Kolumne

Stadtwärts: Die Tücken der Technik

Manchmal ist es besser, sich auf Bewährtes zu verlassen. Auch wenn die digitalen Hilfsmittel sehr verlockend sind.

Beatrice Vogel
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Beatrice Vogel

Beatrice Vogel

Jede Journalistin hat ihre eigene Methode, festzuhalten, was ihr tagein, tagaus erzählt wird. Manche nehmen alles auf Band auf, andere haben ein Telefon-Headset und tippen das Gehörte in ein Word-Dokument. Während meines ersten Zeitungspraktikums habe ich mir voller Begeisterung ein Diktiergerät gekauft. Das ist noch nicht extrem lang her, aber Smartphones – die heute zur Tonaufnahme gebraucht werden – gab es damals noch nicht. 

Unabhängig davon habe ich das Diktiergerät nie wieder benutzt, weil sich herausgestellt hat: Ich bin vom Typ «handschriftliche Notizen». Nichts Gehörtes bleibt mir so gut, wie wenn ich es während des Hörens von Hand aufschreibe. Allerdings schwindet die Erinnerung natürlich, je länger das Gespräch her ist. Deshalb habe ich mich kürzlich bei einem Interviewtermin für eine Tonaufnahme entschieden. Denn es war schon von vornherein klar, dass ich einige Tage nicht zum Verschriftlichen kommen werde. Also nahm ich das Gespräch mit dem «Soundrekorder» meines Smartphones auf.

Die Ernüchterung folgte beim Abhören: Von dem fast einstündigen Gespräch sind gerade mal zwei Minuten aufgenommen worden. Horror! Natürlich verteufelte ich die moderne Technik – unzuverlässiger Schrott. Bis ein Kollege meinte: «Du hättest auf Flugmodus stellen sollen.» Wenn nämlich während der Aufnahme beispielsweise eine Nachricht empfangen werde, breche die Aufnahme ab. Tatsächlich hatte ich während des Interviews eine Whatsapp-Nachricht erhalten.

Schon klar: Dem Nachrichtenschreiber die Schuld zuzuschieben, wäre unfair. Auch die Technik kann ich nicht vollumfänglich dafür verantwortlich machen. Bleibt mir nur, daraus zu lernen – vielleicht, indem ich mein altes Diktiergerät wieder belebe. Zum Glück muss das Gespräch dennoch nicht wiederholt werden: Weil ich meinem Handy nicht traue, habe ich sicherheitshalber mitgeschrieben. Manchmal hat Technik-Skepsis eben doch was Gutes!

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