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Kolumne

«Stadtwärts»: Die Probleme mit
dem Feierabend

Jonas von Flüe über plötzlich verschlossene Türen.
Jonas von Flüe
Jonas von Flüe

Jonas von Flüe

Feierabend, endlich Feierabend! Das dachte sich wohl die Angestellte eines Luzerner Sportcenters eines Sonntagabends. Noch schnell den Computer runterfahren, die Lichter löschen, die Alarmanlage einschalten – und hinaus in die laue Nacht. Dumm nur, dass meine beiden Freunde zu diesem Zeitpunkt nach einer hart umkämpften Badminton-Partie noch unter der Dusche standen.

Feierabend. So hiess die nette Dame, die dafür gesorgt hat, dass die beiden Männer an jenem Abend doch noch nach Hause gekommen sind. Nachdem die Alarmanlage losgegangen war und sie vor einer verschlossenen Türe standen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Polizeinotzentrale anzurufen, wo Frau Feierabend ihnen weiterhelfen konnte. Eine ganze Stunde verbrachten sie im abgeschlossenen Sportcenter, bis sie ein misslauniger Security doch noch befreite.

Da hatte ich ja noch richtig Glück. Denn «Feierabend, endlich Feierabend», dachte sich wahrscheinlich auch jemand bei der Zentralbahn eines Samstagabends. Als Exil-Obwaldner bin ich regelmässig auf deren Strecke zwischen Giswil und Luzern unterwegs. Mit dem Angebot bin ich recht zufrieden – abgesehen natürlich von den überfüllten Zügen während der Sommermonate. Ich erinnere mich an die alten, lauten und unklimatisierten Wagen der Brünigbahn, die mich von der Kanti nur im Stundentakt nach Hause brachte. Eine Minute zu spät bedeutete damals eine Stunde warten. Da lobe ich mir die zahlreichen Verbindungen und die modernen Kompositionen, die heute «Spatz» oder «Adler» heissen.

Zurück zum Feierabend. Kürzlich wurde ich von der Zentralbahn wieder positiv überrascht. An jenem besagten Samstag fuhr mitten in der Nacht auf Sonntag ein Extrazug vom Bernisch-Kantonalen Jodlerfest in Brienz nach Luzern. Dieses Angebot habe ich gerne genutzt, um der geselligen Runde in Sarnen um ein paar Bier länger beizuwohnen. Kurz vor 2 Uhr bestieg ich den fast leeren Nachtzug nach Luzern, eine halbe Stunde später stieg ich wie üblich in Luzern Allmend/Messe aus. Grosser Fehler! Denn mit mir hat bei der Zentralbahn niemand gerechnet. Alle drei Ausgänge des unterirdischen Bahnhofs waren abgeschlossen, der Lift war ausser Betrieb.

Feierabend hat mein Handy leider bereits einige Stunden früher gemacht. Ich dachte an Frau Feierabend, konnte sie aber mit leerem Akku nicht erreichen. Was tun? Randalieren? Nicht so mein Ding. Den Gleisen entlang laufen? Zu gefährlich. Notknopf? Inexistent (oder nicht gefunden). Auf der unbequemen Bank übernachten? Keine Option! In meiner puren Verzweiflung positionierte ich mich vor einer Überwachungskamera und winkte in die schwarze Linse. Ich habe wild gestikuliert, mich spätnachts zum Affen gemacht. Mit Erfolg. Nach wenigen Minuten begann der Lift zu laufen und ich kam doch noch ins Freie. Die Fahrdienstleitung kennt zum Glück im Gegensatz zu Sportcenter-Angestellten keinen Feierabend.

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