er souverän. «Das hat natürlich einen Einfluss auf den Wahlkampf», sagt Erni. Zwar mache er an Anlässen, die er aufgrund seines Amts besucht, keine Werbung für sich. «Aber man kommt unter die Leute, das hilft natürlich.» Es könne aber auch sein, dass seine Präsenz gewissen Leuten zu viel wird. Erni war früher Lehrer und ist heute Geschäftsführer der ICT-Berufsschule in Adligenswil. Seit 2008 ist er Mitglied des Einwohnerrats. «In diesen Jahren habe ich mich von einem Linksliberalen zu einem Mitteliberalen entwickelt, was wohl mit meinem Berufswechsel zu tun hat», sagt er. Rechts stehe er aber nicht. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft lehnt Erni grösstenteils ab, so spricht er sich etwa gegen den Vaterschaftsurlaub aus. Dafür ist für ihn Sparen in der Bildung «ein No-go». Gegen Reformen wie die Abschaffung des Langzeitgymnasiums verschliesse er sich aber nicht.

Als Stadtrat stünden für Erni zwei Themen im Vordergrund: der Ausbau der Wirtschaftsförderung in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverband und die Erschliessung neuer Berufsbilder. «Im Moment bildet die Stadtverwaltung vor allem KV-Lehrlinge aus, was in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr so zukunftsträchtig ist.» Sein Ziel ist, eine Mediamatiker-Ausbildung zu etablieren. Aufgrund seines beruflichen Hintergrunds am nächsten wären Erni die Departemente Bildung oder Finanzen. «Aber ich bin offen für alles», betont er. Klar ist für ihn, dass er als Stadtrat vor allem strategisch tätig sein will. Es sei ihm aber klar, dass Veränderungen bei der Arbeitsweise der Verwaltung ihre Zeit brauchen. Als Chef lasse er seinen Mitarbeitern jeweils viele Freiheiten und versuche, auf deren Anliegen Rücksicht zu nehmen.

Maurus Frey (Grüne)

Trotz seiner 37 Jahre ist Maurus Frey schon fast ein alter Polit-Hase. Früh war er bei den Jungen Grünen Kriens aktiv, von 2008 bis 2013 politisierte Frey im Einwohnerrat, bis er vorübergehend wegzog. Heute wohnt der Familienvater wieder in Kriens, politisiert im Kantonsrat, ist Präsident der Grünen Kantonalpartei und arbeitet als Leiter Entwicklung in einem Unternehmen für Umweltmonitoring. Dass Frey – im Gegensatz zu den anderen Kandidaten – zur Zeit auf kantonaler Ebene politisch aktiv ist, sieht er nicht als Nachteil. «Durch meine Zeit im Einwohnerrat weiss ich, wie es in Kriens läuft. Zudem konnte ich zuletzt auch lernen, wie der Kanton funktioniert, was als Stadtpräsident hilfreich ist, denn der Kanton ist ein wichtiger Partner.»

Freys Ziel ist das Stadtpräsidium, aber auch die anderen Departemente würden ihn reizen. Eines seiner Ziele ist, Kriens und insbesondere den Stadtteil Luzern Süd mit Freiräumen, Geschäftern und attraktiver Gestaltung zu beleben: «Wir müssen von den Investoren Freiräume und qualitative Architektur einfordern.» Das könne weniger schnellen Profit für die Investoren und daher allenfalls auch weniger Bautätigkeit bedeuten, was einer nachhaltigen Entwicklung jedoch zu Gute komme. «Kriens soll nicht um jeden Preis wachsen.» Weiter wichtig ist Frey der Ausbau der Tagesstrukturen an Schulen. Auch sollen statt Module wieder mehr Fixbauten erstellt werden.

Zudem will sich Frey für gute Veloverbindungen einsetzen, «denn so wird auf der Strasse Platz frei für den ÖV und den wirtschaftlich notwendigen Verkehr». Eine Patentlösung für die Krienser Verkehrsprobleme gebe es noch nicht, aber die Digitalisierung könnte hilfreich sein, so Frey. «Eine Idee wäre allenfalls, auf der Achse Amlehn-/Schachenstrasse situationsbedingt und temporär ein Einbahnregime zu signalisieren.» Als Stadtpräsident oder Stadtrat will Frey kooperativ führen und das interdisziplinäre Arbeiten fördern. Letzteres sei insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung und des Klimaschutzes, die alle Departemente betreffen, unabdingbar. So müssten vermehrt heterogen zusammengesetzte Arbeitsgruppen entstehen. Weiter betont Frey, dass er Teams anführen will, «die Freude am Gestalten, Innovation und Leidenschaft an den Tag legen».

Cla Büchi (SP)

Das Steckenpferd von Stadtpräsidiumskandidat Cla Büchi (55) ist der Städtebau. Der Familienvater und SP-Fraktionschef, der seit fünf Jahren Einwohnerrat ist, gilt als Vater der Initiative für bezahlbaren Wohnraum, die letztes Jahr knapp abgelehnt worden ist. Büchi ist Inhaber eines Architekturbüros und auf Mandatsbasis Projektleiter der Überbauung Industriestrasse in Luzern. Die Überbauung gilt als innovatives Projekt: Es wird unter Einbezug unterschiedlicher Anspruchsgruppen partizipativ entwickelt. Es müssen die Interessen der fünf beteiligten Genossenschaften berücksichtigt werden. Weiter fanden Workshops mit der Bevölkerung, Areal- und Quartierbewohnern und Kindern statt, die ihre Bedürfnisse und Ideen einbringen konnten.

