Kolumne
«Stadtwärts»: Das ewige Wetter-Gejammer

Zu heiss, zu kalt, zu trocken, und so weiter: Das Wetter kann es uns Schweizern einfach nie recht machen.

Hugo Bischof
Hugo Bischof
Drucken

Wie haben wir ihn nach dem kalten, regnerischen Mai herbeigesehnt: den Sommer! Jetzt ist er da, mit voller Wucht. Und schon geht das Gejammer los. Zu heiss, zu tüppig! Im Büro ärgert man sich über die falsch eingestellte Klimaanlage. Zu Hause kann man sich nicht einigen, ob man nun draussen essen soll oder doch lieber drinnen, wo es so angenehm kühl ist. Und dann immer diese peinlichen Schweissflecken auf dem Hemd – igitt!

Wir Schweizer sind halt so. Wenn es zu warm wird, ist es uns nicht recht. Wenn es zu kalt wird, sowieso nicht. Zu viel Regen ist nicht gut, zu wenig aber auch nicht. Und wenn’s mal so richtig trocken wird, läuten die Alarmglocken. Dann sterben einem noch die mit viel Liebe gepflanzten Geranien auf dem Balkon ab.

Nur im kühlen Nass gibt es keinen Grund, sich über die Sommerhitze zu beklagen.

Nur im kühlen Nass gibt es keinen Grund, sich über die Sommerhitze zu beklagen.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 18. Juni 2021)

Der Januar ist endlos lang, dafür gehen der Juli und der August mit den Sommerferien wie ein Wimpernschlag vorbei. Der April macht sowieso, was er will. Im Winter sind die Tage viel zu kurz. Im November bringt uns neuerdings wenigstens der Black Friday ein bisschen (Konsum-)Freude.

Zurück zum Wetter: Der Wechsel der Jahreszeiten ist doch etwas Wunderbares. Zwar astronomisch berechenbar, und doch oft eine Wundertüte. Es gibt Länder am Äquator, wo die Sonne jeden Tag um die gleiche Zeit auf- und dann zwölf Stunden später wieder untergeht und das Klima das ganze Jahr über mehr oder weniger gleich ist.

Vor kurzem lief ich mit meinem Jack Russell Terrier einem befreundeten Hundebesitzer über den Weg. «Mein Hund leidet sehr unter der Hitze», klagte er mir, «er schläft kaum, wandert in der Nacht ruhelos auf und ab.» Und dann der Satz, der aufhorchen lässt: «Zum Glück ist der Sommer bald vorbei.» Da haben wir es wieder, das ewige Gejammer.