Stadtwärts
«Fahren Sie weniger Bus – die Umwelt dankt!»: Wie sich der Luzerner Stadtrat vor Kindern blamiert

Der rot-grüne Stadtrat von Luzern hat einen neuen Umweltsünder entdeckt: den Bus. Ist das vielleicht ein Aprilscherz?

Robert Knobel
Robert Knobel
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Zwei Schülerinnen steigen in einen Bus ein.

Zwei Schülerinnen steigen in einen Bus ein.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 18. März 2021)

«Aus ökologischer Sicht sollen kurze Wege möglichst zu Fuss oder fallweise mit dem Velo zurückgelegt werden», schreibt der Stadtrat und erklärt so dem Stadtluzerner Kinderparlament, wieso Gratis-ÖV für Kinder keine gute Idee sei (wir berichteten).

Nun – es gibt durchaus Gründe, die Forderung des Kinderparlaments kritisch zu beurteilen. Doch die Antwort des Stadtrats ist stellenweise derart haarsträubend, dass man einen verfrühten Aprilscherz auf
Kosten des Kinderparlaments nicht ganz ausschliessen kann. «Mobilität ist ein gewichtiger Faktor der Klimabelastung», schreibt der Stadtrat etwa und schiebt gleich nach: «Eine Gratisnutzung würde zu einer gehäuften Nutzung führen.» Tja, wo käme man hin, wenn plötzlich Heerscharen von Kindern und Jugendlichen den Bus benutzen würden? Da würde ja niemand mehr die vielen Velowege benutzen,
für deren Bau die Stadt eigens Parkplätze beseitigen will.

Allerdings scheint auch das Velo, bisher Lieblingsvehikel der städtischen Verkehrspolitik, nicht mehr so hoch im Kurs zu sein. Man solle das Zweirad höchstens «fallweise» benutzen, redet der Stadtrat den Kindern ins Gewissen. Als Grund wird ebenfalls die Ökologie angegeben. Klar: Auch Velos verursachen Reifenabrieb, der zu Feinstaub führt.

Aber solche komplexen Zusammenhänge verstehen Kinder wohl nicht – genauso wenig wie das Problem der Kostenwahrheit im Verkehr. Deshalb holt der Stadtrat auch hier zur pädagogisch hilfreichen Erklärung aus: Kinder müssten lernen, «dass Mobilität nicht gratis zu haben ist». Womöglich würde man eine Generation von lauter Schwarzfahrern heranzüchten, weil diese nie gelernt hat, wie man ein Busticket kauft.

Derweil werden diejenigen Kinder, die im Porsche Cayenne zur Musikschule gefahren werden, wohl kaum glauben, dass Mobilität gratis sei. Allerdings findet der Stadtrat auch «Elterntaxis» ökologisch bedenklich, wie er schreibt.

Da bleibt den Kindern wohl nicht viel anderes, als den Aufruf des Stadtpräsidenten anlässlich des ersten Lockdowns auch weiterhin zu beherzigen: «Bleibt zu Hause!»