Kolumne

«Stadtwärts»: Getrampel und andere Laute

In einem grossen Mehrfamilienhaus kann allein schon das Herumlaufen in der eigenen Wohnung die Nachbarn stören – so sehr, dass schon mal die Verwaltung einschreiten muss.

Roman Hodel
Drucken
Teilen
Roman Hodel

Roman Hodel

Gehören Sie zu den Fersenläufern? Möglicherweise haben Sie sich darüber noch nie Gedanken gemacht – so wie ich. Bisher. Doch vor einigen Wochen lag ein persönlich adressiertes Schreiben im Briefkasten, von der Hausverwaltung. Ich dachte: Toll, eine Mietzinsreduktion! Tja, falsch getippt. Es ging um das Zusammenleben im Haus. Ein grosses Haus notabene. «Niemand freut sich über hörbares Getrampel der Nachbarn in der eigenen Wohnung», stand geschrieben.

Tatsächlich höre ich täglich Getrampel. Allerdings stört es mich nicht. Die Verwaltung klärte in dem Schreiben auf, dass die Geräusche nicht zwingend aus einer angrenzenden Wohnung stammen müssen. Grund: Die Skelettbauweise des Gebäudes. Jäso. Jedenfalls bat die Verwaltung, ich solle mich «mit weichen Schritten» durch die Wohnung bewegen und achten, ob ich zu den Fersenläufern zähle.

Sicherheitshalber fragte ich meine Nachbarn auf der Etage, ob sie auch einen solchen Brief erhalten hätten. Man weiss ja nie. Sie nickten. Somit war klar: Ich bin nicht allein. Wir alle können Trittschall-Opfer und/oder Täter sein. Im selben Brief mahnte die Verwaltung, Lärm zu vermeiden. Generell. Vor allem nach 22 Uhr. Da musste ich an eine Nacht im Sommer denken. Geräusche aus einer anderen Wohnung rissen mich damals aus dem Schlaf. Zuerst dachte, da wird jemand erwürgt. Ähem. Tatsächlich waren es andere Laute. Nix Trittschall. Übrigens, mir ist inzwischen klar – ich bin kein Fersenläufer.