Partizipation will Büchi auch als Stadtpräsident einbringen. Das klinge nicht nach viel, könne aber einiges bewirken. «So stärkt man den Identitätsbezug der Bevölkerung zu ihrem Wohn- und Arbeitsort, aber letztlich auch das Vertrauen in die Politik.» Bisher sei es oft so: Die Behörden planen – um dann auf Widerstand zu stossen. «Dies, weil die Bevölkerung zuvor nicht einbezogen oder nicht ernst genommen wurde.» Büchi schwebt vor, in jeder Legislatur einen grossen Mitwirkungs-Anlass durchzuführen, der nicht nur Bauprojekte, sondern die Frage, wie sich Kriens generell entwickeln soll, thematisiert. Als Führungsperson hat Büchi hohe Anforderungen an sich selbst und seine Mitarbeiter. «Man muss Visionen haben und die Ziele klar kommunizieren.» Er pflege aber einen kollegialen und «sicher keinen militärischen Umgangston». Apropos Militär: Als junger Mann musste Büchi gar ins Gefängnis, weil er den Militärdienst aus Gewissensgründen ablehnte. Zivildienst gab es damals noch nicht.

Innerhalb der SP möchte Büchi keinem Flügel zugeordnet werden. «Ich richte mich nicht nach Ideologien. Ich bin offen für Diskussionen und Allianzen mit allen Parteien, wenn es einer Sache dient.» Persönlich ist er kein Mann der lauten Worte. «Ich will ernsthaft diskutieren und bin weniger der Smalltalk-Typ, aber daran kann ich noch arbeiten», sagt Büchi schmunzelnd. «Dafür habe ich keine Berührungsängste und gehe auf alle Menschen zu – egal, welche politische Haltung sie haben.» Im Weiteren schätzt er sich als ein guter Zuhörer ein.

Marco Frauenknecht (SVP)

Mit 32 Jahren ist Marco Frauenknecht der jüngste Stadtratskandidat. Er ist im Berner Seeland aufgewachsen und 2013 nach Kriens gezogen. Bis 2018 arbeitete er in der Armee als Berufsmilitär und Ausbilder, seither ist er Teamleiter Verkehrsmassnahmen beim Kanton Luzern. Innerhalb der SVP konnte er sich rasch Respekt verschaffen und ist derzeit Vizepräsident der Kantonalpartei. In den Krienser Einwohnerrat rutschte er letzten Herbst für Yvette Estermann nach, die damals auch ihre Stadtratskandidatur zurückzog.

Dass er seither noch nicht viel Zeit hatte, sich lokalpolitisch zu profilieren – etwa mit parlamentarischen Vorstössen – sieht Frauenknecht nicht als Nachteil. «Mein Ziel ist nicht primär, mit Vorstössen die Verwaltung zu beschäftigen, sondern den Stadtrat und die Verwaltung zu unterstützen.» Durch seine berufliche Tätigkeit habe er bereits breite Erfahrungen in öffentlichen Verwaltungen und als Führungsperson gesammelt. Offen wäre er für alle Departemente, doch sein Wunsch ist das Baudepartement, zu dem auch der Verkehr gehört. «Hier haben wir in Kriens grosse Defizite.» Patentlösungen kann er auch noch nicht präsentieren, doch sein Ziel ist vor allem aus Sicherheitsgründen «eine kluge Entflechtung des Fuss- und Veloverkehrs vom Autoverkehr und dem ÖV». Ein wichtiges Anliegen ist ihm die Verbesserung von Signalisationen und Markierungen.

Dem Krienser Gesamtverkehrskonzept steht Frauenknecht offener gegenüber als seine Partei. Es ist für ihn ein tauglicher Ansatz, auf dem man aufbauen könne und auch sollte. Die rote Linie für ihn sind Massnahmen, die das Stimmvolk früher abgelehnt hat, zum Beispiel die Unterbindung des Durchgangsverkehrs auf der Achse Amlehn-/Schachenstrasse. In der politischen Grundhaltung sei er «klar bürgerlich», sagt Frauenknecht. «Dennoch bin ich stets offen für neue Ideen und gute Kompromisse, aus welcher politischen Ecke sie auch kommen. Denn in einer Exekutive muss man schliesslich gemeinsam Lösungen finden.» Seinen Führungsstil bezeichnet er deshalb als lösungsorientiert und kooperativ, wobei besonders auch die Ideen der Mitarbeiter mehr ins Gewicht fallen sollten. «Aber es gibt auch Situationen, in denen man als Chef Entscheidungen fällen muss und auch soll.»

Hinweis: Die bisherigen Kandidaten stellen wir zu einem späteren Zeitpunkt vor.

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