Kolumne «Stadtwärts»
Alles gerade ziemlich angespannt

«Angespannt» ist das wohl meistverwendete Wort in der Hochwasserkrise. Doch gibt es eine passende Alternative?

Roman Hodel
Roman Hodel
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Es gibt ja so Wörter, die heutzutage öfter zu hören sind als früher. «Voll» ist so eines. «Ja voll» als Bestätigung, zum Beispiel in einem Gespräch. Dies vornehmlich unter jüngeren Semestern. Und dann gibt es Wörter, die situationsbedingt gerade Hochkonjunktur haben. «Angespannt» kommt mir da in den Sinn. In der letzten Woche war die Situation irgendwie überall «angespannt». Es ging natürlich ums Hochwasser; respektive wahlweise um die Situation, Lage oder Stimmung. Allein in den letzten sieben Tagen zählt unser Redaktionssystem 81 Mal (!) die Verwendung von «angespannt», gegen Ende Woche ergänzt mit «sehr» oder «äusserst». Egal ob Feuerwehrkommandant, Meteorologe oder wir Journalisten selber. Immer wieder war es «angespannt».

Angespannte Lage an der Reuss in der Nähe des Wehrs.

Angespannte Lage an der Reuss in der Nähe des Wehrs.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 15. Juli 2021)

Und ja, auch ich habe es verwendet. Mehrfach. Dabei gäbe es durchaus Alternativen. Aber taugen sie auch? Google empfiehlt als Synonym als erstes «beängstigend». Gemäss unserem Archiv wurde dieses Adjektiv in Zusammenhang mit dem Hochwasser in den letzten sieben Tagen nur ein Mal gebraucht. Auch nur ein Mal verwendet wurde «bedrohlich». Immerhin auf sechs Mal bringt es «besorgniserregend».

Aber seien wir ehrlich: Die Synonymempfehlungen passen fürs Hochwasser in der Schweiz nur bedingt. Zu hysterisch. Und davon sind wir Medien doch weit entfernt.

Nichtsdestotrotz: Ich habe das Wort satt. Und vor lauter «angespannt» fühle ich mich mittlerweile «verspannt». Glaubt man den Wetterprognosen, soll sich die Hochwassersituation diese Woche beruhigen. Wissen Sie was? Ich bin «gespannt».