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STADTRUNDGANG: Wie die Reformation in Luzern scheiterte

Weltweit wird dieses Jahr 500 Jahre Reformation gefeiert. Spuren aus dieser Zeit finden sich auch im katholischen Luzern. Jetzt werden sie in einer neuen Führung beleuchtet.
Gabriela Jordan
Die Matthäuskirche aus dem Jahr 1860 war die erste reformierte Kirche in Luzern. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 16. September 2017))

Die Matthäuskirche aus dem Jahr 1860 war die erste reformierte Kirche in Luzern. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 16. September 2017))

«Eigentlich standen die Vorzeichen für eine Reformation in Luzern ganz gut», sagt Delf Bucher. Der Journalist und Stadtführer steht auf dem Dach des Altstadt-Parkhauses, wo sich ein umwerfender Blick auf die Museggmauer eröffnet. Vor dieser Kulisse schildert er seinen Zuhörern, wie es vor 500 Jahren um die Glaubensverhältnisse in Luzern stand. Bei der ehemaligen Stadtmauer habe jeweils der berühmte Mus­eggumgang stattgefunden. Tausende Gläubige pilgerten nach Luzern, um sich von ihren Sünden zu befreien. Das Spannende daran: Unter den Festpredigern befand sich auch ein Reformator. Das war 1522, nur wenige Jahre nachdem die Reformation 1517 die Glaubenswelt gespalten hat. «Man geht davon aus, dass damals ungefähr die Hälfte der Luzerner Geistlichen reformiert gesinnt war.» Heute sind gemäss der kantonalen Statistikstelle Lustat 63 Prozent der Luzerner römisch-katholisch und 11 Prozent protestantisch.

Die Leute auf dem Parkhausdach lauschen Delf Buchers Schilderungen. Sie befinden sich auf dem neuen Stadtrundgang zur Reformationszeit, der sich anlässlich des 500-Jahre-Jubiläums den historischen Spuren in Luzern widmet. Weshalb ist die Reformation in Luzern gescheitert? «Plötzlich kippte die Stimmung in Luzern», sagt Bucher. «Beim besagten Museggumgang hielt ein gewisser Konrad Schmid aus Küsnacht bei Zürich die Predigt, der ein Vertrauter Zwinglis war.» Darin habe er unverblümt die reformatorischen Ideen dargelegt, wonach es neben Christus weder Heilige und Reliquienkult noch den Papst brauche. «Bei diesem revolutionären Gedankengut gerieten die Altgläubigen in Panik», erzählt Stadtführer Delf Bucher. Reformer wurden daraufhin aus der Stadt vertrieben, entsprechende Schriften verbrannt.

Reformator «überforderte die Luzerner»

Die Stadt verlassen musste auch ein Gelehrter namens Myconius, der als wichtiger Meinungsmacher in Luzern galt. «Im Gegensatz zu Zwingli hatte Myconius kein Gespür für politische Stimmungen. Mit seinem Tempo überforderte er die Luzerner.» An der Matthäuskirche in der Hertensteinstrasse, wo die Stadtführung beginnt, erinnert heute ein Relief an ihn. Die Kirche aus dem Jahr 1860 war übrigens die erste reformierte Kirche in Luzern – 1800 waren reformierte Gottesdienste wieder erlaubt worden. Das Grundstück dafür wurde von den Besitzern des Hotels Schweizerhof bereitgestellt: der Familie Hauser, die reformiert gesinnt war. Deren Nachfahren besitzen das Hotel noch heute, sind inzwischen aber katholisch.

Der Rundgang führt unter anderem zur Reuss – wo Andersgläubige nicht selten ersäuft wurden. «In Luzern konnte man Leute gut um die Ecke bringen», sagt Bucher und nennt in diesem Zusammenhang auch den Parkplatz bei der Sentimatt-Überbauung, wo man Ketzer früher auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat. Bei der Kapellbrücke, einer weiteren Station, wird erneut ein Zürcher ins Zentrum gerückt: Der Maler Hans Heinrich Wegmann, der vom altgläubigen Luzern aus ökonomischen Gründen angetan war. Durch die Reformation in Zürich und dem damit einhergehenden Bilderverbot wurde er dort weitgehend arbeitslos. «In Luzern hingegen kam es zu einer Gegenbewegung, bei der die wohlhabenden Patrizier in einen wahrhaftigen Bilderrausch verfielen», erklärt Bucher. Viele Maler wie auch Wegmann profitierten davon. Seine drei Bilderzyklen fielen 1993 jedoch dem Brand der Kapellbrücke zum Opfer.

Ökonomische Gründe waren es auch, die 1524 zum Scheitern der Reformation geführt haben. Wie andere Nachbargebiete wollte auch Luzern nicht auf die Einnahmen aus dem Söldnerwesen verzichten. Bucher erklärt: «Die Altgläubigen fürchteten, dass die Reformer dieses lukrative Geschäft bekämpfen würden. So beschlossen sie, der alten Kirche treu zu bleiben.» Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden alle reformatorischen Gedanken unterdrückt. Besonders repressiv zeigte sich Thomas Murner aus Strassburg: Dem «Hassprediger» wurde am Gutenberghof beim Vögeligärtli ein Denkmal gesetzt.

Auch Katholiken wirken am Rundgang mit

Die Premiere des Rundgangs fand letzten Samstag statt. Auf die Frage, wer die Führung initiiert hat, meint Bucher lachend: «Das ist wohl auf meinem Mist gewachsen.» Er habe die Idee ins Rollen gebracht und sie mit dem Team der «Untergrundgang»-Führungen sowie mit kirchengeschichtlich Interessierten ausgestaltet – darunter Markus Ries, Theologe an der Universität Luzern.

«Mit Markus Ries und den anderen involvierten Kirchenhistorikern, Urs Häner und Peter Lussy, haben letztlich mehr Katholiken in den Archiven nach reformationsgeschichtlichen Spuren gewühlt als Protestanten», bemerkt Bucher. Er selbst ist reformiert. Am meisten hineingekniet habe sich aber Hans Jurt – obwohl er keiner Kirche angehört.

Gabriela Jordan

gabriela.jordan<span class="mail_autor">@luzernerzeitung.ch</span>

Hinweis:Weitere Führungen sind am 21. 9., 20. 10., 28. 10. und 5. 11. Mehr Infos unter: www.untergrundgang.ch.

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