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Kolumne

«Stadtwärts»: Das Gefühl von Pfirsichhaut...

Essen Sie gerne Früchte? Unsere Autorin kann diese Frage mit Ja beantworten – besonders im Sommer. Doch genau das hat seine Tücken.
Beatrice Vogel
Beatrice Vogel, Redaktorin Ressort Stadt/Region Luzern.

Beatrice Vogel, Redaktorin Ressort Stadt/Region Luzern.

In der Schweiz können wir uns ja glücklich schätzen, dass wir (noch) Jahreszeiten haben und damit viel Abwechslung: Fondue und Skifahren im Winter, Glace und Baden im Sommer. Was ich an der warmen Jahreszeit besonders liebe, ist die riesige Auswahl an frischen Früchten: Kirschen, Beeren, Melonen, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche – wie im Schlaraffenland. Zu den Pfirsichen habe ich allerdings ein gespaltenes Verhältnis. Ich mag den Geschmack, doch ihr pelziges Äusseres verursacht bei mir Gänsehaut. Manchmal reicht es schon, wenn ich daran denke; aber vor allem, wenn ich die Pfirsichhaut anfasse, jagt mir deren Textur einen Schauer über den Rücken und verursacht Übelkeit. Reinbeissen geht erst recht nicht.

Bei Aprikosenhaut geht es mir ähnlich, aber nicht ganz so schlimm, sodass ich die Aprikosen mit ein wenig Überwindung essen kann. Zum Glück, denn ich liebe Aprikosen! So mancher kennt das beschriebene Gefühl vielleicht von Kreide (anfassen oder auf der Wandtafel kratzen hören). Ich kenne auch Leute, die empfinden Ekel vor hölzernen «Glace-Stängeli». Dank Internet-Recherche habe ich herausgefunden, dass ich mit meinem Pfirsichhaut-Ekel nicht allein bin. Beruhigend.

Es gibt übrigens Foren, die sich mit dem Thema beschäftigen: Andere Leute ekeln sich etwa vor Fleece, Mikrofaser-Tüchern, Schleifpapier, Styropor, Schaumstoff, Filzdecken, unglasiertem Ton, Hochglanzpapier oder vor Plastik. Bekannt ist, dass Geruch und Aussehen von Speisen – evolutionär bedingt – Ekel verursachen können, weil das den Menschen davon abhält, verdorbene Lebensmittel zu konsumieren. Ein überlebenswichtiger Reflex. Mir stellte sich aber die Frage, warum Tasteindrücke denselben Effekt haben können. Auch hier fand ich im Internet eine Antwort.

Wissenschaftlich erforscht ist das Phänomen zwar noch kaum. An der Uniklinik Dresden wurde aber eine Doktorarbeit über die «Wahrnehmung und Bewertung Ekel auslösender Sinnesreize» verfasst. Die Autorin stellt fest, dass sich Probanden teils an Tasteindrücke gewöhnt haben. Sie erklärt dies ebenfalls mit der Evolution: «In der Nacht können Menschen so gut wie nichts sehen und wenn Reize nachts über den Tastsinn wahrgenommen werden, müssen diese zwangsläufig sehr nahe an den Körper herangekommen sein. Dies kann gegebenenfalls lebensbedrohlich sein.» Sprich: Ist der Tasteindruck vertraut, kann der Ekel überwunden werden, weil es sich beim Ertasteten nicht (mehr) um etwas Gefährliches handelt. Sollte das mit dem Gewöhnungseffekt stimmen, müsste ich also ganz oft Pfirsiche anfassen, um meinen Ekel zu überwinden. Allerdings wird mir nur schon beim Gedanken daran leicht übel. Da halte ich mich lieber an die Alternative, welche die Natur – zu meinem Glück – über Mutationen hervorgebracht hat: Die Nektarine schmeckt zwar nicht genau gleich, aber ähnlich genug, dass sie als glatter Pfirsich durchgeht. Ein Hoch auf die Evolution!

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