Kolumne
«Stadtwärts»: Das Geständnis: Ich bin nur ein Papierli-Luzerner

Schockierende Enthüllungen unseres Redaktors Roman Hodel.

Roman Hodel
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Roman Hodel.

Roman Hodel.

Diese Kolumne hier müsste ich Ihnen eigentlich vorlesen, und zwar im Dialekt. Denn darum geht’s. Ich bin – und jetzt ist es raus – «nur» ein Papierli-Luzerner. Konkret ist mein Heimatort zwar Hitzkirch und meine Eltern sind im Seetal aufgewachsen – ich allerdings nicht. Genau genommen hat unsere Familie väterlicherseits ihren Ursprung sogar in Hergiswil. Wohlgemerkt, jenes mit den höheren Steuern – und ohne Seeanstoss.

Anyway. Da ich also nicht in Luzern, sondern im Aargau zur Schule gegangen bin, rede ich manchmal etwas komisch. Ich sage beispielsweise «Äuto» und nicht «Auto» wie die Stadtluzerner oder gar «Outo» wie eben die Hergiswiler. Und «rüüdig» gehört halt nicht wirklich zu meinem Wortschatz – obwohl ich es natürlich von kleinauf kenne.

Und das bringt mich zu folgendem Erlebnis: Neulich war ich mit unserem Hund Gassi im Bireggwald. Eine Frau, ebenfalls mit Hund, kommt uns entgegen. Wir begrüssen uns, ein bisschen Small Talk über Vierbeiner. Plötzlich sagt sie: «Ah, wir haben uns auch schon hier getroffen, sind Sie nicht aus Zürich?» Ich so: «Ja, wir haben uns auch schon getroffen. Aber das mit Zürich… ich habe einfach viele Jahre dort gewohnt.» Sie so: «Ja eben, das hört man.»

Nun, ich war irgendwie etwas beleidigt, liess mir aber nichts anmerken. Die Frau sprach und sprach und sprach. Und da fiel mir etwas auf. Ich so: «Sie sind aber auch nicht aus Luzern, stimmt's?» Sie so: «Nein, ursprünglich aus Basel.» Bis heute frage ich mich, was nun schlimmer ist.